Freitag, 3. Mai 2013

Review: Harakiri for the Sky - Harakiri for the Sky (CD, Art of Propaganda)

Nun hat es auch mich endlich erreicht... das Nebenprojekt von Karg-Mastermind V. Wahntraum, der hier unter dem Namen J.J. auftritt. Ob es sich hier allerdings um eine Art Nebenprojekt oder um eine vollwertige Band handelt, kann ich nicht sagen. Fakt ist, dass sich die beiden Mitglieder bereits von diveresen anderen Bands her kennen. Wie dem auch sei... das Debüt von Harakiri for the Sky kann sich hören lassen.





Ja, und wie sich das hören lassen kann... kaum habe ich die CD eingelegt  geht es nach einem kurzen akustischen Einklang mit Gewitter auch gleich in verzerrte Gitarren über, die an melancholische Spiele Nargaroth's oder Burzum's denken lassen. Der Vergleich zur zweit-genannten Band fällt dann auch gleich noch mehr ins Gewicht, wenn das Schlagzeug und der Gesang erklingen. Das ist hypnotisch und erhaben. Verträumt und voll trister Traurigkeit. Und verdammt wütend. Das klingt wie eine moderne Form von Burzum's "Filosofem" (im Black Metal-Part). Klar, dass sich hier auch Zitate aus Karg wiederfinden lassen, aber das sei verziehen. Harakiri for the Sky funktioniert auch definitiv als eigene Band. Nach den ersten guten acht Minuten "Lungs filled with water" bin ich bereits völlig der Musik ergeben. Hoffnungslos, gefangen in einem Wechselbad der Emotionen. "02:19 AM, Psychosis" erinnert nicht nur vom Titel her an aktuelle Werke von Fäulnis, auch in musikalischer Hinsicht wird genau das geboten, was man als Sick Black Art bezeichnen könnte. Allerdings fahren hier Harakiri for the Sky eher einen Post Rock-Stil auf, der an die inzwischen aufgelöste Band Amesoeurs denken lässt. Dieses Wechselspiel zwischen hypnotischem Black Metal und Post Rock/Punk Doom muss man halt mögen. Auf keinen Fall zu verachten ist hier aber die Arbeit des Schlagzeugers, der im letzten Viertel richtig Gas gibt. "From yesterday to ashes" ist dann endgültig eine reine Post Rock/Black Metal Nummer geworden, deren Melodiebögen nur so über allem zu schweben scheinen. Völlig losgesagt von dieser Welt. Auch hier wieder die sehr schnellen Drums ab ca. der dritten Minute. Der vorletzte Song des Albums "Drown in my Nihilism" bietet dann von jedem etwas - Post Rock, depressiver Black Metal, Shoegaze. Neben dem ersten Song für mich definitiv einer der intensivsten des Albums! "Dancing on Debris" ist dann zum Schluß noch ein richtiger Rausschmeißer, beginnt sehr zaghaft und wegt dann einem Sturm gleich alle Gefühlswelten mit sich fort. Der Zustand jeglicher Empfindung hat dieser Beitrag bereits eindeutig hinter sich gelassen.

Fazit:
Ich weiß, jetzt werden wieder einige schreien "nicht schon wieder Post Rock / Black Metal / Shoegaze Scheiße". Und ja Leute, ich gebe euch sogar recht. Das Gros dieser Bands ist einfach Müll, da zu belanglos, austauschbar oder einfach nur schlecht. Doch das ist beim Gros der 'reinen' Black Metal Bands heutzutage nicht anders. Und glücklicher Weise gibt es sowohl als auch erfreuliche Ausnahmen. Wie eben Harakiri for the Sky. Das Rad wird hier zwar auch nicht neu erfunden, aber immerhin legt man sehr viel Wert auf Atmosphäre, genau wie man sich um eine gewisse Individualität und um detailverliebte, dennoch klar Songstrukturen bemüht hat - außerdem: man merkt beim Hören einfach, dass hier eine Menge Herzblut mit reingeflossen ist. Hinzu kommt eine schicke Aufmachung sowie die recht persönlichen Texte.

8.0 / 10 Punkte

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