Mittwoch, 18. Januar 2012

Review: Alcest - Les Voyages de L'Âme (LP, Prophecy Productions)

Nach der Veröffentlichung der Vorab-Single Autre Temps, die einer Auflage von gerade einmal 500 Stück als einseitig bespielte 7er EP erschien, war eigentlich klar, dass ein neues Album bald folgen würde, und das dieses nicht so klingen würde, wie das letzte Werk, sondern sich eher an dem Stil des ersten Albums orientieren würde.







So erschien "Les Voyages de L'Âme" ("Die Reisen des Geistes/der Seele", wenn man so will) nun auch endlich in diesem Monat. Seit Monaten schon vorbestellt. Mit großen Erwartungen. Denn das erste, sowie auch das zweite Album sind, wenn auch eigentlich total unterschiedlich, beides grandiose Werke, die nicht viel Platz für negative Kritik aufkommen ließen. Nun, was soll ich sagen... meine Erwartungen wurden enttäuscht. Nicht bitter enttäuscht zwar, aber dennoch reicht es aus, um Alcest doch einmal mit anderen Augen zu betrachten. Das erste Lied "Autre Temps" ("Andere Zeiten"), übrigens erwähnte Vorab-Single, kann noch durchaus überzeugen. Der Stil orientiert sich wie schon erwähnt an dem 70er Rock des Debüt-Albums. Dazu wurde sogar ein sehr atmosphärisches Video gedreht, was sich ein jeder Interessierte auf youtube anschauen kann. Grandios und künsterlich wertvoll. "Là Oû Naissant les Couleurs Nouvelles" beginnt unscheinbar, steigert sich aber zu einem durchdringenden Werk mit Black Metal-Anleihen, was dann auch Parallelen zum Album-Vorgänger zeigt. Was nach diesem Lied folgt ist allerdings weniger erfreulich. Zwar ist die Musik weit entfernt davon, "schlecht" zu sein, und auf jeden Fall stärker als das Gedudel auf dem Old Silver Key Album. Aber. Sie ist eigentlich schon zu perfekt. Zu vollkommen. Zu klar, um wirklich noch emotional zu sein. Dieses Gefühl, das ich bei den Vorgängern hatte, will sich bei mir einfach nicht einstellen. Der Funken, den ich beim Hören der ersten beiden Alben spürte, will hier einfach nicht überspringen. So plätschern die restlichen Songs eigentlich nur noch dahin. Einzig "Faiseurs des Mondes" ("(Die) Schöpfer der Welten") überzeugt mich noch wirklich, da er dank seiner Black Metal-lastigen Note sehr emotional und kalt wirkt. Und da ist es wieder, dieses schwere, drückende Gefühl einer tiefen inneren Sehnsucht, nach etwas, das kein Geist begreifen kann.

Fazit:
Neben den drei wirklich überragenden Songs, gibt es auf diesem Album noch fünf weitere gute Lieder. Das Problem an denen ist nur, dass dieser Funke der vergangenen Werke Alcest's nicht mehr überspringen will. Meine Flamme konnte das jüngste Album der Band jedenfalls nicht mehr richtig entfachen. Vielleicht waren meine Erwartungen aber auch nur einfach zu groß, nachdem man schon zwei sehr beeindruckende Werke vorlegte... aber man muss schon fair bleiben, denn grundsätzlich ist die Musik wirklich alles andere als schlecht. Veröffentlicht wurde das Album als Vinyl-Edition in verschiedenen Farben (jeweils limitiert auf 500 Stück). Ich persönlich bin mit meiner weißen Vinyl sehr zufrieden (enthält zudem noch ein Poster).

7.0 / 10 Punkte

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