Sonntag, 22. Mai 2011

Interview mit Wolfsrune



Kraehenblut:
Beste Grüße aus dem verregneten Remscheid! Ich danke euch vorab schon einmal dafür, dass ihr mir euer Interesse bekundet habt, indem ihr euch zu einem Gespräch bereit erklärt habt. Erst einmal sei erwähnt, dass es euch frei steht, auf die Fragen so ausführlich oder nicht ausführlich zu antworten, wie es euch gefällt… es wird nichts weg gelassen, es wird nichts hinzugedichtet – und erst recht nichts zensiert…

Zunächst gewährt doch einmal einen kurzen Einblick in euer bisheriges bzw. euer aktuelles Schaffen… der Name Wolfsrune dürfte ja wohl noch nicht so vielen Leuten etwas sagen.

Wolfsrune:
Die Band wurde im Mai 2006 in der bisher vorherrschenden Konstellation gegründet. Daraufhin folgten in relativ kurzer Zeit zwei Demos („Kraft durch Blut', „Serpents of the Revelation'). Aus diesen Ursprüngen fanden auch einige Werke den Weg auf das aktuelle Album.

Kraehenblut:
Euer Name sagte mir bis zum Erscheinen des Debüt Albums auch nichts, daher war ich umso angenehmer überrascht von dem Resultat eurer Arbeit. Wirklich ein ziemlich fieses Stück Deutschen Schwarz Metalls, das ihr da geschaffen habt. Veröffentlicht wurde das Werk über das Norddeutsche Label NordSturm Productions – wie kam es zu dieser Kooperation zwischen euch? Seid ihr zufrieden mit der Arbeit des Labels?

Wolfsrune:
Als unbekannte Band für sein Erstlingswerk ein Label zu finden gestaltet sich oftmals schwierig; diese Erfahrung haben auch wir zur Genüge gemacht. Wir haben Kontakt zu vielen verschiedenen Labels gesucht, bekamen Absagen oder wurden schlichtweg ignoriert oder vertröstet. Doch entmutigen lassen haben wir uns nicht, schließlich wussten wir, dass wir Potential haben. Schließlich haben wir das Angebot eines US Labels ausgeschlagen und uns für ein deutsches Label entschieden, was die Zusammenarbeit deutlich vereinfachte. Bisher sind wir mit der Kooperation sehr zufrieden und können uns auch zukünftiges Zusammenarbeiten vorstellen.
Diese Entscheidung liegt allerdings bei NordSturm.

Kraehenblut:
Welche Art Reaktionen habt ihr bisher auf „Screams of the Forgotten' von
 Hörern und Anhängern erfahren?

Wolfsrune:
Nun ja, zuerst einmal wurden wir ziemlich 'verrissen', wie man so schön sagt. Ein Szenemagazin hat eine ziemlich lächerliche Abhandlung verfasst. Als Kritik im eigentlichen Sinne kann man diese nämlich nicht bezeichnen. Auf Newcomern herumknüppeln gestaltet sich ja ziemlich einfach wenn kein mächtiges Album oder Label dahinter steht. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir schlichtweg missverstanden wurden und unser Anliegen nicht bis zu den Herren Kritikern durchgedrungen ist. Zusammengefasst haben wir jedoch deutlich mehr positive, sowie konstruktive Kritik erhalten, die uns bestätigt, dass es weltweit viele wahre Anhänger für unsere Art der Musik gibt.

Kraehenblut:
Eine kleine Reise in die Vergangenheit:Ward ihr als Personen schon vorher in Musik-Kombos tätig? Wenn ja, wollt ihr verraten in welchen (Stilrichtung, Besetzung etc.)?

Wolfsrune:
Nein, wir hatten alle quasi unsere Defloration mit dieser Band. Wir haben alle zusammen angefangen und werden auch weiterhin nur zusammen bestehen.

Kraehenblut:
Zurück in die Gegenwart: Eurem Debüt merkt man aber auch wirklich die Hingabe und Liebe zur Musik an, bzw. dass ihr den Black Metal in euerer / durch eure Musik zu „leben' scheint – was auch immer das jetzt heißen mag. Eure Texte und generell die Musik ist durchzogen von alten Traditionen und Werten des Black Metal, angefangen bei der rauen Aggressivität bis zu den morbiden und blasphemischen Texten. Das bringt mich auch auf meine Frage: Wie sehr ist Wolfsrune, und alles, was damit zusammenhängt, ein Teil eures alltäglichen Lebens (geworden)?

