Samstag, 10. Januar 2015

Review: Hetroertzen - Ain Soph Aur (LP, Lamech Records / Terratur Possessions)

Eigentlich hatte ich ja vor, das neue Album der Band Hetroertzen schon letzten Monat, kurz nach dessen Erscheinen zu besprechen, doch leider spielte mein PC nicht so recht mit. Gut, neues Jahr, neuer PC, neues Glück... mit "Ain Soph Aur" präsentieren uns die Schweden (ehemals Chile) ihr aktuelles Werk, welches zumindest von mir sehnlichst erwartet wurde. Was man erwarten darf und ob sich die Musik seit dem letzten vollwertigen Album "Exaltation of Wisdom" weiterentwickeln konnte... meine Eindrücke lest ihr nun...




Zunächst einmal fällt die recht schicke Aufmachung auf: Gatefold Cover mit eingeklebten großem Beiheft, welches neben allen Texten auch einen einleitenden Text zur Entstehung des Albumnamens sowie diverse Zeichnungen und Bilder enthält. Da ist es direkt schade, dass die Hülle ansich nicht in Leinen gebunden wurde, hätte das Ganze optisch wesentlich besser zur Geltung gebracht - und dafür hätte ich gerne noch einmal 14 Euronnen mehr bezahlt (auf den Kritikpunkt "Preis" komme ich gleich noch zu sprechen). Das ist aber eher nörgeln auf hohem Niveau.

Widme ich mich also der Musik: die drei Hohepriester des Satans bieten auf ihrem neuen Album satte 12 Lieder, was zum Vorgänger eine enorme Steigerung in der Quantität darstellt. Thematisch bewegt man sich natürlich auch wieder im Bereich luziferischer, antikosmischer Lehren, huldigt der Heiligkeit der Schlange und wendet sich von diesem selbsternannten Gott, dem Allmächtigen ab. Die übliche Black Metal-Thematik also. Nur mit dem Unterschied, dass man hier den Eindruck hat, dass Satanismus und die luziferische Lehre für Hetroertzen nicht bloß ein Stilmittel und Image ist, wie man es von so vielen Pseudo-Bands annehmen könnte/dürfte/sollte, sondern dass die Band sich wirklich mit der Materie beschäftigt, diese lebt und auch ausübt (das dürfte ja bereits beim lesen der Einleitung im Beiheft klar werden). Auch scheint es nicht erst seit diesem Album so, dass Hetroertzen auch endlich mal wieder eine Black Metal-Band ist, die den Kult wirklich versteht und ihn mit ihrer Musik ehren will. Dabei wird nach den ersten Klängen von "Ain Soph Aur" direkt klar, dass hier eine wesentlich okkultere, düstere Atmosphäre vorherrscht, wie noch bei "Exaltation of Wisdom" (welches ohne Zweifel auch eine okkulte Grundstimmung enthält, dieses Album hier ist jedoch tiefgehender), dazu trägt auch der Wechsel zwischen finsterem Ambient, mystischen Instrumentals und metallischer Tonkunst bei. Es stimmt schon: mehr traditionellen Black Metal bietet "Exaltation of Wisdom", dafür geht es hier aber ungleich mystischer und ich möchte fast sagen psychedelischer zu. Und so kommt es nicht selten vor, dass der absolut erhaben vorgetragende Black Metal Einflüssen aus dem okkulten Doom oder Psychedelic Rock weicht. Gänsehaut-Garantie bietet auch das absolut kranke Gitatrrenspiel der Dame Åskväder, welches nicht von dieser Welt zu sein scheint. Neben der Stimmgewalt Frater D, welcher unter verschiedenen Pseudonymen auch schon bei verschiedenen Projekten und Bands aktiv war/ist, ist Åskväder auch einzig verbliebenes Gründungsmitglied von Hetroertzen - aus den alten Tagen in Chile. Einen Vorgeschmack auf die Höhepunkte dieses Albums bietet gleich zu Anfang "Blood Royale", der sowohl diesen gesanglichen Mix aus kernig-donnerndem Klargesang, der sehr beschwörender Natur ist, als auch ein paar Black Metal-Anklänge, die sich vorwiegend in kehligem Gekrächze und tiefem Kehlkopf-Singsang äußern. Ebenso findet sich hier gleich eines der psychedelischen langgezogenen Gitarrensoli wieder, welches im letzten Drittel erklingt und sich bis zum Ende durchzieht. Ebenfalls hervorzuheben ist "Endless Light", welches gesanglich von Kark (Dødsengel) vorgetragen wird. Das ist krank, und das absolute Chaos... das ist Black Metal! Mit den Norwegern hatte die Band ja vergangenes Jahr auch schon eine Split, und auch bei diesem Zusammenspiel muss ich einfach sagen: das passt einfach perfekt. Bei allem Chaos, was sich hier breit macht, vergisst man jedoch niemals die Melodie und so ist hier hör- und spürbar, dass hier wirkliche Könner am Werk sind. "Carrying the Forbidden Flame" ist dann erst einmal der letzte reine Ambient-Song, der noch ein paar Beschwörungsformeln enthält. "Spirit Eater" ist ein klassicher Black Metal-Song, der auch wunderbar auf "Exaltation of Wisdom" Platz gefunden hätte, wäre er bereits zu jener Zeit entstanden. "Procession of the Silver Fire" beginnt mit Orgelspiel und geht instrumental über in einen langsamen okkulten Schwarzmetall, der mit einem beschwörenden Gesang unterlegt wurde. Das erinnert so ein wenig an Horns' "Im Schein trüben Kerzenlichts" oder auch an "Das Geheimnis des Vampirs" von Die Kunst der Finsternis (wenngleich es bei diesem Projekt von Frater D. aka Herr Schattenriss wesentlich thrashiger zur Sache geht). Danach noch einmal ein kurzes instrumentales Ambient-Stück. Es folgen noch "Tomb and Thirst" (ein sehr rockiger Black Metal), "The Luminous One", welches mit sehr rituellem Gesang beginnt und instrumental auch eher im slow-tempo dargeboten wird, und dadurch eine sehr doomige Note erhält. Es folgt "The Rose and the Cross", bei welchem es sich eher um ein klassisches aber melodisches Black Metal-Lied handelt, bevor die Zeremonie dann mit dem annähernd 9-minütigen rituellen Tieftöner "Piercing the Veil" ausgeklungen wird. Schon mal eine ultra-tiefe Doom-Gitarre gehört, die Schwarzmetall zelebriert? Nein? Dann bitte!

