Samstag, 16. April 2016

Review: Wintergeist - Der schwere Weg (Digitales Album - 2015)

Das ursprünglich bereits im Jahr 2013 veröffentlichte Debüt-Album des Duos (welches dem einen oder anderen vielleicht bereits durch ASCHEREGEN bekannt sein dürfte) aus Stuttgart wurde in seiner Urform auf CD gepresst und war auf gerade einmal 100 Exemplare limitiert. Knapp zwei Jahre später, 2015, war es dann auch ausverkauft und die Band gab daraufhin freundlicher Weise die Möglichkeit, sich das Album in digitaler Form herunterzuladen. Aus der Sicht eines Anhängers von Limitierungen, die auch ruhig als solche bestehen bleiben sollten, natürlich weniger gut. Für den Rest sicherlich eine gute Gelegenheit in den Genuss dieses Machwerks zu kommen.


Aber genug der Vorrede. Mit der Scheibe "Der schwere Weg" präsentieren uns WINTERGEIST ganz dem Namen entsprechend, ein lupenreines deutsches Schwarzmetall-Album. Räudig, wild und düster. Die nicht ganz saubere und im ersten Augenblick etwas dumpf wirkende Produktion verfehlt ihre Wirkung nicht: das Werk klingt untergründig, gerade der Gesang hat etwas Jenseitiges und die Atmosphäre schwankt immerzu zwischen misanthropischer Kälte, Verzweiflung, Melancholie und absoluter Finsternis. In Bruchstücken kann man als Referenz vielleicht das erste Werk der Gruppe Zorn heran ziehen. Instrumental gesehen bewegt man sich meist im getragenen Midtempo, legt aber auch gerne schon einmal ein oder zwei Schippen oben drauf (gutes Beispiel: das recht kurze "Die dunkle Seite", welches auch ein wenig rotzig daherkommt). Man gibt sich zudem auch sehr Instrumental-betont, wie bei "Fjell og is", in welchem quasi die letzte Hälfte ein reiner Instrumental-Song ist. Durch die solide Spielweise wirkt dies aber in keinster Weise irgendwie plump, einfallslos oder gar unnötig in die Länge gezogen - ganz im Gegenteil hätte man den Song ruhig noch etwas länger machen dürfen. Der Titelsong dagegen stellt einen Beitrag zum DSBM-Genre bei, beginnt eher ruhig mit Akustikgitarren und einem verzweifelten langgezogenen Schreigesang, geht dann aber in einen schnellen Suicide Black Metal über, bis es zum Ende wieder ruhiger wird. Aber keine Panik: no Emo-Core inside! Bei dem letzten regulären Lied "Wintersonne" wird es dann noch einmal richtig erhaben und... winterlich. Mit seinen knappen sechs Minuten weist der Titel auch genau die richtige Länge auf. Es folgt noch ein Bonus-Stück, welches eine etwas schnellere Gangart einschlägt und beinahe schon einen Hauch Punk-Rock versprüht und weist daher auch eine eher rotzige, aber stolze Black Metal-Atmosphäre auf.

Fazit:
Tja, gute Dinge lernt man manchmal wirklich erst im Nachhinein kennen. Im Falle von WINTERGEIST hätte mich ihr "Der schwere Weg" schon als Original auf CD gereizt. Dem Debüt der beiden Herrschaften fehlt es eigentlich nicht an vielem, was ein wirkliches Werk Schwarzmetall ausmachen sollte. Die Musik zeigt sich facettenreich und auch gesanglich ist man in der Lage, verschiedene Stimmungen und Atmosphären zu erzeugen. Der Fokus liegt aber ganz klar auf den Instrumenten, die hier und da sicherlich noch spielerisch ausbaufähig sind, aber nichts desto trotz gerade für ein Debüt-Werk aus dem Untergrund gekonnt in Szene gesetzt sind. Falls euch also einmal die Gelegenheit bieten sollte, günstig an das physische Werk dran zu kommen, solltet ihr nicht zögern. So lange gibt es wie schon geschrieben, die Möglichkeit, sich das komplette Album herunterzuladen und zwar auf der offiziellen Visagenbuch-Seite der Band. Dort gibt es auch das aktuelle Album zum anhören mit Verweis auf Youtube. Eine Rezension meiner Seits wird mit Sicherheit auch noch folgen.

Schnörkelloser deutscher Black Metal. Ob misanthropisch, okkult oder depressiv - hier sollte für jeden etwas dabei sein. Unbedingt anhören.


Darbietungen:
01. Wintergeist
02. Vereinsamung
03. Seelenbrand
04. Unwirklichkeit
05. Fjell og is
06. Die dunkle Seite
07. Der schwere Weg
08. Wintersonne
09. Bonus

Laufzeit: ca. 42 Minuten

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