Montag, 27. Oktober 2014

Preview: The Idiots - Gott sei Punk! (LP, Idiots Records)

Nun endlich ist es soweit... nach dem grandiosen Comeback in Form von "Amok" melden sich die Urgesteine des Punks aus dem Pott mit ihrem neuen Album zurück. Dieses heisst ganz schlicht "Gott sei Punk!" - womit eigentlich alles schon gesagt sein dürfte. Gott & Papst Franziskus wird es lieben!








...und erneut eine Besprechung zu einem Werk, was thematisch eigentlich gar nicht so recht in dieses Format passt. Jedoch sehe ich mich als Dortmunder in der Pflicht... usw. usf., das hatten wir ja eigentlich alles schon einmal. Auf ihrem neuesten Album bietet die Truppe um Sir Hannes (Prost!) vor allem Neuinterpretationen alter Klassiker. So erschallen Punk-Rock-Granaten wie "Deathbrains", "Bayrischer Wald", "Selbstmord" oder "Der Idiot" nicht nur im modernen Klangbild, welches einen bunten Mix aus Punk, Hardcore und Metal bietet, sondern bieten auch leicht modifizierte und modernisierte Texte. So nimmt gleich der Opener "'Bayrischer Wald" Bezug auf aktuellere Ereignisse ("Uli Hoeness - Saubermann/Steuersünder - Ackermann"). Ja, Mann und voll in die Fresse dem ganzen verlogenen Pack! Mit dem Titellied gibt es dann noch einen wirklich neuen Song um die Ohren, der sich aber nahtlos in den Reigen der ganzen Klassiker einreiht. Mein persönlicher Liebling der A-Seite ist allerdings Lied Numero fünf "Selbstmord". Eine verzweifelte Kampfansage an diese korrupte, pseudo-korrekte/tolerante Gesellschaft, die sich stets selbst am liebsten ist. Ähnlich wie "Kill Him", welches mit seinem Text doch nahe an einer Würdigung durch die BPjM kommen dürfte (wenn ihr versteht... ;)). Allerdings hat der Song auch sehr viel an boshafter Ironie, übt Kritik an der Ausbeutung des einfachen Mannes und hat einen Humor inne, der an Schwärze kaum noch zu toppen sein dürfte (jedenfalls für deutsche Verhältnisse, die Briten werden da einfach ungeschlagen bleiben). "Der Idiot" hält dagegen mit seiner (selbst-)ironischen Ansicht auf das Geschehen ("Selbstmordversuche überlebte ich doch/lag es an mir oder wollte es meine Umwelt noch", "Idiot bis zum Tod" - kleiner Tipp meinerseits: weniger saufen, dann trifft man auch die Ader besser HAHA). Apropos saufen... der Lacher des Abends wartet am Anfang von Seite B: "Der Säufer" ist einfach DER Party-Punk-Hit schlechthin und musikalisch gesehen eigentlich so ziemlich gar nicht mehr vergleichbar mit dem Original. "...saufen bis zum letzten - saufen bis zum Tod". Das ist Chaos, Härte und Melodie in einem, ähnlich wie beim nächsten Sauflied "Tage ohne Alkohol". Fußball gibt's natürlich auch und so ist auch der alte Hit "Der S04 & der BVB" enthalten. Ein (Anti-)Hooligan Song sozusagen. Auch eine schöne Kritik an dieses übertriebene Fan-Elitär-Getue. Wenn mich etwas an Dortmund ankotzt, dann ist es DAS! "Idioten ficken besser" hat mich dann gleich mal aus dem Stuhl gehauen. Einen solchen Lachanfall hat man selten bei einem Lied. Aber was die Idioten hier auffahren ist einfach nur geil: erst einmal der Text an sich ("...und der ganze Kirchenchor singt aus vollster Inzucht vor"), dann der Kinder(?)chor, der dezent im Refrain Verwendung findet, sowie Hannes' Klargesang im letzten Viertel und das ganze auf die Melodie von "Wir haben Hunger, Hunger, Hunger". Ein Comeback feiert auch der Song "Mädchen mit den roten Haaren. Generell überrascht hier vor allem wieder Hannes mit seinem fascettenreichen Stimmorgan. Von typischen Hardcore-/Punk-Gegrölle, findet klarer Gesang ebenso seinen Einsatz wie auch eher dem Metal zuzuordnenden Growls, sowie eher gekreischter Gesang. Etwas Ska/Reggae und Oi!-Atmosphäre gibt es dann bei "Pechvogel" um die Ohren. Den krönenden Abschluss bildet der Smasher "Edeka". Ohne Worte!

Fazit:
Nach dem letztjährigen Album "Amok" ist das aktuelle Werk der Idiots wesentlich punkiger ausgefallen und zeugt gerade deshalb auch eher von den Ursprüngen dieses Dortmunder Urgesteins. Hardcore und Punk der alten Schule, der aber auf eine moderne Art und Weise mit viel Wumms produziert und interpretiert wurde. Und auch, wenn es die Gutmenschen dieser Welt vielleicht nicht unbedingt mögen werden... "Gott sei Punk!" ist ein großartiges Album, welches durchdacht zu Werke geht und hinter all' seiner Ironie gnadenlos mit dem Unrat dieser Welt abrechnet! Wie gesagt: Gott & Papst Franziskus wird "Gott sei Punk" lieben! Es braucht definitiv mehr Alben eines solchen Formates! Offiziell gibt es das Album erst ab dem 31.10. käuflich im Handel zu erwerben, wer allerdings wie ich schonmal seit letzten Samstag im Idiots Records nach dem Rechten gesehen hat, wird das Album zweifelsohne schon besitzen. Von daher könnte man diese Review auch als Preview ansehen. Veröffentlicht wurde dieses übrigens als Digi-CD (ich hab' keine Ahnung, ob es noch ne Jewelcase gibt) und als limiterte LP im roten Vinyl.

9.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Bayrischer Wald
A-02. Nuclear War
A-03. Gott sei Punk
A-04. Deathbrains
A-05. Selbstmord
A-06. Kill Him
A-07. Der Idiot
A-08. Samstag Nacht
B-09. Der Säufer
B-10. Der S04 & der BVB
B-11. Tage ohne Alkohol
B-12. Idioten ficken besser
B-13. Mädchen mit den roten Haaren
B-14. Destroy My Body
B-15. Mach es dir doch selbst
B-16. Pechvogel
B-17. Edeka

Laufzeit: ca. 51 Minuten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen