Dienstag, 3. November 2015

Preview/Review: Grauzeit - Antagonist (Digitales Album, Eigenproduktion - 2015)

Grauzeit anno 2015. Damit hätte zumindest ich nach dieser meiner Meinung nach grässlichen ersten Demo-Veröffentlichung nicht gerechnet. Doch nachdem mich die Band schon mit ihrer letzten EP "Tyrannei der Tristesse" überzeugen konnte, und vieles vergessen machte, freue ich mich natürlich wieder einmal etwas von ihnen zu hören. Wenn auch nur in digitaler Form...







Gut, diese Band hat auch nur noch sehr bedingt etwas mit Black Metal zu tun. Aber ich beschränke mich ja auch nicht nur auf ein Genre, sondern schaue auch schon einmal gerne über den Tellerrand. Die neue digitale EP der drei Mannen nennt sich schlicht "Antagonist". Der Gegenspieler also. Oder auch der Widersacher. Geboten werden drei überlange Lieder, die allesamt rein instrumentaler Natur sind. Wer hier jedoch jetzt entsetzt an Sachen wie Sieghetnar denkt, darf hier beruhigt sein. Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um eintönigen Ambient, sondern um gute Heavy Rock Musik. Etwas Depressive Rock, etwas Post Rock, etwas Shoegaze und etwas Doom Metal. Das klingt verdammt noch eins nicht verkehrt. Melancholisch und trist werden hier atmosphärische Klangwelten geschaffen, die vor allem die Luft von anonymen Großstädten atmen - monoton, grau, traurig, vollgepisst, stinkend und verdreckt. Vielleicht hatten die Protagonisten hier andere Assoziationen im Sinn - doch als Dortmunder schießen mir bei dieser Musik direkt diese Bilder verkommener Häuserruinen, dunkler U-Bahn-Stationen und verrottender Unterführungen in den Kopf. Das fängt bei dem piano-lastigen Erstling an, findet bei dem titelgebenden zweiten Lied seinen Höhepunkt und "Grauzeit II" setzt diese wahrhaftige Flut an Emotionen mit seiner desolaten Traurigkeit fort, und lässt zum Ende hing gar noch einen Funken Hoffnung verspüren... wobei Hoffnung vielleicht das falsche Wort ist. Es wird einfach immer weiter gehen...

Fazit:
"Antagonist" stellt in meinen Augen das bisher wohl beste Werk von Grauzeit dar. Auch wenn es nur drei Lieder sind, die hier präsentiert werden, ist das doch tiefgreifender als so manches vollwertige Album. Und das für ein rein instrumentales Machwerk, dem folglich ein, wie ich finde, wichtiger emotionaler Aspekt in der Musik fehlt: der Gesang. Doch muss ich sagen, dass ich selbigen auf "Antagonist" zu keiner Zeit vermisse. Im Gegenteil hätte Gesang hier vielleicht vieles der interpretationsträchtigen Atmosphäre kaputt gemacht. So ist der Hörer förmlich gezwungen, sich seine eigenen Gedanken zur Musik zu machen. Die digitale EP kann man sich ab dem 18.11.15 kostenlos auf dem Bandcamp-Profil der Band anhören und die einzelnen Lieder dann für jeweils 1,- Euro herunterladen. Für die Sammler unter euch wird die EP später auch in materieller Form als Kassette veröffentlicht werden (Label: Abstrakte Wunden - ein Unterlabel von Der neue Weg, wann genau ist allerdings noch nicht bekannt - voraussichtlich aber noch dieses Jahr).

8.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Transformation
02. Antagonist
03. Grauzeit II

Laufzeit: ca. 23 Minuten

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