Donnerstag, 28. April 2016

Review: Neige et Noirceur & Daughters of Sophia - Ascension Split (CD, Obscure Abhorrence Productions - 2016)

Aus dem Hause der deutschen Tonschmiede Obscure Abhorrence stammt die neueste Split-Veröffentlichung der beiden Bands NEIGE ET NOIRCEUR aus Québec, Kanada und DAUGHTERS OF SOPHIA aus Frankreich. Erst genannte kenne ich allerdings auch nur von ihrer Split mit MONARQUE, die damals ebenfalls bei Obscure Abhorrence erschien. Der Franzose ist mir mit seinem letzten Werk allerdings noch gut im Gedächtnis geblieben, konnte es mich doch durchaus überzeugen.





Gut, Splits sind ja immer solch eine Sache... manchmal hat man schon den Eindruck, als ob da wahllos mal zwei EPs aus Kostengründen zusammengelegt werden, von Bands, die in dieser Konstellation so überhaupt nicht zusammenpassen wollen. Dann gibt es aber auch immer noch diese Veröffentlichungen, die den Namen 'Split' auch wirklich verdient haben, bei denen sich die Labels oder die Bands selbst oder im günstigsten Fall sogar alle zusammen wirkliche Gedanken gemacht haben. "Ascension" reiht sich da (mit Abstrichen) in zweite Kategorie ein. Präsentiert werden insgesamt vier Lieder, wobei die Kanadier die ersten zwei darbieten und der Franzmann die letzten beiden Beiträge stellt.

Beginnen wir mit "Automne Astral", dem ersten Lied von NEIGE ET NOIRCEUR. Dieser beginnt mit einem Flüstern, unterlegt mit einer akustischen Gitarre, langsam vernimmt man vereinzelte Schreie im Hintergrund, die aus tiefen Wäldern zu stammen scheinen. Das hat irgendwie etwas von EMPYRIUM, wie ich finde. Nach guten fünf Minuten dann aber der Umschwung und das ganze Klangbild geht in eine sehr schwarzmetallische Richtung, die im weiteren Verlauf oberflächlich betrachtet etwas chaotisch anmutet, was mich an die letzte NIGHTBRINGER Platte denken lässt. Doch steckt hinter diesem Chaos ein System, eine klare Linie. Die Atmosphäre schwankt zwischen Melancholie, Naturverbundenheit, Erhabenheit und Okkultismus. Die Instrumente sind gut gespielt und verleihen dem ganzen eine ergreifende Stimmung. Und so endet "Automne Astral" nach knappen 13 Minuten auch wieder so, wie er begonnen hat. "Hiver 1898" wandelt sich nach dem kurzen elektronischen Einspieler am Anfang zu einem verträumten Neo Folk-Song, der mit flüsterndem Sprechgesang unterlegt ist und dabei abermals stark an die Werke von EMPYRIUM erinnert. Nach fünf Minuten gesellt sich dann eine verzerrte E-Gitarre hinzu und hebt das Ganze in Sphären, die jenseits von Gut und Böse liegen. Fast schon als psychedelisch zu bezeichnen.

Die beiden Titel von DAUGHTERS OF SOPHIA sind unter dem Arbeitstitel "Qulielfi (19.0)" zusammengefasst und rein instrumentaler Natur. "Orchestration Océanique" geht mit seinen über 13 Minuten Spielzeit schon in die Vollen und bietet erhabenen und hymnischen Black Metal, der nicht selten an die Landsleute von ALCEST auf ihrem Album "Écailles de lune" erinnert. Ein Lied, welches seinen Titel auch ein bisschen zu Recht trägt, da hier einem wirklich Bilder von wilden und stürmischen Wässern vor dem geistigen Auge auftauchen können. Sogar den Gesang vermisse ich hier nicht wirklich. "Déluge 218" bildet den krönenden Abschluss und beginnt auch etwas melancholisch, einem Abschied gleich. Allerdings muss ich hier sagen, dass es durch den fehlenden Gesang schon etwas in die Länge gezogen wirkt und durch den abrupten, ungewollt wirkenden Abbruch hinterlässt das Ganze eher einen halbgaren und unfertigen Eindruck bei mir.

Fazit:
Insgesamt bleibt hier doch eine tolle Split-CD zweier sehr guter atmosphärischer Black Metal-Bands, wobei NEIGE ET NOIRCEUR eindeutig die Fraktion mit Hang zur Folklore ansprechen, während DAUGHTERS OF SOPHIA eher die Anhänger von atmosphärischen Post Black Metal-Klängen ansprechen dürfte. Von den beiden Herren aus Québec bin ich auch angenehm überrascht, da ich ihre Musik bis auf erwähnte Split mit MONARQUE gar nicht kenne, während ich von dem Franzosen etwas enttäuscht bin - hier habe ich mir nach dem sehr guten letzten Album eindeutig mehr erhofft. Neben der CD ist das Werk auch auf Vinyl erhältlich und am besten direkt über Obscure Abhorrence zu beziehen.

Solide Split mit zwei recht unterschiedlichen Bands, die allerdings auch einige Schwächen aufweist.


Darbietungen:
Neige et Noirceur
01. Automne Astral
02. Hiver 1898
Daughters of Sophia
03. Orchestration Océanique
04. Déluge 218

Laufzeit: ca. 39 Minuten

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