Samstag, 17. Mai 2014

Review: Camulos - Leichenlieder (LP, Blasphemous Terror Records)

Camulos sind zurück! Wie, noch nie gehört? In den Staub... aber eigentlich ist es auch unmöglich nicht wenigstens einmal von zensurbedingter Seite her nicht von der Band gehört zu haben. Wurde ihr erstes Album doch auf Grund des sehr reißerischen und provokanten Titels deutschlandweit eingezogen. Wie immer total aus dem Zusammenhang gerissen - aber für die deutschen Zensurbehörden natürlich wieder ein gefundenes Fressen gewesen. Es folgte noch ein zweites Album, sowie eine Split-Veröffentlichung, danach war erst einmal lange Zeit Stille...




...bis vor gut einem Monat dann durch das deutsche Underground-Label Blasphemous Terror Records die frohe Nachricht kund getan wurde, dass Camulos sich zurückmelden. Und ja, die Vorfreude war groß, allein schon wegen dem Vorab-Video auf der Plattform youtube. Als mich dann "Leichenlieder" erreichte, wurde die Platte natürlich alsbald aufgelegt und direkt mal zweimal in Folge rauf und runter gehört. Seitdem läuft sie nun öfters mal bei mir. Doch, das neue Album ist definitiv Camulos' bisheriges Meisterwerk. Das Intro mutet zwar im ersten Augenblick noch merkwürdig an, aber dieser Eindruck verfliegt schnell bei den ersten Klängen von "Erwachende Stimme". Das ist so typisch Camulos, erhaben, hasserfüllt, einem Donnergroll gleich. Und doch ist es mit nichts zu vergleichen, was die Band bisher veröffentlichte. Die Besetzung hat sich auch ziemlich gewandelt, so ist Nazgul einzig verbliebendes Gründungsmitglied und unterstützt wird er lediglich von Bile (Leichenzug) am Schlagwerk. Ein wenig hat das ganze musikalisch betrachtet auch was von der "Architektur des Schmerzes" aus der Feder von Tavaron. Vor allem in den Keyboard-Passagen, nur ungleich härter, düsterer und christenleiber-zerfetzender. "Blinder Geist" fängt sehr modern und rockig an, wandelt sich aber nach kurzer Zeit in einen Hassbatzen aller erster Güte samt choralem Einsatz. "Jesus Christ, erhörst du mich? Deine Welt vergifte ich. Jesus Christ, erhörst du mich, deine Nägel schmiede ich..." mehr muss man dazu nicht mehr sagen! Auf der LP folgt nun, anders als auf der CD, das Lied "Fleischeslust durch Krieg", welches auf dem Silberling erst nach dem Dreiteiler "Kinder des Feuers" folgt. Jeder Song ist sehr individuell gehalten, hat klaren Wiedererkennungswert und geht eigentlich direkt ins Blut! Um aber noch einmal auf den dreiteiligen Opus einzugehen. "Kinder des Feuers - Opus I" beschreibt eine Masseninquisition an Menschen mit - natürlich - vornehmlich weiblichem Geschlecht. Deren Kinder wurden dann auch einfach mal mit verfeuert. Da sie ja in den Augen der Inquisitioren 'Kinder des Teufels' seien. "Opus I" leitet das Verbrechen ein und beschreibt es auf eindrucksvolle Weise, die Musik schwankt daher emotionstechnisch auch eher zwischen Melancholie und Wut. "Opus II" stellt dann den Versuch einer Selbstreflektion dar, so wird dieser Akt komplett aus der Sicht eines verantwortlichen Kirchenmannes erzählt, dem das Ausmaß und die Konsequenzen seines Verbrechens erst allmählich - zu spät - klar wird. Gesprochene Passagen vermischen sich mit Ambient-Klängen, was schon fast einen düsteren Hörspiel-Charakter aufweist. In "Opus III" schließlich entlädt sich dann der geballte Hass und Zorn und die "Kinder des Feuers" nehmen blutige Rache an ihren Schlächtern. Am Ende schließen sich die Pforten zur Hölle und dieses hasserfüllte Epos endet. Genial in Szene gesetzt!

Fazit:
Was bleibt da noch großartig zu sagen? Uneingeschränkte Empfehlung meinerseits. Kauft euch das Teil oder lasst es bleiben und krepiert! Das Album erschien als CD im Jewelcase, als auf 300 handnummierte Exemplare limitierte Digi-CD, sowie als auf 300 Stück limitierte und durchnummerierte LP (100 in rotem und 200 in schwarzem Vinyl, jeweils mit Poster und Beiblatt mit allen Texten). Bleibt abschließend anzumerken, dass die Handnummerierung der Digi-CD eigentlich hinfällig ist, da sie sich lediglich auf einem Sticker befindet, der auf der Folie aufgeklebt ist - ergo: sobald man die Folie abreißt um sich die CD zu Gemüte zu führen, ist auch der Sticker ab.

8.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. Intro
02. Erwachende Stimme
03. Blinder Geist
04. Fleischeslust durch Krieg (auf der CD erst Lied 07)
05. Kinder des Feuers - Opus I (auf der CD bereits Lied 04)
06. Kinder des Feuers - Opus II
07. Kinder des Feuers - Opus III
08. Heuchelnde Lämmer
09. Leichenlieder

Laufzeit: ca. 40 Minuten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen