Mittwoch, 9. Dezember 2015

Review: FPS - First Person Shooter (A3 Film / KSM - 2015)

Nach einer gefühlten Ewigkeit folgt hier mal wieder eine Film-Review. Der Grund, warum es nun ausgerechnet diesen Film traf? Gute Frage: ich habe ihn heute geschaut und zum ersten ist es mal wieder ein solider Beitrag aus Deutschland zum Horror-Genre und zum anderen einer der wenigen abendfüllenden Filme, die das Genre des Ego-Shooters in Szene setzen (Allein das geniale Cover sollte schon klarstellen, was einen hier erwartet). Nun, ich mag sowohl Horrorfilme als auch FPS-Games - was kann da schon so verkehrt an diesem Film sein? Der Versuch einer nicht gänzlich seriösen Rezension...






Einleitende Worte:
Zunächst einmal sei gesagt, dass Leute, die generell deutsche Genre-Filme ablehnen, ihre Meinung auch mit diesem Beitrag nicht ändern werden. FPS sieht man an allen Ecken und Kanten sein offensichtlich nicht gerade sehr hohes Budget an. Fans gut gemachter Independent Produktionen und vor allem Anhänger alter 90er Jahre Ego-Shooter wie Duke Nukem 3D, Shadow Warrior oder auch insbesondere der Blood-Reihe, sollten diesem Film aber unbedingt mal eine Chance geben.

Die Handlung:
Der Film beginnt in einer alternativen Realität, in der eine geheimnisvolle Zombie-Seuche große Teile der Menschheit auszurotten droht. Die Ursache ist ein Virus, der Ursprung scheint jedoch weitgehend unbekannt. Bis Behörden eine jetzt stillgelegte Anstalt für Kranke als Ausgangspunkt ausmachen konnten. Und nun planen, eben diese mit einem Giftgas-Angriff aus der Luft wegzubomben. WTF... Pech nur für den namenlosen "Helden", dessen Frau als Krankenschwester in eben jener Einrichtung arbeitete. Die hat nämlich die Stelle hin geschmissen und hätte nach ihrem letzten Tag nun eigentlich wieder neben ihm im Bett liegen müssen, was sie jedoch nicht tut, wie er nach seinem Erwachen feststellen muss. Ergo schmeißt sich der psychisch irgendwie durchgeknallt wirkende Protagonist in seinen schicken schwarzen Schutzanzug, setzt sich ins Auto und fährt zur Klinik, um seine Frau - die übrigens auch noch schwanger ist, dort herauszuholen. In dem Hospital angekommen, erwarten ihn schon einige Zombies und ein actiongeladener Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Der Film:
FPS ist kein Horrorfilm im eigentlichen Sinne. Grusel- und Schockmomente kommen so wirklich eigentlich zu keiner Zeit auf, jedoch versteht es Regisseur Andreas Tom durchaus Spannungsbögen zu erzeugen, die einem wirklich Glauben machen können, dass man dem Walkthrough oder Longplay eines plump aber brachial inszenierten Ego-Shooters zusieht. Das Feeling richtet sich ganz klar an die Generation der 90er-Zocker. So werden bereits vor der Einblendung des Logo in 8 Bit-Qualität (inklusive Angabe der vorliegenden Spiele-Version) in MS-DOS-Eingabe-Manier Einstellungen an dem Spiel vorgenommen, nachdem es klassisch installiert wurde. Schnell den Gore-Gehalt auf volle Pulle gestellt und schon erscheint das Logo und der anschließende Menü-Bildschirm. In den Optionen noch schnell die Farbe des Blutes eingestellt und los geht's.

Die Einleitung des Films findet, zur Untermauerung des Retro-Feelings, komplett im 8bit-Stil statt und zeigt einen Fernsehsprecher, der über die Ausbreitung der Seuche berichtet (interessant ist das Quake-Siegel im News-Logo). Auch die Passage, als der Protagonist erwacht und sich in seinem Wagen aufmacht, wird in 8bit-Grafik dargestellt, ähnlich einem alten Point-and-Click-Adventure. Mit der Ankunft bei der Klinik wechselt man dann in die reale Welt und die First-Person-Ansicht. Schnell wird klar, dass der "Held" nicht alle Latten am Zaun hat, wird prompt von hinten niedergeschlagen und findet sich nach seinem Erwachen angekettet in einer Zelle wieder, und er ist nicht allein...