Fazit:
Was bleibt da noch großartig zu sagen? Das zweite Voll-Album der schwedischen Hetroertzen "Ain Soph Aur" ist eine definitive Erfüllung und stellt in meinen Augen das stärkste Album des Jahres 2014 dar! Auch ist es ein ähnlicher Augenöffner wie seiner Zeit noch "Exaltation of Wisdom"... ein Geniestreich, der einem klar macht, warum man nochmal genau diesem Kult so hörig ist. Genau so sollte Black Metal in der heutigen Zeit klingen: erhaben und druckvoll produziert, jedoch nicht zu sauber. Melodisch und trotzdem nicht die nötige Härte vermissend. Finster und atmosphärisch. Und vor allem: authentisch! Ein spieltechnisch perfektes Album, an dem es rein gar nichts auszusetzen gibt. Einzig und alleine den Preis habe ich zu bemängeln... 24-25 Euronnen für eine DLP ist schon enorm happig, da kann die Band noch so überragend sein. Solche Preise bringt man eher mit Major-Label-Bands in Verbindung, als mit seriösen Black Metal-Kapellen. Aber das zeigt leider einmal mehr, dass der Black Metal längst im Kommerz angekommen ist. The Cult is dead. Long live the Cult. Heil Luzifer!

10 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Dealing with the Veil
A-02. Blood Royale
A-03. The Lifting of the Veil
A-04. Endless Light
B-05. Carrying the Forbidden Flame
B-06. Spirit Eater
B-07. Procession of the Silver Fire
B-08. Enter the Unknown
C-09. Of Tomb and Thirst
C-10. The Luminous One
D-11. The Rose and the Cross
D-12. Piercing the Veil

Laufzeit: ca. 63 Minuten 

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