Sonntag, 29. Januar 2012

Review: Deathgate Arkanum - Seelen (LP, Amor Fati/Non Shall Defy)

Das neue Album des Dortmunder Kultes Deathgate Arkanum ist da! Ursprünglich gedacht als Veröffentlichung unter dem Titel "Das weiße Rauschen" folgt das neue Mammut-Werk "Seelen" konsequent dem Pfad, den man bereits mit "Stillhallen" eingeschlagen hatte. Doch zugleich kann man auch von einer Hommage und einem Tribut an vergangene Zeiten sprechen. Vor allem zu dem ersten Album "Totenwerke" werden hier gewisse Parallelen gezogen, welche den Stil dieser Ein-Mann-Band schon damals einzigartig machten.



Die LP enthält lediglich vier Lieder. Mit einer Gesamtlänge von noch nicht einmal 30 Minuten weiß ich auch nicht, ob man "Seelen" unbedingt als Voll-Album bezeichnen sollte, es ist viel mehr ein konzeptionelles Mini-Album, welches in vier Teile gesplittet ist, und zwar in Tremor I-IV. Die Texte liegen mir leider nicht vor, aber die Aufmachung und die Atmosphären der Liedbeiträge sprechen schon eine deutliche Sprache. Der Begriff "Tremor" stammt bekanntlich aus der Medizin, und beschreibt, um es einfach auszudrücken, ein unwillkürliches Zittern, welches man also nicht bewusst kontrollieren kann. Nun, dieses Zittern kann man beim hören deutlich vernehmen. Vertonte Angstzustände. Kakophonierte Auswüchse eines kranken Geistes. Kälte und Leere, Enge und Beklemmung sind die Gefühle und Umschreibungen, die einen bei dieser Platte unweigerlich und unwillkürlich überfallen. "Tremor I" verheißt schon nichts Gutes, eingeleitet von Störgeräuschen und Samples, die direkt aus der Irrenanstalt stammen könnten, zudem ein Filmzitat (Alles um mich herum beginnt nun zu verschwimmen. Die Dunkelheit bildet einen beschützenden Kreis um mich), baut sich durch die minimalistische instrumentale Untermalung nach und nach eine beängstigende Atmosphäre auf, die dann ihren Gipfel in dem nach und nach einsetzendem Post Black Metal Stück findet, dessen Stil sich schon sehr an dem Erstling "Totenwerke" orientiert. Als letztes erklingen wieder Störgeräusche, die langsam im Nichts verschwinden. "Tremor II" führt konsequent weiter, was Akt 1 begonnen hat. Der Black Metal setzt hier daher sofort ein. Was folgt ist ein für Deathgate Arkanum typischer postmoderner Black Metal Song, wie er auch auf der "Stillhallen" enthalten sein konnte. Unterlegt mit einigen Ambient-Elementen und zur Mitte hin dann in ein eher nihilistisch-klassisches Werk übergleitend, bis der minimalistische Black Metal wieder einsetzt, und Angst und Verstörung beim Zuhörer hinterlässt. "Tremor III" wird von einem düsteren Akustikteil eingeleitet, danach setzen verzerrte Gitarren ein, um sich wiederum mit einer Akustikgitarren abzuwechseln - hier finden auch geschickt platzierte Streicher-Samples ihren Einsatz, was ich durchaus gutheiße! Schließlich erklingt wieder postapokalyptischer Black Metal mit Ambient-Untermalung... der jedoch urplötzlich unterbrochen wird, und Platz macht für ein unheimliches Zwischenspiel, welches direkt aus einem Horrorfilm stammen könnte... bis langsam wieder verzerrte Gitarren einsetzen, der Gesang und ein für Deathgate Arkanum Verhältnisse schnelles Schlagzeug... es kommt einem vor, als wenn dieser kurze Übergang rückwärts abgespielt werden würde. Anschließend folgt eine Passage, die direkt von der "Totenwerke" stammen könnte, und auch nahezu abrupt abgebrochen wird. Sehr beeindruckend! "Tremor IV" schließlich stellt den Abschluss des Werkes dar. Nachdem der Song als schnelle Black Metal-Nummer beginnt, folgt etwa nach einer Minute der Übergang in einen düsteren Ambient, mit Streichern und sonstigen Samples. Anschließend wird der schnelle Black Metal-Stil fortgesetzt, allerdings nun unterlegt mit den Samples sowie diversen elektronischen Spielereien, und letztendlich endet alles wieder in einem düsteren Ambient-Stück, welches dann noch zusätzlich mit fast nicht zu vernehmenden Schreien und Klagelauten unterlegt wurde. Ende.

Fazit:
Wahnsinn... was für ein Werk! Mit "Seelen" hat der Protagonist S. ein Album erschaffen, welches einen auch lange nach dem Hören beschäftigen wird. Ich habe es mir vor dieser Besprechung schon etliche Male angehört, und werde es wohl auch noch etliche Male an- und durchhören. Ein grandioses Machwerk, ein nihilistisch vertontes Gemälde, voll abstoßender Schönheit. Limitiert ist die Platte auf 500 Exemplare im Clear-Vinyl. Interessanter Weise sind die Titel im Klappcover rückwärts verlaufend, ich kann also auch nicht mit Sicherheit sagen, ob "Tremor I" wirklich Akt 1 oder in Wirklichkeit "Tremor IV" ist.

10 / 10 Punkte

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