Mittwoch, 23. Mai 2012

Review: Livid - Das Blut der Ballerinas (Blu-ray, Sunfilm, Uncut)

Gestern kam ich nun endlich mal dazu, mir das neue Machwerk der Inside-Macher anzuschauen. Inside hat sich trotz aller Kritik, wie Kenner wohl bereits wissen, einen festen Platz im Reigen des modernen französischen Terror/Horror-Kinos gesichert. Und für seine Zeit (immerhin liegt die Veröffentlichung von Inside nun immerhin schon annähernd fünf Jahre zurück) war dieser wirklich als Monstrum zu bezeichnen - da wurden Grenzen und Tabus gebrochen, in dem eine Wahnsinnige einer Unschuldigen ihr noch ungeborenes Kind wegnehmen wollte. Auf bestialische Weise, versteht sich. Ein guter Schnittbericht zu dem Film findet sich wie immer bebildert unter http://www.schnittberichte.com.


Nun wollte sich das Regisseur-Duo wohl mal an etwas neuem versuchen... so scheint es zumindest bei der Sichtung von Livid. Der hat nämlich mit dem eingangs erwähnten Terrorfilm oder allgemein mit der Terror-Welle aus Frankreich (allen voran natürlich der erschütternd-geniale Film Martyrs, oder der Vorreiter High Tension von Alexandre Aja) nicht sehr viel bis gar nichts gemein. Livid ist Poesie. Livid ist märchenhaft. Aber nichts desto trotz ist Livid böse. Bevor ich jedoch näher auf den Film eingehe, hier erst einmal ein paar Fakten zur BD. Als Sprachen gibts die Auswahl zwischen deutsch und dem französischen OT, inkl. deutschen UT, natürlich liegt das Bild in guter HD Abtastung vor. Die Veröffentlichung für Deutschland ist, man mag es angesichts einiger vorhandener Splatter-Szenen kaum glauben, uncut und - was noch verwunderlicher ist - FSK 16. Trotzdem wird das Medium auf Grund einiger beigefügter FSK18-Trailer mal wieder als nicht jugendfreier Film angepriesen. Ich frage mich, ob diese, ich nenne sie mal 'Mogelpackungen' wirklich den Verkauf nennenswert ankurbeln. Ich persönlich würde mir auch Filme mit einer Freigabe ab 12 zulegen, solange sie Atmosphäre besitzen (bestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Moon!). Zudem scheint bei der Programmierung der BD was schief gelaufen zu sein, so startet der Film direkt nach dem man die Disk eingelegt hat. Es gibt also kein Topmenü. Das kann man dann erst während des Films aktivieren. Aber irgendwie ist das auch vollkommen irrelevant, da die vorhandenen Trailer, die es als einzige Extras gibt, sowieso kein Mensch braucht. Auf den Covern pranken dann auch gleich noch so reißerische Ausschnitte aus verschiedenen Kritiken wie "Das neue Schock-Manifest aus Frankreich!" (aus dem Virus), dem ich nur teilweise zustimmen kann, denn wirklich viele Schock-Momente gibt es hier nicht. Total von der Rolle ist aber das Zitat von dreadcentral.com: "Originell, atmosphärisch und reichlich Gore!". Mal ganz ehrlich, der erste Fakt trifft ja gerade noch zu und Atmosphäre ist auf jeden Fall sehr gut eingebracht in dem Film, aber Gore? Es gibt KEINE EINZIGE Gore-Szene in diesem Film! Da lobe ich mir doch den Kommentar der Cinema, der da schlicht lautet: "Ein Horrormärchen der besonderen Art". Das kann man so stehen lassen. Wobei ich mit der Cinema-Kritik (ausnahmsweise) auch noch weiter einhergehe und sage, dass mich bei so einem Film mal wirklich ein gutes Making-Of oder ein Audiokommentar als Extra gefreut hätte, da vorallem das Ende des Films den Betrachter relativ ratlos zurücklässt und somit der fantasievollen Interpretation keine Grenzen gesetzt sind.

Kommen wir aber zu dem eigentlichen Kern dieser BD - nämlich dem Film an sich. Livid hat, wie schon erwähnt, sowohl von der Geschichte als auch seiner Machart her, nicht das geringste mit dem zu tun, was man von den beiden Herren Bustillo und Maury bisher gewohnt war/ist. Es geht um eine junge Frau namens Lucy, die ihren ersten Arbeitstag als häusliche Krankenpflegerin durchlebt. Die Tour mit ihrer Praxisanleiterin führt sie auch in die ablegende Villa der alten Madame Jessel. Madame Jessel liegt schon seit Jahren in einem tiefen Koma und wird beamtet, Dank ihres Vermögens "geniesst" sie jedoch das Privileg nicht in ein Heim verfrachtet zu werden. Zudem scheint es auch keinerlei Angehörigen zu geben, seit ihre Tochter in Kindestagen gestorben ist. So erzählt es Lucy jedenfalls ihre Anleiterin. Dieses erzählt ihr weiterhin aber auch von einem Schatz, der irgendwo in der Villa versteckt sein soll. Nach diesem ersten Arbeitstag trifft sich Lucy mit zwei Freunden in einem Pub. Sie erzählt die Geschichte der Alten und erwähnt dabei auch das Gerücht um den angeblich versteckten Schatz, was ihre Freunde (sie mit eingeschlossen) dazu veranlasst, in der nächsten Nacht in die Villa einzubrechen und sich auf die Suche nach dem verborgenen Vermögen zu machen. Doch was sie letztendlich in den Gemäuern finden, ist alles andere als Gold, Juwelen oder Diamanten...

Fazit:
Ich möchte nicht zuviel vorwegnehmen, weshalb ich meine Inhaltsangabe auch nicht weiter ausführen werde. Nur so viel: die drei erwartet ein wirklich düsterer, teils beängstigender Ort (wer hätte das gedacht!?). Die Story gibt an und für sich natürlich nicht sehr viel her (vorallem wenn ich mir die Arbeit im Zuge der Krankenpflegetätigkeiten anschaue, schließlich bin ich ebenfalls in dem Bereich tätig, kann ich teils nur den Kopf schütteln - alles andere als realistisch! Sehr nett empfinde ich allerdings die, wenn auch nur beiläufige und eher unterschwellige Kritik am bürokratischen Gesundheitswesen), was aber nicht wirklich stört, denn die Bilder des Films sind gewaltig und poetisch in Szene gesetzt. Ein erfreulich old-schooliger Film, der es auch vermag, das Feeling der alten europäischen Horrormärchen, die zumeist in den 80ern (ich denke da vorwiegend an die britischen und italienischen Produktionen) entstanden, ins Moderne zu transportieren. Eine wirklich schön-schaurige Gruselmär, die auch eher für einen geselligen Filmeabend geeignet ist und niemandem wirklich weh tun wird. Trotz der FSK-Freigabe ab 16 hat der Film noch einiges an Splatter zu bieten, so wird einem Mädchen blutig die Kehle zerbissen, oder ein Kopf mit einem Hammer und ähnlichem Gerät bearbeitet. Es werden Bäuche aufgeschlitzt, Augen zugetackert und einem Monster wird der Unterkiefer abgerissen. Wo wir wieder bei dem Thema "reichlich Gore" wären... die letzte Szene könnte man zwar auch als Gore bezeichnen, aber fällt doch eher in den Splatter-Bereich - da merkt man halt doch, dass der Film eine eher niedrige Freigabe hat. Aber es kommt hier ja nicht hauptsächlich auf die blutigen Effekte, sondern viel mehr auf die Atmosphäre an - und die kann was.

8.0 / 10 Punkte

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