Wolfsrune:
Natürlich war und ist die/unsere Musik ein Teil unserer aller Leben geworden. Das war natürlich auch schon vorher der Fall, doch ist es noch mal etwas anderes, wenn man sich entschließt, eine Band zu gründen. Sprich, zusammen zu arbeiten und viel Zeit miteinander zu verbringen. Wir vertreten die Werte die wir in den Songs verarbeiten auch privat, wir wollen schließlich nicht nur Phrasen dreschen. Im Prinzip bleiben wir uns selbst mit unserer Musik treu.

Kraehenblut:
Wo ich schon einmal eure Texte erwähnt habe: was mir beim Betrachten eben dieser aufgefallen ist: Sie sind teilweise zweisprachig verfasst (z.B. „Morbid Heart', das von einem kurzen gesprochenen Deutschen Satz eingeleitet wird, aber dann komplett auf Englisch weitergeht). Ich finde es ein interessantes Stilmittel mit mehreren Sprachen zu arbeiten, da so Gefühle besser zum Ausdruck kommen und/oder noch an Intensität gewinnen. Warum habt ihr euch also dazu entschieden?

Wolfsrune:
Eigentlich steckt dahinter nichts Besonderes. Man kann höchstens sagen, dass am Anfang mit diesem Satz schon dem Ende der 'Geschichte' bzw. dem Inhalt des Textes vorgegriffen wird. Das Herz steht, oder kann symbolisch für einen Menschen stehen, der von Trauer, Wut, Verzweiflung, Depressionen und anderen negativen Emotionen zerfressen wird. Und wenn es daraus keinen Ausweg gibt, wird das Herz irgendwann stehen bleiben, egal auf welche Art und Weise.

Aber um auf die Frage zurückzukommen: Eine besondere Intention oder ein besonderes Stilmittel ist und war es nicht,
da ich im Nachhinein mit dieser Spontanidee auch
nicht mehr so glücklich bin.

Kraehenblut:
Der Titel „Screams of the Forgotten' lässt mich nachdenken. Und zwar darüber, welche Vergessenen hier gemeint sind. Handelt es sich um Menschen oder ist der Titel gar eine Ehrerbietung an die alten „vergessenen' Pfade des Black Metal (Misanthropie, Satanismus etc.)? Was hat es mit dem Titel nun auf sich? Klärt mich auf.

Wolfsrune:
Mit deiner Vermutung liegst du leider falsch. Ich glaube dem Klientel, welches sich unsere Musik zu Gemüte führt, musst du diese 'Tugenden' nicht bei jeder Gelegenheit aufs Brot schmieren. Außerdem will ich keine Predigten über die so genannten 'alten' Werte des Black Metals halten, da diese, meiner Meinung heutzutage kaum noch existieren. Darüber wollen wir nicht referieren, oder 'Wächter' dieser Sache sein. Dass sollen andere tun, die sich dazu berufen fühlen. Wir fühlen uns dazu berufen, unsere Haltung durch Wort und Klang auszudrücken, egal ob es jemandem gefällt oder nicht. Und selbst wenn uns niemand zuhören würde, wir würden trotzdem in den Proberaum marschieren, spielen und Stücke schreiben, weil WIR das Bedürfnis dazu verspüren. Wir sind nicht gekommen um es allen recht zu machen. Wir werden weiter alte, primitive und morbide Musik erschaffen und so unseren Beitrag zur Erhaltung, der von dir angesprochen 'vergessen Pfade' leisten. Nicht mehr und nicht weniger. Entschuldige die Abschweifung aber das musste raus....

Zu dem Titel 'Screams...' kann ich dir nur sagen, daß es schlicht um Geister von Toten geht, die nach ihrem Ableben keine Ruhe finden, da sie von einer dunklen Macht gezwungen werden, rastlos umherzuirren. Sie müssen Qualen erleiden, bevor sie endlich ihre letzte Ruhestätte 'beziehen' können. Einfach eine Fiktionsgeschichte mit der Mischung aus Poltergeistern und Gedanken über ein mögliches Leben nach dem Tod. Ist also weniger tiefsinnig, als du vermutet hast.

