Samstag, 25. Juni 2016

Review: Allmacht - Wende zum Untergang (Digitales Album - 2015)

Vor knapp sieben Jahren erschien mit "In namenlosen Tiefen" das erste Lebenszeichen dieser Band aus Lübeck (eine Rezension lässt sich hier finden), die sich u.a. aus Mitgliedern der Bands ISOLATION und NOZGHOT zusammensetzt. Lange Zeit war dann ein Debüt-Album von ALLMACHT über Fog of the Apocalpyse angekündigt, erschien jedoch nie. Dann wurde es still um das Projekt, bis man Ende letzten Jahres dann gänzlich heimlich, still und leise das Album "Wende zum Untergang" in Eigenregie veröffentlichte - und zwar in digitaler Form.




Auch ich bin erst vor ein paar Tagen auf diesen Umstand aufmerksam geworden, immerhin liegen jetzt schon sieben Jahre seit der Demo-CD zurück, und den meisten, sowie auch mir, wird die Musik auf Dauer nicht mehr so überragend im Hinterstübchen geblieben sein, dass man noch ernsthaft mit einem Nachfolger rechnen konnte. Auch dass das Werk nun als Eigenproduktion nur in digitaler Form vorliegt, spricht eigentlich für sich. Aber genug der Skepsis: widme ich mich also dem aktuellen Werk der Lübecker. Und was direkt beim erklingen der ersten Instrumente auffällt: hier hat sich einiges getan. Die Produktion ist nicht mehr allzu scheppernd, und so zeigt der erste Song "Morgengrau" als ziemlich atmosphärischer Post Black Metal-Song, der einen sehr naturverbundenen und erhabenen Eindruck macht. Spielerisch hat man sich ebenfalls merklich weiterentwickelt, denn vor allem das Schlagzeug ist in seinem Spiel wesentlich facettenreicher ausgefallen, als ich es noch von der Demo-CD in Erinnerung habe. "Martyrium" heißt das zweite Lied und beginnt ungleich ruppiger und direkter, geht dann über in einen hymnischen Black Metal, der Dank der Drums und dem eigenwilligen Gesang einen sehr rituellen Charakter erhält. Auch der End-Part gleicht noch einmal einem emotionalen Ausbruch und wartet u.a. mit einem kurzen Gitarrensolo auf. Mit dem anfänglichen BURZUM-Gedächtnis-Riff von "Selbst ist Schmerz und eigen" ist wohl als kleines Tribut an die glorreichen Zeiten des Norwegers gedacht (und zumindest die alten Werke sind ja auch aus keiner Sammlung wegzudenken!). Dieser wandelt sich dann aber in einen eher rockigen Post Black Metal-Song, der sehr mit Monotonie spielt, und dies aber nicht immer zur Gänze auszuspielen weiß. Mit "Auf welkenden Feldern" bietet man dem geneigten Hörer dann noch mal etwas Besonderes in Form eines Neo-Folk-Songs im Stile von EMPYRIUM - auch freut es mich, die weibliche Vertretung der Band endlich mal wieder singen zu hören - hatte man ja seit NOZGHOT-Zeiten nicht mehr - auch wenn diese Darbietung hier gänzlich anders ist, als das, was man vorher zu Gehör bekommen hat. "Aller Welten Macht" kommt dagegen als lupenreiner Black Metal-Song daher, am Anfang kommen einen wieder unweigerlich BURZUM in den Sinn und auch sonst erinnert dieses Lied mehr als alle anderen auf diesen Album an die guten alten 90er. Passend dazu auch der sehr schwermütig-schleppende Mittelteil. "Uferlos" kommt dann noch einmal in einem post-modernen Gewand daher und bietet eindeutige Shoegaze-Einflüsse ala ALCEST, aber genauso zum Ende hin auch eine gelungene Old School-Passage. Den Abschluss bildet das Lied "Mondlicht".

Fazit:
Auf ihrem Debüt-Album machen ALLMACHT auf jeden Fall vieles richtig, was auf ihrer Demo-CD noch nicht gänzlich rund oder noch ausbaufähig klang. Wenn man bedenkt, wie viel Zeit die Band letztlich auch in dieses Album investiert hat, war da aber auch durchaus zu erwarten. Unter'm Strich bleibt hier also ein mehr als solides Werk, welches aber auch nur bedingt seine Hörer finden dürfte, da diese Art Musik doch recht speziell und erfreulich eigenständig geraten ist. Es gibt sowohl Momente, die den Old School-Maniac ansprechen dürften, als auch eher post-moderne und folklorische Einflüsse. Ein Album sicher nicht für jedermann - aber Durchschnitt wäre ja auch langweilig. Zu ergattern gibt es das Album über die offizielle Bandcamp-Präsenz von ALLMACHT für äußerst faire 3,- Euronnen. Die Demo gibt es dort übrigens auch, zum kostenlosen Download.

Es gibt Bands, mit denen man nicht mehr gerechnet hat und die einen dann trotzdem überraschen... ALLMACHT ist eine davon!


Darbietungen:
01. Morgengrau
02. Wende zum Untergang
03. Martyrium
04. Selbst ist Schmerz und eigen
05. Auf welkenden Feldern
06. Aller Welten Macht
07. Uferlos
08. Mondlicht

Laufzeit: ca. 48 Minuten

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