Mittwoch, 29. Mai 2013

Review: The Idiots - Amok (LP, Idiots Records)

...zur Abwechslung mal etwas völlig anderes. Nichts okkultes. Nichts, was auch nur im entferntesten mit Black Metal zu tun hat. Mit Metal auch nur bedingt. Warum also diese Besprechung? 1. - weil ich mich als Dortmunder einfach verpflichtet sehe, guten Shit zu besprechen und 2. weil es einfach verdammter Kult ist! Ja liebe Freunde, The Idiots melden sich nach lächerlichen 13 Jahren nach ihrer Auflösung mit ihrem letztjährigen Album "Amok" zurück.





Die einen oder anderen werden sich noch erinnern... The Idiots um den Meister Sir Hannes (der ja auch mit seiner Band Honigdieb sehr aktiv ist) hat mal vor ein paar Jahren (1978) als Oi! Punk Band angefangen, der Stil wandelte sich aber sehr schnell in Hardcore Punk. 1989 verließ Hannes dann die Band und The Idiots lösten sich nach kurzer Zeit auch auf. Vor gut 25 Jahren dann öffnete der Plattenladen "Idiots Records" seine Pforten - und dieser Kultladen existiert noch heute, mittlerweile sogar ziemlich im Herzen Dortmunds. Im letzten Jahr feierte man dann das Comeback und trat u.a. auf dem traditionellen Festival "Rock in den Ruinen" auf. The Idiots aus Dortmund gelten damit als eine der dienstältesten Punkbands Deutschlands, und scharen weltweit eine beachtliche Fan-Gemeinde um sich. Wer sich mal ein paar Eindrucke von früheren und auch heutigen Auftritten der Band machen will, soll dies doch mal bitte im Internet recherchieren. Krankes Scheiße. Was mich dann auch direkt zum aktuellen Werk der Band führt.

So macht gleich der Opener "Verseucht" klar, was Sache ist. Schöne Melodien? Fehlanzeige. Politisch korrekte Texte? Drauf geschissen. Dazu ein absolut kranker Gesang irgendwo zwischen Punk, Thrash Metal und Neuer Deutscher Härte. Ein bisschen Indie Pop ist auch heraus zu hören. Und die Refrains gehen einfach nur ins Ohr und laden zum Mitgröllen ein. Einfach alles kaputt machen. Dieser Eindruck setzt sich auch bei "Heavy Metal Psycho Punk" fort. Der Titel ist übrigens auch eine passende Beschreibung der Musik an sich. Textauszug gefällig? "Dieser Zirkus ist nicht unser Bahnhof/Unser Zug fährt zur Heavy Metal - Punk Rock Show/Wir sind Heavy Metal Psycho Punks/Dynamisch - skurill sehr charmant/ Heavy Metal - Psycho - Punk/Wir sind Heavy Metal Psycho Skins". Alles klar, damit ist wohl alles gesagt. Genau so einen Schlag wahlweise in die Fresse, die Genitalien oder sonst wohin, wo es besonders wehtut gibt's auch bei "Hampelmann" ("Du bist ein Hampel - Ampel - Pillemann/Ein Pissewotzki ein Garnichts - Kann/Du bist ein Hampel - Ampel - Pillemann/Ein Vollpfosten - ein Pannemann/Hampel -Ampel- du bist ein Hampel-Ampel Pillemann") oder "Nur eine Nummer" ("Ich bin die Nummer von der Nummer/eine Null die keiner kennt/Ich bin die Nummer von der Nummer/eine Null die sich erhängt"). "Fleischwolf" ist dann mal nicht nur von diesem musikalischen Metal/Punk Mix aus eine absolut kranke Nummer, auch der Text scheint einem geisteskranken Hirn entsprungen zu sein ("Ich bin der Fleischwolf gierig und geil/Mache aus dir Würstchen aus dein'm Hinterteil/Ich bin der Fleischwolf gierig und geil/aus Gehirn wird Sülze echt lecker und fein"). Einfach Hammer - es sollte mehr Bands geben, die sich so etwas trauen.
Kommen wir zur B-Seite. Schon bei "Alter Schwede" wird klar, dass es hier wesentlich punkiger und traditioneller zugeht. So stammen einige Titel wie "Schweine ins Weltall" (sehr Oi! lastig), "Emmy Oh Emmy" (der wohl geilste Punk-Love-Song, den ich je gehört habe) oder das Stooges-Cover "I Wanna Be Your Dog" (muss man dazu noch etwas sagen?!) aus den Jahren 1983 - 1989 und haben sehr viel von dieser alten Oi!-Punk-Attitüde, zu der man am liebsten anfangen würde ungehemmt drauf los zu poggen. Hämatome, angebrochene Rippen und blaue Augen nicht ausgeschlossen. Der Titelsong ist dann nochmal gesondert hervorzuheben, denn sowohl der Text ("Amok Amok Amok - ich schieß' mich selber tot/Amok Amok Amok - wo ist mein geistiges Brot/Ich mach kaputt was mich kaputt macht") als auch die Musik grenzt einfach an eine Explosion aus Wut und Frustation. Und "A.N.G.E.L.A." ist einfach nur der Brüller. Welche Angela hier wohl angesprochen wird, wird natürlich nicht verraten und auch nicht direkt ausgesprochen - so ist es denn letztlich der Interpretation des Hörers überlassen, diesen Song jeder (seiner) ungeliebten Angela auf dieser abgefuckten Welt zu widmen. In diesem Sinne "Ich mach kaputt was mich kaputt macht"...

