Donnerstag, 27. November 2014

Review: Pestheim - In The Mysterious Depths Of The Forest (CD, Eigenproduktion)

Aus dem Bergischen stammt das Ein-Mann-Kommando Pestheim, welches von M.H. Frost ins Leben gerufen wurde. Unter wechselnden Bandnamen und auch in anderen Projekten war/ist der Protagonist seit Mitte der 90er im deutschen Black Metal Untergrund unterwegs und treibt sein Unwesen. Inzwischen hat sich Pestheim aber als eine Art 'Wahlheimat' etabliert. Auch ist Frost in dem deutschen Black/Thrash Tribute Projekt Old Skull aktiv.





Die Aufmachung: das aktuelle Album von Pestheim (die früheren Veröffentlichungen sind mir nicht bekannt... ein Nachteil, wenn man erst spät auf solch' eine Band aufmerksam wird) kann sich rein optisch schon einmal sehen lassen. Professionelle Aufmachung, Drucke, vierseitiges Beiheft. Die CD ist eine Pro-CDr.

Die Musik: M.H. Frost zelebriert auf "In The Mysterious Depths Of The Forest" in acht Liedern traditionellen Black Metal (plus Intro- und Outroduktion, also insgesamt 10 Titel), der auf den ersten Eindruck zunächst einmal ziemlich ruppig dargeboten wird. Erst nach mehrmaligem Hören fallen einem bewusst die Details auf, und man merkt, dass die Musik durchaus seine Stärken hat und mitnichten so ruppig und belanglos ist, wie sie im ersten Moment scheint. Allgemein ist das Album durchzogen von sehr feinen Melodiebögen, die an die guten alten 90er in Norwegen erinnern. So bietet z.B. das Stück "Hateful Manifesto" verschiedene Solo-Parts, Breaks, Tempowechsel, verschiedene Fascetten im Gesang und trotz aller Brutalität bietet das Lied eine unglaubliche Atmosphäre. Genau so sieht es auch bei dem folgenden "The Anthems Of The Impaler" aus, welches gleich zu Anfang mit einer Double-Bass-Line beginnt, und sich mit der Zeit zu einer erhabenen Midtempo-Hymne im Stile von Sachen wie alten Satyricon entwickelt. Persönlicher Höhepunkt der CD stellt für mich das Lied "The Freezing Winds" dar (und nein, es handelt sich um kein Mayhem Cover), welches mit Dark Ambient beginnt, dann in einen sehr langsam gespielten Black Metal übergeht, was dem ganzen eine sehr schwermütige, melancholische Atmosphäre verleiht. Und wenn dann der Refrain "The freezing winds blowing as sharp thorns through my blood that runs in my veins" wird auch dem Letzten, der diese Musik wirklich noch fühlt, ein wohliger Schauer über den Rücken laufen. Gänsehaut ist hier garantiert!

Das Fazit:
Eine sehr feine Veröffentlichung eines deutschen Solo-Projektes aus dem Schwarzmetall Untergrund. Direkt eine Schande, dass ich erst jetzt im Zuge des kommenden Samplers auf diese Musik aufmerksam wurde. Hier werden alte Traditionen wirklich noch bewahrt und das Banner des ursprünglichen Black Metal hoch erhobenen Hauptes empor gehalten. Die schwarze Fahne des Pentagrams weht uns im Sturm voran und unter ihm wird das Christentum zerschmettert! Was hier besonders hervorsticht, ist das Gitarrenspiel, denn in eigentlich jedem Song finden sich wohlplatzierte Solo-Parts, die auch schon einmal sehr heavy oder auch thrashig anmuten - da kommt Frost's Arbeit in Old Skull wieder zum tragen (ich habe keine Ahnung, was zu erst da war: Old Skull's "Unholy Ground" oder diese CD hier), auch gibt es vereinzelte kurze Sample-Einspielungen. Am Gesang werden sich wieder die Geister scheiden, da dieser bestimmt nicht jedem gefallen wird. Aber das ist auch sicher nicht die Intention. Denn die Musik von Pestheim ist wie schon erwähnt halt nicht der übliche 08/15-Mist, als das sie zunächst vielleicht erscheinen mag, sondern bietet eine Menge atmosphärischer Höhepunkte, die dieses Album zu einem kleinen Highlight in diesem Jahr machen.

8.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Introduction
02. Winter Anthems
03. Hateful Manifesto
04. The Anthems Of The Impaler
05. On The Wings Of Immortality
06. The Freezing Winds
07. Vampirism (The Cult Of The Undead)
08. Walpurgis Night (First Version)
09. Wrath Of The Nordic Hordes
10. Outroduction

Laufzeit: ca. 38 Minuten 

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