Die Tötungen in der First-Person-Perspektive werden von dem "Helden" oft mit einem trockenen Oneliner kommentiert, auch gibt es die obligatorischen Sprüche, wie "ist verschlossen", wenn er versucht, eine verschlossene Tür zu öffnen. Dafür müssen nämlich erst Schlüssel gefunden werden, die natürlich auch wieder von besonders fiesen Gegnern bewacht werden. Das alles erinnert sehr an die alten Videospiel-Helden, insbesondere den Duke. Auch die Sprüche sind herrlich nostalgisch, wobei man sich hier von der Grundstimmung und auch bei der Stimme eher an dem eher düsteren, schwarzen Humor von Blood orientiert hat. Genial ist die Klo-Szene, in der sich der "Held" ins Pissoir erleichtert und dies mit einem "Ah, das ist besser" quittiert. Auch der abschließende Monolog des Protagonisten stammt wahlweise aus Blood oder auch Army Of Darkness. Je nachdem, aus welcher Perspektive man es sieht. Zwischendurch finden immer mal wieder Zwischensequenzen in In-Game-Grafik statt, die die Handlung voran treiben - darüber hinaus findet der "Held" während seines Streifzugs noch ein paar Notizen, die in bester Resident Evil-Manier präsentiert werden. Auch gibt es eine Passage, in der der Spieler doch allen Ernstes versucht, zu cheaten - dabei kommen interessanter Weise Tastatur-Eingaben heraus, die jeder Spieler der alten 3D-Realms-Titel eigentlich noch im Kopf haben sollte. Bis auf einen, klappt aber kein Cheat. Wäre ja auch irgendwie langweilig, dem Protagonisten im God-Modus zuzuschauen. Übrigens gibt es auch eine Leiste für Lebenspunkte, Munition und Inventar, die ab und an mal eingeblendet wird. Die einzelnen Etagen sind wie in Level unterteilt, an deren Ende immer eine Tötungsquote angezeigt und immer zwischengespeichert wird.

Eine Sterbe-Szene gibt es übrigens auch, stilecht mit anschließendem "Sie sind tot" Bildschirm. In einer Szene gibt es dann noch eine markante Stelle, in der der Protagonist mit einer Railgun unter Dutzenden von Zombies aufräumt - dafür wurde abermals in die 8bit-Grafik geschaltet, so dass das Ganze wie eine Sequenz aus Doom oder Blood wirkt. Aber es gibt auch durchaus eine Passage im Film, die dann eher an neuere Titel wie Outlast denken lässt, nämlich dann, wenn der Protagonist, seiner Waffen beraubt und vollkommen schutzlos, sich vor seinen Häschern verstecken muss.

Die Auswahl der Waffen reicht von den Klassikern wie die Faust, einer Pistole, einem Revolver, einer abgesägten Schrotflinte, über eine Klinge, ein Brecheisen, die Kettensäge und die allseits beliebte Railgun, bis hin zu etwas exotischeren Dingen wie eine mit Ketten umwickelte Faust und eine herausgerissene Wirbelsäule inklusive mit Stacheldraht umwickelten Schädel. Auch ein Dünndarm kommt als Waffe zum Einsatz. Die Forke (und wieder einmal lässt Blood mehr als nur grüßen) ist leider nur im Bonusmaterial in den experimentellen Einstellungen zu sehen und lässt sich leider nicht im fertigen Film wiederfinden.

Die Kritik & abschließendes Fazit:
Man sieht "FPS" ganz klar sein eher geringes Budget an, was sich hauptsächlich darin äußert, dass es keine wirklichen Einschusslöcher oder wirklich viel handgemachte Splatter- und Gore-Effekte zu bestaunen gibt. Die digitalen Blut-Effekte beschränken sich meist auf das, was gegen die Kamera ins Sichtfeld des "Helden" fliegt und welches er unter einem Kommentar oder hysterischen Lachen wegwischt. Das trägt natürlich andererseits auch wieder sehr zum nostalgischen Ego-Shooter-Flair des Films bei, der ja durchaus gewünscht ist. Trotzdem hätten ein paar explodierende Körper(-teile) nicht geschadet und die Umgebung scheint leider auch kein Blut aufzunehmen. Die Kettensäge scheint auch nicht wirklich viel Schaden zu verursachen, außer Bäuche platzen zu lassen - aber das erinnert ja auch wieder sehr an Doom. "FPS" ist daher vielleicht kein Meilenstein an Film, will er aber auch gar nicht erst sein. "FPS" ist mehr als Tribut und Hommage zu sehen und in seiner einzigartigen Darstellungsweise ist der Film doch recht außergewöhnlich. Ich habe mich auf jeden Fall gut unterhalten gefühlt und den Film regelrecht abgefeiert, aber ich stehe wie gesagt auch auf so einen Scheiß und verfolge auch das eine oder andere Longplay.

Der Film hatte ebenso keinerlei Probleme bei der FSK, die ihn mit dem Siegel "ab 18" bedachte. In dieser Form ist er ergo vollkommen ungeschnitten und frei im Handel auf DVD und Blu-ray erhältlich Solltet ihr also Game-Nostalgiker und auf Spiele wie Dukem Nukem 3D, Quake, Blood 1 + 2, Outlast oder Silent Hill sein, so schaut euch "FPS" ruhig mal an: euch erwartet ein wirklich solider Party-Film, der zwar gerade im Mittelteil einen leichten Hänger bekommt, dann aber wieder richtig abgeht und den man so auch durchaus mit ein paar Freunden und ein paar Bier genießen sollte.

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