Sonntag, 16. Dezember 2012

Review: Nebelmythen - Stille (CD, Wolfsgrimm Records)

Wenn zwei Brüder sich zusammen tun, um ein bisschen Musik zu machen, dann kann da bekanntlich alles mögliche herauskommen. Handelt es sich bei den beiden allerdings um bereits aktive Musiker bei solch illustren Bands wie etwa Helfahrt oder Thulcandra, kann man schon erahnen, in was für eine ungefähre Richtung das Resultat eines gemeinsamen Projektes gehen wird. In diesem Falle heißt das Werk schlicht und ergreifend "Stille" und bietet eine der besten Black Metal Produktionen, die ich dieses Jahr hören durfte.




Nebelmythen nennt sich nun das Projekt der beiden Brüder. Geboten wird hier melodischer, aber dennoch harter und aggressiver Black Metal. Ein bisschen Träumerei, Mystik und Melancholie ist ebenfalls mit an Bord. Das zeigt auch direkt der erste Song "Mond", der nach einem kurzen Sample direkt in die Vollen geht. Druckvolle Produktion, die erfrischend modern klingt und sich im Verlauf als sehr spielfreudig zeigt. Das erinnert in Teilen an aktuellere Werke von Immortal, die aktuelle Tavaron, Der Weg einer Freiheit oder auch an Lunar Aurora - letztendlich aber auch an die eigenen Bands wie Helfahrt (schuld dran wird wohl in erster Linie der Gesang sein). "Sinn" überrascht mit einem sehr gut passenden Streicher-Sample zur Mitte hin und mit teils sehr Death-groovigem Gitarrenspiel. "Meer" beginnt relativ harmlos, zeigt im Laufe seiner Spielzeit aber durchaus seine Klauen und Zähne. Musikalisch durchzogen von immer anwesenden Keyboard-Teppichen, die sich jedoch deutlich im Hintergrund abspielen - die Priorität liegt hier ganz klar bei dem Drum- und Gitarrenspiel sowie dem Gesang. Dazu sehr passend sind die durchaus sehr verständlichen Texte. Seinen Höhepunkt findet der Song in dem Einsatz eines Chorsamples, welches den majestätisch anmutenden Midtempo Black Metal begleitet und das Lied zu einer wahren Hymne werden lässt. Bisheriges Highlight der Scheibe in meinen Augen! Instrumental gesehen, könnte man das folgende Stück "Stein" durchaus mit Burzum seit seiner "Filosofem"-Zeit vergleichen... fährt man hier doch einen ähnlichen hyponotischen Black Metal auf. Mit den Chören im Hintergrund wirkt das Ganze jedoch dann eher wie eins der besseren Stücke aus der aktuellen Graveland-Ära. Es folgt ein instrumentales Zwischenspiel Namens "Unsterblich", welches zunächst durch seine melancholischen Streicher und anschließend durch sein traurig-monotones Klavierspiel besticht. Hier fällt auch direkt noch etwas ins Auge: wo andere Bands und Veröffentlichungen solchen Formats sowas hoffnungslos in die Länge ziehen, wodurch einfach Atmosphäre und Interesse schwinden (fällt denen das eigentlich nicht selber auf?!), präsentieren Nebelmythen ihre Lieder in gesunden Längen von fünf bis sieben Minuten, ebenso dauern die instrumentalen Stücke nicht einmal drei Minuten an - vielleicht mit einer der Gründe, warum sie so zünden und sehr atmosphärisch wirken. "Spiegel" muss ich sagen, ist mir mit seinen knapp über vier Minuten schon fast ZU kurz, man hat den Eindruck, als wäre der Song zu Ende, kaum dass er begann. Was allerdings auch wieder den Eindruck dichter Atmosphäre untermauert, den ich hier bereits erwähnte... man kann sich "Stille" wirklich an einem Stück durch anhören, ohne dass es langweilig wird und garantiert ohne dass man das Gefühl hat, um seine Lebenszeit beschissen worden zu sein. Mit "Narbenkind" hat man noch einmal einen wirklich hmynischen wie melancholischen Song geschaffen, der im letzten Viertel vom druckvollen Black Metal in ein Streicherspiel übergeht, daraufhin wieder in Black Metal übergeht, diesmal jedoch einen ganzen Tacken schnell und schließlich in einem Zusammenspiel aus beidem endet. Der letzte wirkliche Song "Blutjuwel" bietet noch einmal alles: Chöre, rockige Gitarren, druckvolles Schlagzeug, sehr viel Melancholie und gleichzeitig Erhabenheit. Es folgt mit "Vergessen" noch ein kurzes instrumentaler Ausklang mit Klavierspiel und Chören, sowie sonstigen Ambient-technischen Spielereien. Auch hier fällt die verhältnismäßig kurze Spielzeit auf, die das Ganze nicht zu einer schier endlos erscheinenden Geduldsprobe werden lässt.

Fazit:
Ein fantastisches Album kann ich nur sagen! Wer auf gut, aber nicht überproduzierten Black Metal mit Atmosphäre und Tiefgang steht, dem sei diese Scheibe hiermit uneingeschränkt empfohlen. Ebenso allen Anhängern der Bands, die ich hier als Vergleich aufgeführt habe. Bleibt zu hoffen, dass es für Leute mit Sammelleidenschaft (also für welche wie mich, hrhr) irgendwann mal eine Vinyl-Auswertung dieses Albums geben wird.

9.5 / 10 Punkte

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