Sonntag, 25. Januar 2015

Review: Nightbringer - Ego Dominus Tuus (CD, Season of Mist)

Die psychedelic/occult Black Metaller aus Amiland melden sich auch endlich mal wieder. Letztes Jahr erschien ihr neues langersehntes viertes Voll-Album. Allerdings bisher nur auf CD. Nachdem sich das Großlabel Season of Mist 2013 ja bereits die (noch existierende) Ikone des US-Black Metal Inquisition krallte und deren aktuelles Album in zig verschiedenen Variationen veröffentlichte, hat man sich bei Nightbringer bisher nur auf die CD beschränkt. Warum?





Eigentlich unerklärlich, denn die Anhängerschaft dürfte hier wohl ähnlich groß sein, wie bei ihren Landsmännern. Ebenso denke ich auch, dass sich dort nicht nur Internet-Volk tummeln dürfte, sondern auch wirkliche Maniacs, die noch auf einen physischen Tonträger wert legen. Und da ist doch Vinyl allemal willkommener. Aber gut... die Veröffentlichungspolitik von Season of Mist interessiert hier ja auch nicht. Hier geht es um "Ego Dominus Tuus" von Nightbringer, was im übrigen etwa "Ich bin dein Herr" bedeutet. Nach einem spirituell anmutenden Intro namens "Prayer of Nephal" geht es auch direkt und ohne Umschweife in die Vollen. Und genau das habe ich mir von einem neuen Nightbringer-Album erhofft: schnellen, verschnörkelten, alles andere als leicht zugänglichen Black Metal, der sowohl psychedelische, als auch hypnotische, esoterische und düster-okkulte Momente bietet. Die Gitarrenarbeit ist erstklassig und allgemein scheint die Musik nicht von dieser Welt zu sein, was auch dem großzügigen Einsatz von Orgeln, Keyboard-Samples und Streichern zu verdanken ist... und in der Tat scheint sie etwas überirdisches heraufzubeschwören, was der menschliche Verstand unmöglich in Gedanken, geschweige denn in Worte fassen könnte. So verhält es sich aber nicht nur bei "Et Nox Illumination mea in Deliciis Meis", sondern dies gilt bis zum letzten Stück "The Otherness of Being", welches sich zum Schluß noch einmal mit einem Knall verabschiedet.

Fazit:
Mein persönlicher Favorit hat sich allerdings nun nach einigen Hörgängen heraus kristallisiert und hört auf den Namen "I Am the Gateway". Ein Meisterstück! Mit "Ego Dominus Tuus" ist Nightbringer wahrlich ein erstklassig Black Metal-Album gelungen, welches einmal mehr zeigt, dass wahrer Black Metal in der heutigen Zeit nicht zwangsweise schlecht produziert sein muss, sondern vor allem eines braucht: Atmosphäre und Hingabe! Das vergessen leider immer wieder sehr viele, hauen ihren selbstproduzierten seelenlosen Rotz raus, und halten sich dann für DIE Black Metaller schlechthin. Nicht so hier: Nightbringer spürt man förmlich bei jedem Riffing die Hingabe an, mit welcher hier zu Werke gegangen wurde. Genial! Und neben "Ain Soph Aur" von Hetroertzen DIE Überraschung des Jahres 2014!

10 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Prayer of Nephal"
02. Et Nox Illumination mea in Deliciis Meis
03. Lantern of Eden's Night
04. Things Which Are Naught
05. I Am The Gateway
06. Call of the Exile
07. Where Fire Never Dreamt of Man
08. The Witchfires of Tubal Qayin
09. Salvation Is the Son of Leviathan (Alabas in Memoriam)
10. The Otherness of Being

Laufzeit: ca. 71 Minuten

Kommentare:

  1. Na ja, Landsmänner sind die Mitglieder von Inquisition und Nightbringer nur bedingt - Dagon kommt schließlich aus Kolumbien ...

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  2. Moin.

    Erst einmal ein Dank für's lesen und die konstruktive Kritik. Freut mich, dass ich scheinbar doch noch ein paar Leser erreichen kann. Mir ist natürlich bewusst, dass Dagon aus Kolumbien kommt, die Band hat ihre Wurzeln ja auch im kolumbianishen Underground. Trotzdem würde ich sie aus heutiger Sicht der 'US-Szene' zuordnen. Ist ja ähnlich wie bei Hetroertzen, die ich aus heutiger Sicht auch nicht mehr der chilenischen 'Szene' zuordnen würde. Nichts anderes wollte ich damit ausdrücken, von daher habe ich mich etwas unfein ausgedrückt, als ich "Landsmänner" schrieb.

    Bitte für's nächste Mal wenigstens eine gültige email-adresse angeben, da ich anonyme Kommentare in der Regel ungelesen lösche... es gibt heutzutage einfach zu viele Spinner, die meinen in der Anonymität des Internets feige Kommentare abgeben zu müssen. Danke.

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