Montag, 23. Mai 2011

Review: Doomed To Die (4-Wege-Split) (CD, Self Mutilation Services)

Kommt Zeit, kommen neue Releases ins Haus geflattert... in diesem Falle schaffte es u.a. auch diese aktuelle Split-CD zwischen vier eher unbekannten Suicide/Depressive Black Metal Bands aus dem Hause des unsäglichen Labels S.M.S. (hrhr... ich hasse diese Abkürzung) zu mir durchzudringen.






Die Aufmachung ist schon edel... transparente DVD-Hülle, A5-Inlay ist aus schwerem Karton-Papier und limitiert ist das ganze auch noch auf gerade mal 500 Stück. Warum diese Veröffentlichung nicht ganz so typisch S.M.S. ist lest ihr im folgenden...

Den Anfang macht die mir bis dato völlig unbekannte Band Beyond the Ninth Wave aus Kanada, die laut Biographie sogar schon seit 2003 existieren und 2005 bereits ein Album mit dem Namen "Volume 1" unter's Volk brachten. Das Duo ist mit ganzen vier Songs vertreten, mit einer Gesamtspielzeit von etwa 19 Minuten und bieten bis auf den letzten Song rein exklusives Material. Zelebriert wird hier Suizid Black Metal der üblen Sorte, Marke Demise und mit einem Touch von Burzum's erstem Album - jedoch besitzt diese Band hier doch noch einen gewissen Wiedererkennungswert. Das erste Stück "Forest of Blades" ist ein eher langsamer bis mittelschneller Song, in dem nicht viel passiert, trotzdem besitzt er eine faszinierend dichte Atmosphäre, die mich sofort gefangen nimmt. "Black Towers" ist da schon etwas böser, hat auch schon leichte Doom-Einschläge... hört sich insgesamt fast schon nach Judas Iscariot in langsameren Passagen an. Zudem bietet der Song deutlich mehr Abwechslung. Geil! Das dritte Lied "Cursed Ice" legt dann noch mal einen Gang zu und irgendwie hat das ganze Klangbild bald mehr einen eher misanthropischen Pfad eingeschlagen wie noch beim ersten Song. Der Höhepunkt des Liedes ist mit Sicherheit aber der exellente Mittelteil, wo die Musik plötzlich aussetzt, dann der Bass begleitet von einem kranken Sprech/Kreisch-Gesang und schließlich die Drums und die Gitarren wieder langsam einsätzen. Gänsehaut garantiert! Endgültig in mein Herz schließen tut sich die Band aber mit ihrem letzten Lied "Witchdemon"! Diese absolut kranke und hasserfüllte Raserei ist genau das was mein schwarzes Herz begehrt! Fuck - wo ist die dumme Fresse von nebenan, wenn man sie mal braucht?!
Beyond the Ninth Wave: 9.5 / 10 Punkte

Zweite Gruppe im Bunde sind die mittlerweile ja schon relativ bekannten Leichenstätte aus Deutschland, die hier mal wieder mit einem überlangen Lied namens "In die Dunkelheit" aufwarten. Zu meinem Erstaunen wissen auch die Jungs zu überraschen, in positiver Hinsicht. Ich mag zwar den rüden Kramm der Band, aber was man hier produktionstechnisch gezaubert hat, ist wirklich hörenswert. Wenn ich das höre, bin ich versucht, alle bisherigen Veröffentlichungen in meiner Skala ein bis zwei Punkte runterzusetzen, weil das nicht mehr vergleichbar ist. Nahezu 18 Minuten weist dieses Lied auf, und vertreten ist alles, was ein Anhänger von "DSBM" erwarten dürfte, langgezogene klagende Gesangspassagen, doomig-seichte Klangteppiche, akustische und fast schon stille Parts aber auch ebenso schnellere und sogar rasende Passagen. Einzig der Gesang schwächelt hier und da doch schonmal in meinen Augen, zumal er sich konstant in einer Tonlage zu bewegen scheint, das hat Krankheit auch schon besser hinbekommen.
Leichenstätte: 8.0 / 10 Punkte

Obehag, eine dreiköpfige Band aus Schweden, präsentiert mit dem nächsten Lied gleichzeitig auch ihr erstes Werk. "Sommar Pt. II (Vinter)" weist eine Spiellänge von etwa 16 Minuten auf, die einem (zumindest mir) aber deutlich länger vorkommen. Einfach typischer Underground Depressive/Suicide Black Metal, der zu anspruchslos und inspirationslos vorgetragen ist, wobei es hier und da doch sehr gute und ansprechbare instrumetale Passagen gibt. Aber allein der Gesang spricht mich überhaupt nicht an und gibt mir emotional überhaupt nichts. Insgesamt einfach zu austauschbar.
Obehag: 2.0 / 10 Punkte

Aufgepasst, denn es naht das letzte Stück in Form des Songs "Stacheldrahtsymphonie" des Ein-Mann-Kommandos Totgeburt aus der Schweiz. Erstmal ein Lob meinerseits für diesen Titel und die wohl augenzwinkernde textliche Gestaltung der Band-Info. Gerade ich als Pfleger hab mich köstlich amüsiert, hrhr. Jetzt zum eher unamüsanten Teil, ich muss ja auch meine Vorurteile befriedigen - denn hinter dem Projekt verbirgt sich ein Blutmond-Mitglied, und die sind bekanntlich ja nun mal so absolut nicht mein Fall. Bin ich deshalb voreingenommen? Mit Sicherheit sogar! Doch muss ich schon zugeben, dass mich dieser kranke Krach zu begeistern weiß. Ich weiß zwar nicht genau was es ist, aber irgendwas hat diese "Musik" an sich. Vielleicht sind's die, wenn auch nur teilweise, Parallelen zu Todesstoß, vielleicht auch nur diese absolut geisteskranke Atmosphäre. Keine Ahnung.
Totgeburt: 8.5 / 10 Punkte

Fazit:
Eine gute, wenn auch nicht überragende, aber dafür auf jeden Fall überraschende Split-Veröffentlichung. Überraschend in der Hinsicht, weil man mit Beyond the Ninth Wave eine Band gewählt hat, die mal so absolut nicht in dieses Klischee-DSBM-Schema passt, wie es Self Mutilation Services ja gerne aufgreift. Schon allein dieser Band-Part rechtfertigt den Kauf. Leichenstätte sind eigentlich wie immer, auch wenn sie mit der besseren Produktion etwas von ihrer Räudigkeit und Kränklichkeit einbüßen. Obehag stellt für mich eindeutig den schwächsten Beitrag der gesamten Split dar, und Totgeburt würde ich gerne mal in Albumform hören.
Resultat:

7.0 / 10 Punkte


(original geschrieben am 10. März 2010)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen