Montag, 20. Juni 2011

Review: Black Death (Einzel-DVD, Sony Pictures, Uncut)

Schon vor einiger Zeit ertauscht, aber erst gestern angeschaut habe ich mir diesen Film mit dem wohlklingenden Titel "Black Death" (für alle, die des Englischen nicht mächtig sind: "Schwarzer Tod"). Richtig getippt - es geht hier um einen Film um eben jenen Schwarzen Tod, oder wie es vielleicht allgemein eher bekannt ist, um die Pest!








Wir schreiben das Jahr 1348, also tiefstes Mittelalter und dabei die Hochsaison der schwarzen Pest., irgendwo in Europa. Alles beginnt in einem Kloster, in dem der junge, nicht ganz so fromme, Novize Osmund lebt. Warum nicht so fromm? Ganz einfach... Osmund liebt eine Frau (ohne natürlich das Wissen seiner Brüder und Oberhäupter). Osmund sitzt momentan in seiner "Zelle" in Quarantäne, denn die Pest geht auch im Kloster um. Osmund hält dies jedoch nicht wie so viele andere für eine Strafe Gottes, und so wendet er sich an eben diesen, um ein Zeichen zu empfangen, was er angesichts seiner Situation und der Umstände (sein Weib ist indes auf seinen Wunsch abgehauen, um sich mit ihm irgendwo später wieder zu treffen) tun soll.
Der Zufall will es, dass just in diesem Moment der Ritter Ulric (ein Sean 'nennt mich Boromir' Bean in Bestform), der im Dienste des Erzbischofs unterwegs ist, in dem Kloster auftaucht. Er ist auf der Suche nach einem geeigneten Führer, der ihn durch ein Moorgebiet zu einem abgelegenen Dorf führt. Osmund sieht dies als das erwartete Zeichen, meldet sich freiwillig und schon sind sie - er, Ulric und seine Mannen - auf der Reise. Er nach und nach erschließt sich Osmund der wahre Auftrag der Männer: jenes Dorf, zu dem sie unterwegs sind, scheint von der Pest verschont zu bleiben auf mysteriöse Weise. Der Erzbischof wittert Teufelswerk, zudem gehen Gerüchte um, dass in diesem Dorf Menschenfresser und Untote umgehen sollen. Ulric hat den Auftrag, den Totenbeschwörer und Hexenmeister des Dorfes ausfindig zu machen und ihn seinem gerechten Prozeß zuzuführen.

Mehr verrate ich an dieser Stelle mal nicht, da alles andere wohl schon zuviel wäre. Nur so viel: bei diesem Film ist nicht nur einmal alles anderes als es zu sein scheint. Die Grausamkeit des Schwarzen Todes in all seinen morbiden Fascetten wird gut zum tragen gebracht und intensiv dargestellt. Sogar an die Pestmasken hat man gedacht. Aber nicht nur die Pest wird hier erwähnt - da die Geschichte im Mittelalter angesiedelt ist, erfährt man natürlich auch sehr viel um den teils sehr verkorksten und verkommenen Aberglauben der normalen Leute (Hexenverbrennungen inkl.), und auch über die Methoden der selbsternannten Christen, deren Verhalten so gar nicht christlich anmutet. Die reichhaltigen und scheinbar der Fantasie keine Grenzen setzenden Foltermethoden der Inquisition kommen natürlich auch noch zum tragen. Auch die Kills in dem Film sind sehr reichhaltig und abwechlungsreich, aber schließlich darf man das bei dem Namen Christopher Smith (Severance) auch erwarten, und für eine FSK 16-Freigabe sind diese passagenweise recht heftig ausgefallen. Kostprobe gefällig? Es werden Köpfe mit Morgensternen eingeschlagen, Gliedmaßen abgetrennt, Zehen mit einer Zange gebrochen und Nägel gezogen. Am beeindruckensten fand ich aber die Tötungsszene mit den Pferden (die sogenannte Vierteilung) ;)

Fazit:
Ein sehr ruhig, aber (vielleicht auch gerade deshalb) sehr drastisch und intensiv erzählter Mittelalter-Streifen. Stellenweise hatte ich schon das Gefühl, dass der Film jetzt in einen christlichen Propagandafilm der katholischen Kirche abdriftet, doch dem ist glücklicherweise gar nicht so. Eigentlich genau im Gegenteil. Der Film hat eigentlich eine solch antikirchliche Aussage, dass es eine Freude ist. Keiner dieser selbsternannten Gottesmänner kommt gut (oder lebend) davon, und Osmund, in den man eigentlich alle Hoffnungen auf ein Fünkchen Menschlichkeit gelegt hat, nimmt am Ende die wohl tragischste Rolle des ganzen Films ein. Damit wäre auch das Thema Rache in diesem Film kurz angeschnitten worden. Für alle, die sich für Filme mit etwas geschichtlichem Hintergrund und mit einer Prise Splatter und Gore begeistern können, sollten mal ein oder zwei Augen riskieren. Ich persönlich ging mit keinen Erwartungen an den Film und muss sagen, dass er mich sehr positiv überrascht hat. Darüber hinaus halte ich ihn für einen der derzeit besten Vertreter des Genres!

8.5 / 10 Punkte

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