Donnerstag, 28. Juli 2016

Review: Burkhartsvinter - Burkhartsmal (CD, Eigenproduktion - 2016)

Aus dem nationalen Underground erreichte mich kürzlich das Debüt-Werk der drei Mannen von BURKHARTSVINTER aus Baden-Württemberg. Dabei existiert die Band bereits seit 2013 und stellte zunächst ein lediglich ein Ein-Mann-Projekt von Sänger und Gitarrist Hellstone dar. Nachdem man einige Demo-Aufnahmen eingespielt hatte, stieß Shrvyneshynder für das Schlagzeug hinzu. Im Jahre 2015 wurde die Band schließlich durch den Bassisten Mordbrand komplettiert. Womit das fertige, schlicht "Burkhartsmal" betitelte erste Album kann und worauf sich die werte Hörerschaft freuen darf, lest ihr im folgenden...



Zunächst einmal fällt hier die edle Aufmachung auf: das Digipak ist zwar schlicht, aber robust und stabil. Neben dem düsteren Frontcover bietet die Vorderseite noch ein Wachssiegel mit Odal-Rune und zwei umgedrehten Kreuzen, samt kleinem Klebestreifen, der das Digipak verschließt - ich denke auf diesem wird sich bei den normalen CDs auch die Limitierung befinden. Die Innenseite hält dann Fotos der Protagonisten bereit, sowie einige Eckdaten zur Entstehung des Albums. Auf die Rückseite ist die Titelliste abgedruckt. Insgesamt versprüht die Aufmachung einen ziemlich professionellen Eindruck und man mag es kaum glauben, dass hier eine Band in Eigenregie gerade ihr Debüt veröffentlicht hat - dazu passt auch, dass es sich bei der CD tatsächlich um einen Silberling handelt und um keine Pro-CDr oder sonst was.

Widme ich mich aber dem Kernstück - der Musik. Die CD enthält zunächst einmal oberflächlich betrachtet fünf Lieder parat, die zusammen eine Spielzeit von ungefähr 44 Minuten aufweisen. Was die Längen der einzelnen Beiträge anbelangt, darf man also schon einmal von einem gewissen epischen Flair sprechen. Epik ist allerdings in meinen Augen nicht der geeignetste Begriff für die Musik von BURKHARTSVINTER. Vielmehr wird hier waschechter und unverfälschter Old School Black Metal zelebriert, der sich am Stil der Mitt-90er orientiert. Keyboards kommen hier jedoch keine zum Einsatz und so werden die schwarzen und erhabenen Atmosphären allein durch das Zusammenspiel von Gitarre, Gesang, Bass und Schlagwerk erzeugt, was auch hervorragend gelingt. Schon "Burkhartsmal I: Niederstieg" macht innerhalb seiner mehr als 11 Minuten deutlich, um was es der Truppe geht: um Schwarzmetall der alten Schule, der aber trotz seiner nihilistischen und auch irgendwie desolaten Grundstimmung sehr spielfreudig und Detail-verliebt daherkommt. So entsteht eine Atmosphäre, die zwischen Misanthropie, Kälte, Trostlosigkeit und Erhabenheit hin und her pendelt und dabei aber jeder Zeit einen mehr als stimmigen Gesamteindruck hinterlässt. "Necroblight" besticht da dann eher durch seine schnelleren Gewaltausbrüche, und verleiht dem etwas gemächigten Midtempo des vorhergegangenen Stückes etwas mehr Druck. "Burkhartsmal II: Rotten Banner Over The Blasted Land" geht da sogar noch einmal einen Schritt weiter und wirkt gerade durch sein Zusammenspiel von Schlagzeug und Bass sehr erhaben und druckvoll. Die Gitarre wurde auf dem Werk auch nur auf einer Spur aufgenommen, was den positiven Effekt hat, dass die beiden anderen Instrumente, gerade aber der Bass, der im Black Metal allgemein ja eher eine undankbar Rolle einnimmt, bestens herauszuhören sind (ein Umstand, den viele heute noch nicht hinbekommen - wieso bekommt es eine Band, die gerade ihr erstes Werk veröffentlicht hat, auf Anhieb hin?). "Knausgard" kann die Spannungsschraube dann nochmals etwas andrehen und präsentiert sich als schneller Schwarzmetall-Bastard, der jedoch auch in keiner Knüppel-Orgie ausartet und immer eine Spur hasserfüllter Erhabenheit ausstrahlt. Auch die ganzen Tempowechsel, die auch in den anderen Liedern zu finden sind, tragen sehr viel dazu bei, dass es innerhalb der knappen 11 Minuten nicht langweilig wird. Eine wahre Hymne, die am Schluss dann aber doch nicht so ganz ohne Synths auskommt. Der dritte und letzte Teil von "Burkhartsmal" nennt sich "Magus in Norden" und stellt zugleich auch das letzte Lied dar. Hier wird noch einmal mächtig alles nieder geschlachtet, was der Vernichtung bisher noch entfliehen konnte. Hymnische Epik paart sich hier mit Kriegsgeschrei und Schlachtenlärm.

Fazit:
BURKHARTSVINTER präsentieren uns mit ihrem Erstling "Burkhartsmal" ein mehr als furioses Werk. Wenn man bedenkt, dass die Band in dieser Konstellation noch gar nicht so lange besteht und diese Veröffentlichung ohne irgend ein Label im Hintergrund aus dem Boden gestampft hat, dann wurde hier alles richtig gemacht. Ein paar kleinere Fehler im Spielfluss lassen sich zwar ausmachen - aber mal ganz ehrlich: Wen interessiert das hier noch? Hier handelt es sich eindeutig um eine authentische Band, dessen Mitglied mit Herzblut an die Sache herangegangen sind und etwas wirklich Wunderbares geschaffen haben. "Burkhartsmal" ist voll der Magie alter Tage, als Black Metal noch etwas bedeutete und Geister durch die nebelverhangenen nächtlichen Wälder spukten. Andererseits hat sich die Band mit dieser Veröffentlichung auch die Messlatte für weitere Werke enorm hoch angesetzt und es bleibt abzuwarten, ob sie diese Erwartungshaltungen auch auf Dauer werden erfüllen können. Die CD kommt wie schon geschrieben in einem schicken Digipak und ist in der ersten Auflage von 100 Stück mit einem roten Wachssiegel versehen und hand-nummeriert. Die CD gibt es für äußerst faire 10,- Euronnen (+ 2,- Euronnen Versand innerhalb Deutschlands) direkt bei der Band, z.B. über das Bandcamp-Profil oder der Visagenbuch-Seite, zu ergattern. Bei Bandcamp gibt es auch eine digitale Version des Album - die kostet allerdings mit 13,- mehr als die CD und rechtfertigt eigentlich nur einmal das reinhören, bevor man sich die CD bestellt.

Hat für mich definitiv Potential, um das Prädikat "bester nationaler Newcomer des Jahres 2016" einzufahren. Total Support!


Darbietungen:
01. Burkhartsmal I: Niederstieg
02. Necroblight
03. Burkhartsmal II: Rotten Banner Over The Blasted Land
04. Knausgard
05. Burkhartsmal III: Magus in Norden

Laufzeit: ca. 44 Minuten

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