Dienstag, 3. November 2015

Nostalgie-Review: Antichrist & Mjölnir - Split (MC, Eigenproduktion - 1997)

Für den aktuellen Beitrag aus der beliebten Rubrik der Nostalgie-Reviews habe ich dieses Mal etwas sehr obskures aus deutschen Landen heraus gekrammt. Es handelt sich hier um eine Split-Kassette der beiden Bands Antichrist (aus Köln, inzwischen aufgelöst) und Mjölnir (ebenfalls aus Köln und ebenfalls aufgelöst. Mitglieder sind/waren noch bei Thy Majesty aktiv). Auch handelt es sich zumindest bei der zweit genannten Band um eine der alten NSBM-Gruppen aus Deutschland - wobei ich diese Genre-Beschreibung nur bedingt zutreffend finde. Immerhin fanden sich schon immer Bezüge in der Musik der Band, was sich auch in der Zusammenarbeit mit diversen Bands und Labels zeigte.



Die ersten acht Lieder stammen von dem Duo Antichrist, die letzten der insgesamt 14 Beiträge wurden von Mjölnir zelebriert. Jeweils ein Lied stellt einen Konzert-Mitschnitt dar. Was hier eindeutig bei beiden Gruppen nervt, ist der stellenweise wirklich grottige Drumcomputer, wobei der bei Mjölnir sogar noch etwas arger ins Gewicht fällt, da die Musik ansich auch sehr viel keyboardlastiger ist, als bei ihren Kollegen. Selbst bei der Live-Aufnahme "Trollherz" klingt das Schlagzeug ziemlich statisch und macht nicht den Eindruck, live eingespielt worden zu sein. Aber daran möchte ich mich jetzt nicht aufhängen... gerade die Mitschnitte geben einen kleinen Eindruck davon, was man heute wohl nur noch sehr selten findet (und mit Sicherheit schon damals kaum fand) - nämlich authentische Black Metal Musik, zelebriert von Überzeugungstätern. Diese Atmosphären sind so dicht, dass man sich glatt mitten in diesem nebelumwaberten Wulst aus Schweiß, Haaren und Blut wähnt. Ein sehr intensives, fast schon intimes Gefühl, was eindeutig für die Nostalgie-Wirkung dieser Musik spricht. In beiden Fällen. Interessant ist auch, dass sich das Klangbild von Mjölnir nach der Live-Aufnahme wandelt: und zwar schreitet man fortan eher auf Martial Industrial-Pfaden. "Das Sonnenrad" wird so durch Samples aus "Terminator" eingeleitet und präsentiert eine leicht modifizierte Version der Filmmusik aus dem James Cameron-Kultstreifen.

Diese Kassette aus dem Jahr 1997 stellt heutzutage eine nur sehr schwer zu ergatternde Rarität dar, und geht - wenn man sie mal erblicken sollte - zu horrenden Preisen über die virtuellen Ladentheken dieser Welt. Ob sich die Anschaffung da wirklich lohnt, muss jeder für sich entscheiden. Musikalisch besticht die Kassette nicht unbedingt durch ihre Finesse, allerdings sind in meinen Augen schon die beiden genialen Live-Aufnahmen eine Anschaffung wert. Also, immer schön die Augen offen halten.


Antichrist
01. Heimdallr
02. I Am the Diabolical Eclipse
03. Black War
04. Totentanz / Naglfar
05. Legion of Fucking Skeletons
06. In the Forest of Evil
07. Hades erwacht
08. In Ancient Hate (live)
Mjölnir
01. Ring aus Stein
02. Altes Götterreich
03. Trollherz (live)
04. Das Sonnenrad
05. Der Übermensch
06. The Hour of... (1st Demo)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen