Montag, 23. Mai 2011

Review: Suicide Reflections (6-Wege-Split) (CD, Self Mutilation Services - 2009)

Das Label S.M.S. (was für ne saublöde Abkürzung) scheint ja momentan schwer angesagt zu sein - obwohl mich persönlich gerade einmal eine handvoll ihrer Bands ansprechen. Aber Depression liegt halt im Trend. Nichs desto trotz hat das Label es mit diesem Split-Release geschafft, ein halbes Dutzend mehr oder weniger bekannter guter Bands um sich zu scharren. Meine Eindrücke nun im folgenden...







Beginnen wir am Anfang, und am Anfang war Leichenstätte... mit ihrem Titel "Schmerz" servieren uns die Jungs um Sänger Krankheit einen knapp 18-minütigen Suizid Black Metal Song(übrigens der längste Beitrag dieses Tonträgers), der es in sich hat. Im Aufbau ähnelt er ein wenig an ihren damaligen Beitrag auf "Chöre des Niederganges", doch insgesamt betrachtet, eröffnen sich dem Hörer hier mehr Details und auch vom musikalischen her hat sich die Band wirklich gesteigert. Nach einer kurzen Einleitung mit Gewitter-Effekten, wandelt sich das ganze in einen sehr langsamen und schleppen Black Metal-Song mit gutem Doom-Einschlag. Hervorstechend hierbei ist wie auch schon bei "Frostnacht" der absolut kranke Gesang, der die depressive und lebensverachtende Lyrik wirklich auch spürbar macht. Besonders gelungen finde ich auch dieses mal die Übergänge, bzw. wahrlichen Emotionsausbrüche in Form der fast schon rasenden Passagen - bis das ganze in einem fast schon versöhnenden Akustik-Part sein Ende findet.
Leichenstätte: 8.5 / 10 Punkte

Nostalgia hatte ich wohl anfangs verwechselt, als ich den Namen auf der Setliste sah... nein, es handelt sich hier wirklich nicht um das Nocturnal Depression-Projekt Nostalgie oder das norwegische Ambient-Projekt Nostalgya, sondern um eine Band aus Peru. Wer jetzt denkt, dass aus diesen Gefilden der Erde bestenfalls Satanischer Hochgeschwindigkeits-Black Metal kommt, der wird hier eines besseren belehrt. Nostalgia nämlich liefern in ca. 12 Minuten ein schnörkelloses nihilistisches Klangkunstwerk, dass zwar durch und durch monoton und langatmig ist - doch irgendwie fasziniert es mich auch - und dabei könnte ich gar nicht einmal bestimmen woran das genau liegt.
Nostalgia: 7.0 / 10 Punkte

Als nächstes erschallen mir Grimlair aus den Boxen. Im gewohnt guten Grimlair-Gewand, ich glaube viel mehr Worte muss ich über dieses Ein-Mann-Kommando aus Frankreich nicht mehr verlieren - wer es bis heute nicht kennt und es erlebt hat, ist einfach selber schuld. Bekannt sind Grimlair aber u.a. auch von der "Deep in the Spirit of Underground" Split, und diversen Tribut-Alben (u.a. Burzum und Sarmak).
Grimlair: 9.5 / 10 Punkte

Todessucht, endlich mal wieder eine Deutsche Band, folgen nun mit ihrem etwa 10 Minuten langen Stück "Einsam & Verlassen", welches mich an alte Sachen von Burzum denken lässt. Warum? Ist es die aufgebaute Atmosphäre? Die Musik? Die Stimme? Genau vermag ich es nicht zu sagen - aber wahrscheinlich trifft etwas von allem zu. Richtig rein schwarze Black Metal Atmosphäre - so muss das und nicht anders - in meinen Augen neben Grimlair bisher das beste Stück der Split!
Todessucht: 8.0 / 10 Punkte

Aufgemerkt! Von wem könnte folgender Titel stammen: "Meine heidnisch-spirituelle Reise durch die Wälder der Gefallenen" (kleiner Tipp: es ist weder Varg Vikernes noch die Schweizer Garde Eisenwinter, hehe)? Da bleibt ja logischerweise nicht mehr viel Auswahl... und am naheliegendsten ist da natürlich richtiger Weise das Ein-Mann-Projekt Moloch aus der Ukraine. Zu dieser Musik muss ich wohl auch nicht mehr sehr viel sagen - absolut pyschisch-kranker Scheiß, den man entweder liebt oder hasst wie ein eitriges Geschwürr in der Magengegend. Wie immer sehr geil vorgetragen, vorallem das akustische Intro als Übergang zum kranken Black Metal und schließlich wieder der Übergang von eben jenem hin zum akustischen Outro ist schlicht genial und atmosphärisch auf jeden Fall wirkungsvoll.
Moloch: 9.0 / 10 Punkte

Die beiden letzten Titel stammen aus der Feder der Band Hörgr, zu denen irgendwie nicht wirklich viele Informationen zu finden sind. Musikalisch bewegt sich das ganze jedenfalls eher in Richtung instrumentalen Black Metals mit ordentlichem Doom-Einfluss und Ambient, der zweite Song bietet sogar Gesang - in den Black Metal Passagen hört sich das in etwa so an wie Nargaroth bei "Into the Void", zwar gut aber doch insgesamt etwas zu unspektakulär, trotzdem holen die leichten Ambient-Einschläge da noch einiges raus und bringen etwas Abwechslung ins Geschehen.
Hörgr: 6.0 / 10 Punkte

Fazit:
Alles in allem eine wirklich gute Split-Veröffentlichung mit guten langen Beiträgen verschiedener Bands, es überrascht etwas, dass auch bekanntere Untergrund-Größen neben unbekannten Bands spielen, was ja leider wirklich selten geworden ist. Insgesamt vergebe ich...

8.0 / 10 Punkte


Darbietungen:
Leichenstätte
01. Schmerz
Nostalgia
02. Tiempo Cero
Grimlair
03. Illusions
Todessucht
04. Einsam und Verlassen
Moloch
05. Meine heidnisch-spirituelle Reise durch die Wälder der Gefallenen
Hörgr
06. Dido's Lament
07. Tempus Fugit

Laufzeit: ca. 74 Minuten

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