Mittwoch, 26. November 2014

Review: Glasperlenspiel - Post Kastaliam (MC, Eigenproduktion)

Glasperlenspiel nennt sich eine noch relativ junge Band (Gründung 2013) aus Stuttgart. Beteiligt sind gerade einmal zwei Personen. Gespielt wird Black Metal, der typisch deutsch klingt. Soweit ja eigentlich nix besonderes... aber (und meine Damen und Herren das ist mal wirklich ein ABER): das, was die zwei Protagonisten hier zelebrieren ist mit eines der interessantesten Sachen, die ich seit Jahren aus dem nationalen Underground vernommen habe. Die Musik von Glasperlenspiel (lustig übrigens die Namensgleichheit mit der deutschen Pop-Gruppe, die ja momentan auch schwer angesagt zu sein scheint - manche Dinge gehen halt nicht an einem vorbei, auch wenn man es versucht zu vermeiden...). Wenn das mal nur keinen Streß wegen Urheberrechten usw. gibt.


Da sind Deutsche ja immer schnell mit dabei, vor allem Musik-Gruppen. Aber gut, das soll hier ja auch gar nicht Thema sein. Wenden wir uns also der Musik zu: Die beiden Musiker Stella (Gitarre, Schlagzeug, Synths, Texte, Komposition und Gesang) sowie Otis (Bass, Lyrik, Gesang) bieten der geneigten Hörerschaft fünf Lieder, sowie einen instrumentalen Einklang. Wo das Grundgerüst der Lieder eindeutig dem Black Metal zuzuordnen ist, und zwar von einer ziemlich räudigen Machart (das wird auch direkt bei dem recht ruppigen Anfang von "Feindbild Mensch" klar), gibt es dann auch immer mal wieder einige sehr nette Details - so ist der BM ansich trotz aller Räudigkeit recht melodisch gespielt, auch der zweistimmige Gesang kann auf Grund der beiden verschiedenen Stimmen überzeugen - und hier und da setzt dann auch mal ein sehr folklore-lastiger Klar-/Sprechgesang ein. Dann gibt es auf einmal auch Symphonic und Ambient zu hören, es wird auch mal durchaus doomig. In "Faule Früchte" und "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" wird es gar etwas Industrial-lastig. Und, die Titel lassen es schon erahnen... hier lohnt sich auch ein etwas aufmerksamerer Blick auf die Texte, die leider nicht Bestandteil des Covers sind. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, da sie auch für ungeübtere Ohren gut verständlich sind. Lyrisch beschäftigt man sich, ganz der instrumentalen Darbietung entsprechend, Themen wie Misanthropie ("Feindbild Mensch"), Gesellschafts- sowie Glaubenskritik ("Faule Früchte"), dem Tod ("Die letzte Glocke") und Krieg ("Der Tod ist ein Meister aus Deutschland"). Typische Black Metal-Themen halt, die allerdings auf eine sehr poetische Art und Weise vorgetragen werden und auch die Wahl der Worte spricht dafür, dass die Band einiges mehr auf dem Kasten hat, als die x-te unbedeutende Möchte-Gern-Wir-Sind-Ja-Ach-So-Böse-Misanthropen-Truppe. Verpisst euch aus dem Black Metal, da ihr nichts, aber auch gar nichts verstanden habt (Sorry, aber das musste nun mal raus)!

Fazit:
Glasperlenspiel liefern mit ihrem Debüt-Werk "Post Kastaliam" nicht nur eine ungewöhnliche Veröffentlichung ab - ich würde sogar soweit gehen, und behaupten, dass es sich hier um eines der innovativsten Machwerke aus dem deutschen Untergrund handelt seit dem Fornost ihr Debüt "Der Wind hat mir ein Lied erzählt" veröffentlichten (ist ja schon ne Weile her), was zwar wiederum in eine ganz andere Richtung geht, aber von der Atmosphäre der Lieder haben beide Werke doch viel gemein. Dieser wechselnde Gesang, diese gleichzeitige Räudigkeit und Melodik. Wer unbedingt Vergleiche sucht, sei also an den atmosphärischen Stil der oben genannten Scheibe verwiesen. Sehr schön, dass es wirklich noch einige Bands gibt, die es verstehen, mit neueren Einflüssen dem alten Wesen Schwarzmetall neues Leben einzuhauchen, ohne all' seine Ideale zugunsten einer political correctness zu verraten. Wider dem Zeitgeist. Wider dem Mainstream. So muss das und nicht anders. Limitiert ist die Kassette mit doppelseitig bedrucktem Pro-Cover übrigens auf 218 handnummerierte Exemplare und kann auf der offiziellen Seite der Band für 5,- Euronnen bestellt werden.

8.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Einklang
A-02. Feindbild Mensch
A-03. Faule Früchte
A-04. Glasperlenspiel 1
B-05. Die letzte Glocke
B-06. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Laufzeit: ca. 60 Minuten 

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