Mittwoch, 23. Mai 2012

Review: Karg - Scherben (CD, Self Mutilation Services/Razed Soul)

Vergangenes Jahr erschien dieses Mini-Album (EP) als CD von dem Ein-Mann-Projekt Karg aus Österreich. Nach nun mehr den beiden vollständigen Alben "Von den Winden der Sehnsucht" Teil 1 und 2, einer Split mit der deutschen Band Andrarakh und einer weiteren Vinyl-EP (auf die ich in einem späteren Review auch noch zu sprechen kommen werde) liegt hier dieses vier Lieder umfassende Werk vor. Vier Lieder mit einer Spielzeit von insgesamt etwa 32 Minuten! Man bewegt sich also wieder und wie gewohnt im Bereich der Überlängen, wobei der kürzeste Song gute 6 Minuten und der längste etwa 10 1/2 Minuten geht.


Die CD beginnt dann auch gleich mit dem Titellied "Scherben". Eingeleitet durch einen markerschütternden Schrei folgt ein sehr melancholisches Stück Post Black Metal, wie man es von der Band gewohnt ist und dass in etwa vergleichbar mit neueren Sachen von Deathgate Arkanum ist. Meiner Meinung nach eines der besten Stücke, die das Projekt bisher heraufbeschworen hat. Das Keyboard erinnert auch vereinzelt an "Filosofem" von Burzum. "Welkend" folgt, und wird von gleich zwei Samples eingeleitet. Irgendwie scheint es der gleichnamige Film über die Band "The Doors" V. Wahntraum wirklich angetan zu haben, so tummelten sich ja schon Ausschnitte aus eben diesem ja bereits auf dem "Von den Winden der Sehnsucht #2" Album. ...ich hoffe, du gehst lächelnd von uns, wie ein Kind, in den kühlen Rest eines Traumes... das ist wohlfürwahr grandiose Poesie und passt in dem Kontext zum Lied an sich und dem eigenen Text wunderbar. Bei der Keyboard-Melodie im letzten Viertel hat man sich anscheinend von den Norwegern Dimmu Borgir inspirieren lassen, klingt es doch etwas nach dem Outro aus "Det Nye Riket" vom 'For All Tid'-Album, wenn auch leicht abgewandelt. Aber das ist ja nun wirklich mal keine Schande - da gibt es ja auch noch dutzend andere, die sich von dieser, zugegebener Maßen, genialen Melodiefolge beeinflussen ließen (man höre sich das Keyboard in Balnasar's "Gedankenhass" mal an - klingt vertraut, oder?!). "Heimatlos" beginnt mit einer eher akustisch klingenden Gitarre, geht aber schnell in eine schnelle Post Black Metal Nummer über. Zwar mit knappen sechs Minuten der kürzeste Song der CD, aber nichts desto trotz sehr intensiv in seiner Spielweise. Besonders nennenswert ist hier das Gitarrensolo im letzten Viertel. Auch das Filmzitat am Ende passt wie die Faust auf's sprichwörtliche Auge. Dies stammt aus dem sehr guten Film "Ken Park", der in Deutschland u.a. im Zuge der 'KinoKontrovers'-Reihe (u.a. auch "Menschenfeind" und "Irreversibel") veröffentlicht wurde. Den letzten Song schließlich stellt "Fernweh" dar, der mit mehr als 10 Minuten Laufzeit aufwartet. Insgesamt geht es hier mit etwas mehr Ambient-Einfluss zur Sache, so erschallt im Mittelteil ein Keyboard-Solo, ist jedoch auch allgegenwärtig wahrnehmbar - stören tue ich mich daran nicht, da es dem Lied noch zusätzliche Atmosphäre verleiht und so eine noch traurigere Stimmung erzeugt wird.

Fazit:
Eine mehr als solide MCD einer der meiner Meinung nach aktuell hörenswertesten österreichischen Black Metal Bands - vorallem auch deshalb, weil der Stil von Karg wirkliches Interesse zu wecken weiss und Atmosphäre und Stimmung zu erzeugen versteht. Von mir gibt's eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für all jene, die sich mit Black Metal jenseits der puritistischen Grenzen der Marke Deathgate Arkanum, Andrarakh, Fäulnis oder meinetwegen auch Todesstoß anfreunden können.

9.0 / 10 Punkte

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