Dienstag, 24. Mai 2011

Review: I Saw The Devil (Einzel-DVD, Splendid Black Edition, Uncut)

Wäre es ein Film aus Amiland... er würde unter Garantie der Saw-Reihe angehören... doch halt! Mit "I saw the devil" liefert der süd-koreanische Regisseur Kim Jee-woon (der auch für den genialen "Bittersweet Life" verantwortlich zeichnet) eine bedrückende, in düsteren und langsamen, intensiven Bildern erzählte Schauermär ab. Fernab des westlichen Mainstream-Einheitsbrei.





Im Grunde genommen also eigentlich gar nicht mit Saw vergleichbar, auch wenn die Thematik eine ähnliche ist, zumal "I saw the devil", wie irgendwie jeder koreanische Film eher einem Arthaus Film anmutet - trotz seiner brachialen Gewaltdarstellung und der menschlichen Abgründe, die hier schonungslos offen gelegt werden.

Worum geht es also? Der Psychopath Kyung-chul (gespielt von einem fabelhaften Choi Min-sik - bekannt aus "Oldboy" von Park Chan-wook) verbringt seine nächtliche Freizeit als Serienkiller und hat seinen Spaß daran, in seinem Schulbus jungen Frauen aufzulauern und sie hinterher zu verschleppen und anschließend zu töten. Zumindest wünschen sich die Damen freiwillig den Tod, nachdem er mit ihnen fertig ist, denn Kyung-chul ist ein besessener, pervers-sadistischer Triebtäter, der Laune an grausam-langsamen Tötungsarten hat, die er auch bis zuletzt auslotet. Bis er eines Nachts auf einer schneebedeckten Straße auf die mit dem Auto liegen gebliebene Ju-yeon trifft. Er entführt sie auf brutale Weise, foltert sie und zerstückelt anschließend ihre Leiche... und die ihres ungeborenen Kindes. Diverse Leichenteile werden ein paar Tage später von der Polizei in einem Fluss gefunden.
Nun offenbart sich dem Zuschauer: Ju-yeon war die Tochter des inzwischen in den vorzeitigen Ruhestand getretenen Polizeipräsidenten Jang - und die Verlobte des Staatsagenten Soo-hyun, der ihr und ihrem Vater Rache an dem Mörder schwört. Durch Jang, der immer noch wichtige Kontakte hat, erhält Soo-hyun die nötigen Ausrüstungen um Kyung-chul aufzuspüren.

Und da könnte der Film eigentlich zu Ende sein, wenn... ja, wenn es sich hier nicht um einen Film aus Asien sondern aus Mainstream-Hollywood handeln würde. Denn wo andere Filme enden, fängt "I saw the devil" erst an. Denn Soo-hyun will den Psychopathen nicht einfach nur töten, nein! Er will ihn leiden lassen! Er soll für die Folterungen und für die Quälereien an all den Frauen und jungen Mädchen bezahlen! Was folgt ist eine beispiellose Kartografisierung eines ehrbaren Bürgers, der sich nach und nach in genau so ein Monster verwandelt, welches er mit Kyung-chul eigentlich töten wollte.

Mehr sei an dieser Stelle einmal nicht verraten, zudem glaube ich, dass ich ohnehin schon zuviel Spoiler in meine Bewertung gepackt habe. Es ist egal. Es ist gerade genug, um sich ein Bild von "I saw the devil" machen zu können. Den Hauch der Essenz des Films zu spüren. Kim Jee-woon hat mit dieser Geschichte ein wahres, Grauen erweckendes Meisterwerk geschaffen, das ganz im Stile anderer Rache-Thriller aus Korea steht und doch auch wieder anders ist... ich glaube am ehesten lässt sich der Film noch mit Park Chan-wook's "Sympathy for Mr. Vengeance" vergleichen, in dem das Thema Rache ebenfalls nur ein böses Erwachen für den Protagonisten hatte. Getragen wird die Erzählung von wunderschönen, nihilistischen und düster-grausamen Bildern. Nicht zuletzt lebt die Story aber auch von ihren erstklassigen Darstellern, allen voran natürlich Choi Min-sik, der hier wirklich eine Glanzleistung als kranker Psycho, der einerseits ein perverser Mädchenschänder ist, und fast gleichzeitig so sentimental, sympathisch und verletzlich wirkt, dass man fast Mitleid mit ihm haben könnte, wenn man sieht, was er hinterher alles erdulden muss. Doch man hat kein Mitleid mit ihm. Man wünscht ihm den Tod. Von ganzem Herzen.
Und so kommt die Frage auf: wann hört der Mensch eigentlich auf "Mensch" zu sein, und wann überwiegt das Tier in ihm?

Ein Film, der vielleicht nicht auf Anhieb zündet, aber der einen trotzdem schon nach dem ersten Anschauen dazu bringt, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Zwangsweise über ihn nachzudenken. Man hat tatsächlich den Eindruck, als wenn der Regisseur den Teufel gesehen habe, als er dieses Werk schuf.

In diesem Sinne... schaut euch den Film unbedingt an, wenn ihr mit asiatischem Kino etwas anzufangen wisst - es lohnt sich! Und schaut euch "I saw the devil" unbedingt in seiner ungeschnittenen Fassung an (das mit dem schönen §131 StGB Logo ;-)), denn in der geschnittenen FSK18-Fassung fehlen satte 11 Minuten des Films!

8.0 / 10 Punkte

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