Donnerstag, 5. Januar 2012

Review: Obskene Sonare - Der letzte weiße Hirsch (CD, Talheim Records)

Tja, das neue Jahr wird ausgerechnet von einer Band aus Österreich eingeleitet. Kein gutes Omen, bedenkt man, dass aus unserem Nachbarland selten brauchbares Material in Sachen Black Metal kommt. Obskene Sonare bildeten da in meinen Augen schon immer eine löbliche Ausnahme. Nun folgt nach gerade einmal einer Demo, einem Mini-Album und einer Single das erste und zeitgleich leider auch letzte Album.






Eines gleich einmal vorweg: musikalisch gibt es von meiner Seite rein gar nichts zu meckern. Die Musik hat zwar nicht direkt etwas mit Black Metal zu tun, sondern scheint auch von Werken alter Bethlehem beeinflusst zu sein. Der Überbegriff Dark Metal passt hier eigentlich ganz gut. Aber dazu dann gleich auch später. Erst einmal von Anfang an:
Als ich die CD erhalten hatte, hatte ich leider nicht ausgiebig Zeit, mich mit diesem Werk auseinander zu setzen. So warf ich dann auch nur schon einmal Blicke ins Beiheft. Nach den geschriebenen Worten, wollte ich mir dann doch mal sehr gern die Musik auch anhören, und so habe ich dann Tage damit zugebracht, dieses Album in jeder freien Minute zu hören. Inzwischen gefällt es mir sogar sehr gut. Trotzdem kann ich einiges, was der Herr Akanoth so von sich gibt, so nicht stehen lassen. Sich von der Szene loszusagen, da sie ja nur noch aus Großmäulern besteht, scheint ja sowieso momentan ziemlich Trend, aber auch mal losgelöst davon: seine geschriebenen Worte klingen zwar vernünftig, durchdacht und ehrlich... aber nachvollziehen kann ich sie teils nicht wirklich. 1. jeder, der auch nur etwas von Black Metal versteht, weiß dass die Österreicher Szene bis auf wenige Ausnahmen nichts wert ist, 2. wer es nötig hat, Absurd zu covern, der muss sich nicht um den Umkreis wundern und 3. scheint ihm selbst nicht (mehr) sehr viel am Black Metal gelegen zu sein, wenn er sich komplett von der Musik zurückzieht - wegen ein paar Spinnern, die man ja immer und überall findet. Vielleicht interpretiere ich seine Worte ja auch einfach nur falsch (wenn dem so ist, lasse ich mich gerne eines besseren belehren). Black Metal ist für mich zwar einerseits auch Musik, der man natürlich entsagen kann, aber in erster Linie bedeutet Black Metal für mich eine gewisse Lebenseinstellung, die man nicht einfach ablegen kann.
Soviel also nur zu dem Geschriebenen. Kommen wir also einmal auf das Hauptthema, die Musik zu sprechen: die kann sich wirklich hören lassen. Wie beschrieben, ertönt hier eine schwer zu beschreibende Musik, vorallem deshalb, weil sie auch schwer zu vergleichen ist. Der Vergleich zu alten Bethlehem ist zwar nicht ganz abwegig, passt allerdings doch nicht so wirklich. Es ist halt doch noch Black Metal, und der hat seine Wurzeln tief im Untergrund. Das Intro "Als der Anblick des Mondes meine Erinnerungen weckte" hält schon eine Überraschung bereit. Beginnend mit ein paar Zupfern an der akkustischen Gitarre, erklingt ein schon fast träumerisch-harmonisches Ambient-Stück, gefolgt von einer Soundcollage, die aus musikalischen Bruchstücken der vergangenen Werke besteht. Und so erschließt sich einem letztlich auch der Titel. "Der Verzicht auf das diesseitige Leben ist hart. Aber der Verlust des Paradieses ist noch härter." Dieser zentrale Satz der islamistischen Glaubenslehre (wird auch gerne von Christen verwendet), leitet das Lied "Befragung im Grab" ein, dessen Text im direkten Kontext zu dieser Aussage steht. "Der beste Arzt" ist musikalisch gesehen wohl der beste Verweis auf das alte Schaffen von Bethlehem, mal abgesehen von den Black Metal-Parts. Welcher Arzt der beste ist, dürfte wohl jedem hier klar sein. "Scenocide" stellt eine Abrechnung mit der bereits schon einmal weiter oben erwähnten Personengruppe dar. "Duhom i telom" wird durch ein Filmsample eingeleitet. Mir fällt zwar der Film nicht ein, weiß aber definitiv, dass ich es kenne. Der Song stellt für mich einen der Höhepunkte des Album dar. "Deszendenz" erinnert an die älteren Sachen von Fäulnis, eben so krank. "Wie ein erloschener Stern..." ist der Black Metal-Szene an sich gewidmet und in diesem Fall stehen die Lyrics und der Titel wohl für sich. Der Song ist jedenfalls genial. Das erinnert mich auch ein wenig an Nargaroth. Ähnlich ist das auch beim letzten titelgebenden Stück, welches zwar auch wieder durch Samples aus einem (oder mehreren Filmen) unterlegt ist, allerdings komme ich auch hier wieder nicht auf den Namen eben diesen. Aber kennen tue ich es auf jeden Fall. Verdammtes Gedächtnis... interessanter Weise endet das Album mit den gleichen Klängen wie es begonnen hat. Der Kreis schließt sich also, und die Erinnerungen kehren stetig wieder und bleiben bestehen.

Fazit:
Insgesamt betrachtet ist das neue Werk "Der letzte weiße Hirsch" des Ein-Mann-Projektes Obskene Sonare ein überraschend opulentes Machwerk geworden. Jedenfalls eins der authentischsten persönlichen Alben, die ich in letzter Zeit gehört habe. Achja, und noch eine Sache zu dem Vergleich zu Nargaroth - in meinen Augen wirkt dieses Album mit seinen Aussagen x-mal authentischer, da sich Obskene Sonare als Projekt inzwischen aufgelöst hat... denkt man da an ähnliche Aussagen seitens Nargaroth, und bedenkt, dass der Mann unter gleichem Bandnamen immer noch (zum größten Teil) die gleiche Musik macht, wirkt dies geradezu lachhaft und als nicht konsequent genug.

9.0 / 10 Punkte

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