Samstag, 23. April 2016

Nostalgie-Review: Ophthalamia - To Elishia (CD, Necropolis Records - 1997)

Anno 1997 veröffentlichte die schwedische Kombo OPHTHALAMIA, ein Projekt, welches sich aus ganz unterschiedlichen Musikern der (damaligen) nationalen 'Szene' zusammensetzte, diese Zusammenstellung aus bekannten Songs der letzten beiden Alben "A Journey in Darkness" und "Via Dolorosa". Das Besondere, und damit auch der Grund, warum ich mich für diese Nostalgie-Rezension für ausgerechnet diese Scheibe entschieden habe, ist einfach der, da die Aufnahmen allesamt aus Rehearsal-Session stammen, mit wechselnder Besetzung und Aufnahme-Qualität - den Stücken wurde quasi ein ganz neues Gesicht auf "To Elishia" gegeben...


Aber zunächst einmal noch ein wenig über die Hintergründe des Projektes. OPHTHALAMIA setzte sich vom Grundaufbau her aus den beiden ehemaligen ABRUPTUM- und WAR-Mitgliedern It und All, sowie dem Schlagzeuger Mourning zusammen. Ab "Via Dolorosa" war dann auch Night (Emil Nödtveidt, der jüngere Bruder des inzwischen verstorbenen Jon Nödtveidt), welcher damals auch Gitarrist der Band SWORDMASTER war und heute im Industrial/Goth Rock heimisch ist mit seiner Band DEATHSTARS, mit von der Partie. Von Album zu Album gab es aber auch teils wechselnde Besetzungen und Gastauftritte, u.a. von Legion (MARDUK), Shadow und Bone (DISSECTION) oder Winter (EDGE OF SANITY). Das führte allerdings auch dazu, dass die Band nie wirklich über den Status eines reinen Projektes hinaus wuchs. Interessant ist auch, dass bis auf Legion alle Musiker unter anderen Pseudonymen als die bekannten auftreten. Einige der genannten Musiker sind auch in verschiedenen Sessions auf diesem Tonträger zu hören, welches sich über einen Zeitraum von 1990 - 1994 erstrecken. Der Name der Band geht auf das Fantasy-Reich Ophthalamia zurück, welches von It erdacht wurde. Elishia ist die oberste Göttin. Es existiert auch eine eigene Sprache mit Schriftzeichen, die beide auch vereinzelt in den Werken Verwendung finden.

Die Musik an sich ist hier nicht, wie man es vielleicht von der Band gewohnt ist. OPHTHALAMIA ist für viele ohnehin ein unbeschriebenes Blatt, wie meine Erfahrungen im Bekanntenkreis zeigen. Gehört hat man den Namen vielleicht einmal, aber wirklich damit auseinander gesetzt scheinen sich die wenigstens wirklich zu haben. Oder aber diejenigen, die die Band kennen, können mit der Musik einfach nichts anfangen, was mir persönlich ziemlich schleierhaft ist. Musikalisch sind OPHTHALAMIA über jeden Zweifel erhaben: Melodisch, erhaben, kämpferisch, hymnisch oder nihilistisch minimal - diese Gruppe deckte ein ziemlich weites Spektrum des Black Metal und vor allem von emotionalen Eindrücken ab. Das war / ist vielleicht auch gerade das Problem - die Musik lässt sich schwer in eine Schublade packen und allgemein waren die Werke (vor allem "Via Dolorosa") ihrer Zeit weit voraus. Was man damals in einem Mix aus typisch schwedischem Black Metal und klassischem Heavy Metal mit progressiven und psychedelischen Einflüssen präsentierte, war damals gewagt - heute ist das in manchen Kreisen mehr als angesagt. So wies die Band Parallelen zu DISSECTION genauso auf wie zu (alten) MARDUK, BLACK SABBATH, IRON MAIDEN und THE DOORS. Das ist auch auf dieser Compilation spürbar, die zwar alles andere als professionell aufgenommen wurde, sprich ein wirkliches raues Klanggewand trägt, einen nihilistischen Flair versprüht und gar den einen oder anderen instrumentalen Verpatzer und Verspieler beinhaltet, aber trotzdem - oder aber gerade deshalb, einen unglaublich authentischen Charme vermittelt.

OPHTHALAMIA existierte als Projekt-Band von 1989 an und löste sich kurz nach der Aufnahme des letzten Albums "Dominion" und noch vor dessen Veröffentlichung im Jahr 19998. Indes lässt sich die CD "To Elishia" vereinzelt noch auf verschiedenen Verkaufs-Portalen im Netz finden, mal mehr, mal weniger teuer. Solltet ihr es irgendwo ergattern, empfehle ich, direkt die beiden Werke "A Journey in Darkness" (bzw. auch die Neuaufnahme / Neuinterpretation "A Long Journey aus dem Jahre 1998 - es lohnt sich beide zu kaufen!) und "Via Dolorosa" mit einzusacken. Die beiden Alben sind auch inzwischen neu aufgelegt worden und sollten daher ohne Probleme überall erhältlich sein.


01. A Cry from the Halls of Blood / Empire of Lost Dreams
02. A Lonely Ceremony / The Eternal Walk
03. Journey in Darkness / Entering the Forest
04. Castle of No Repair / From a Blackened Heart
05. Shores of Kaa-Ta-Nu / The Eternal Walk (Part II)
06. Nightfall of Mother Earth / Summer Distress
07. Enter the Darkest Thoughts of the Chosen / Agony's Silent Paradise
08. Deathcrush (Mayhem Cover)
09. Sacrifice (Bathory Cover)
10. I Summon Thee Father / Death Embrace Me


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