Freitag, 14. März 2014

Review: Die Toten kehren wieder mit dem Wind - Ein Wanderer (CD, Eigenproduktion)

Damit hätte ja nun wohl kaum jemand gerechnet... urplötzlich bekomme ich einen omninösen Musik-Trailer zu "Ein Wanderer" zu Gesicht, dem neuen Album des Ein-Mann-Projektes Die Toten kehren wieder mit dem Wind, und bin sofort hin und weg. Schließlich liegt der letzte Longplayer auch schon gute vier Jahre zurück. Grund genug also, um mal wieder beide Lauscher zu riskieren - denn wenn der Name dieser Band fällt, darf man ja bekanntlich mit allem rechnen... außer mit R'n'B.




Zunächst einmal sticht wieder die Aufmachung heraus: Pro-CDr in einer handgefertigten und gebundenen Verpackung, die entfernt an ein Digisleeve erinnert. Das hat mal wieder sehr viel Stil und verbreitet schon vor dem Hören einen wohligen Underground-Charme, der dem Gros der Bands heutzutage ja leider völlig abgeht. Die meisten Black Metaller wollen halt auch nur bloße Popstars sein.

Was mich dann auch gleich zum wichtigsten Punkt dieser Besprechung bringt... der Musik. Enthalten sind acht Lieder, von denen vier instrumentaler Natur sind, die restlichen vier stellen sehr atmosphärischen Black Metal dar. Was direkt zu Beginn auffällt, aber auch insgesamt betrachtet der Fall ist, ist, dass der Ambient-Einfluss, der sich ja hier und da schon auf den vergangenen Werken fand (und auf "Stille" seinen bisherigen Höhepunkt erreichte), hier noch weiter ausgebaut und ihm auch allgemein wesentlich mehr Platz zugesprochen wurde. Das mag nun nicht jedem gefallen, vor allem Puritisten werden von diesem Album eher bitter enttäuscht sein. Aber, und das ist mal ein verdammt großes ABER, für diese Leute wurde die Musik Bradhenr's schließlich auch nie gemacht, und wahrscheinlich auch nie wirklich gedacht. Die Toten kehren wieder mit dem Wind war schon immer mit einer experimentellen Note behaftet (zumindest sehe ich das so), und auch immer eher philosophischer Natur, als irgendwelche Klischees zu bedienen. Wie der Name der CD daher schon vermuten lässt, handelt es sich hier um eine spirituelle Reise - weniger um Musik, die man ganz irdisch abfeiert. "Ein Wanderer" zwingt den Hörer förmlich dazu, sich mit ihm zu beschäftigen, ihm zuzuhören und sich mit ihm auseinanderzusetzen und sich auf ihn einzulassen. Klar bleibt der reine Black Metal da etwas auf der Strecke - ist aber nichts desto trotz vorhanden. Die ambienten Klänge sind manchmal stolz, erhaben und mystisch. Dann aber auch wieder düster, majestätisch, kalt und leer. Erinnern mich in Zügen an Werke Vinterriket's, ohne diese jedoch zu kopieren. Lied "VI" hat mit seinem eher geflüsterten Gesang / Wispern etwas von der Gothic-Band Sopor Aeternus, was wohl auch an den Glockenspielen liegen dürfte. Hinterher gesellen sich noch verzerrte, Black Metal-typische Gitarren hinzu, bis das ganze mit einem Chor ausgeklungen wird. Die sonstigen Black Metal-Anteile sind typisch für die Band und stehen Beiträgen von vergangenen Alben wie "Am Ufer des Sees" oder "Ich träume von Finsternis" in nichts nach. Auch leichte Anleihen an den Doom sind vorhanden.

Fazit:
"Ein Wanderer" ist wohl eher als das zu betrachten, was es letztendlich ist: als musikalisches Experiment und Wagnis, über den Tellerrand zu schauen. Musik jenseits aller Grenzen und Normen zu schaffen. Dass solche "Stilwandlungen" und Gradwanderungen selten gut, denn eher oftmals in die Hose gehen, brauche ich wohl keinem mehr zu erzählen. Im Falle des neuen Albums von Die Toten kehren wieder mit dem Wind ist es meiner Meinung nach aber absolut gelungen. Dieses Album besitzt eine Ausstrahlung, die ihres Gleichen sucht und erzeugt so unglaublich dichte Atmosphären, die in der Lage sind, diese Kälte und die Einsamkeit des Protagonisten fast schon körperlich spürbar zu machen. Musik, garantiert nicht für jedermann. Doch Leute mit einem Sinn für gute Musik mit viel Atmosphäre und für Klänge, die die Finsternis atmen, sei dieses Album nur empfohlen! Zu bestellen direkt bei der 'Band' auf der offiziellen Heimseite oder gleich per email an dietoten@nurfuerspam.de.

9.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
01. I
02. II
03. III
04. IV
05. V
06. VI
07. VII
08. VIII

Laufzeit: ca. 71 Minuten

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