Fazit:
Ich muss gestehen, als nicht alt-eingesessener Ruhrpottler habe ich bisher nur sporadisch von den alten Sachen der Idiots gehört. Schande über mein Haupt und so. Umso besser, dass ich mit der Reunion der Band die Möglichkeit habe, sie neu kennen zu lernen. Den Laden kenne ich ja nun auch schon ein paar Jahrzehntchen und gehe dort mal mehr, mal weniger regelmäßig ein oder aus. Was über "Amok" zu sagen bleibt ist, dass es ein verdammt intensives, kraftvolles und frisches, wie auch geisteskrankes und durch und durch verstörendes Album geworden ist. Mit Texten, die von krankhaft genial, über ekelhaften Kotzegeschmack bishin zu einem unwohligen Gefühl, was einem beherzten Tritt in die Magengrube gleichkommt reichen. Ja, Hannes' direkte, meist zynische und sehr provokante Kritik an den Missständen dieser Welt wird bestimmt nicht jeder nachvollziehen oder verstehen können. Auch werden es wohl gerade die Sittenwächter der Nation nicht sonderlich lustig finden, hehe. Auch ist die Wut und die Aggressivität hinter den Liedern damals wie heute spürbar, es scheint, als sei diese Band niemals weg gewesen. Und ich hoffe, dass weitere Werke folgen werden, denn bei dieser ganzen Scheiße heutzutage ist noch lange nicht alles gesagt. Das Album ist übrigens auch als CD im Digi erhältlich, welche ein zusätzliches Lied ("Kartoffelsalat") enthält. Ich bin auch mal gespannt, wie lange sich das Album wohl im öffentlichen Handel halten wird, denn ich geh mal stark davon aus, dass eine evtl. Indizierung hier nicht lange auf sich warten lassen wird - aber deutsche Mühlen arbeiten ja bekanntlich laaangsam. Na denn, PROST!

9.5 / 10 Punkte


Darbietungen:
A-01. Verseucht
A-02. Heavy Metal Psycho Punk
A-03. Der Tod
A-04. Die Nummer
A-05. Hampelmann
A-06. Fleischwolf
A-07. Märtyrer
B-08. Alter Schwede
B-09. Schweine ins Weltall
B-10. Amok
B-11. Emmy Oh Emmy
B-12. Ein bisschen Scheiße
B-13. I Wanna Be Your Dog (The Stooges Cover)
B-14. A.N.G.E.L.A.

Laufzeit: ca. 42 Minuten

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