Kraehenblut:
Nachdem nun dieses Mysterium geklärt ist, habe ich eine Frage, die mich schon seitdem beschäftigt, als ich das Album zum ersten Mal in Händen hielt: Es geht um das Cover... was genau stellt es dar? (falls ihr das verraten wollt) beim Betrachten kommt mir ein gekröntes mystisches Wesen in den Sinn, welches auf einem Felsen steht und den Kopf gerade gen Himmel strecken will.

Wolfsrune:
Es handelt sich hierbei um einen Greifen, zu sehen auf einem Kriegerdenkmal.
Die genaue Bedeutung dieses Wesens und seine Rolle bleibt der
Interpretation des Lesers/Hörers überlassen.

Kraehenblut:
Euer Name „Wolfsrune' mutet auf den ersten Blick ja doch ziemlich 'heidnisch' an. Jedoch spiegelt sich eine solche Thematik meines Erachtens nicht unbedingt in euren Texten wider, die ja doch eher rein emotionaler oder wie schon erwähnt blasphemischer Natur sind. Was veranlasste euch also dazu, diesen Namen zu wählen?

Wolfsrune:
Wir haben uns für diesen Neologismus entschieden, da er die Verschmelzung zweier sehr mächtiger Komponenten verinnerlicht. Der Name symbolisiert eher das Mythische, nicht das Heidentum.
 Wir wollten von Anfang an keine Band der Trendbewegung 'Pagan' sein.

Kraehenblut:
Läuft man bei solch' einem Bandnamen nicht auch automatisch Gefahr schnell in einen Topf mit diesen ganzen so genannten NSBM - Grüppchen geworfen zu werden?

Musstet ihr euch in der Hinsicht schon Anschuldigungen gefallen lassen?

Wolfsrune:
Ja, man kann Dummheit ja leider nicht verbieten. Doch wenn manche Leute in eine Band und ihr Erschaffenes zwanghaft irgendwas reininterpretieren wollen was nicht da ist und sich nicht die Mühe machen zuzuhören, können wir daran auch nichts ändern. Wir sind wohl weder die erste noch die letzte Band die ungefragt in eine politische Richtung gedrückt wird.

Kraehenblut:
Genug von Politik (sowieso ein Scheißthema, was in meinen Augen in Magazinen viel zu hoch gehalten wird, und dem viel zu sehr Aufmerksamkeit gewidmet wird) – wieder zurück zur Musik! Auf euer Album aufmerksam wurde ich damals durch NordSturm Productions – durch das offizielle Shirt von euch (Geschichte ist ja bekannt, hehe). Ich muss schon sagen, dass mich euer Werk sehr angesprochen hat, und ich es auch jetzt noch sehr oft höre (was nicht oft vorkommt bei Neuerscheinungen). Dieses Wilde und Raue in eurer Musik, was zugleich auch noch relativ gut produziert ist und auch äußert kraftvoll vorgetragen wird, findet man heutzutage selten. Ich hatte damals im Review die alten Sachen von Graveland als Vergleich aufgeführt, da eure Musik in mir einfach diese Gefühle freisetzte wie es damals das Debüt Graveland’s getan hatte... (Anm.: im Nachhinein wohl gerade im Kontext ein missglückter Vergleich)
trotzdem habt ihr aber einen erfrischend eigenen Stil.

Was haltet ihr persönlich von der Musik von Graveland (ich rede hier nur von der Musik)?
Hört ihr generell privat viel Black Metal oder auch andere Musik?

Wolfsrune:
Um mal wieder einem Klischee gerecht zu werden: Im Allgemeinen finden wir die alten Werke gut, die neueren Sachen jedoch nicht mehr so. Privat hören wir größtenteils natürlich selbst Black Metal, von einigen kleineren Ausnahmen mal abgesehen. 

Kraehenblut:
Was wird man in näherer Zukunft noch von Wolfsrune zu hören kriegen? Sind diesbezüglich schon Sachen geplant, egal auf welchem Medium oder Format?

Wolfsrune:
Derzeit arbeiten wir an neuen Stücken, die wir eventuell für ein weiteres Album und die ein oder andere Split verwenden wollen. Für die Zukunft planen wir außerdem noch ein Konzeptalbum. Wenn die Zeit für das neue Album reif ist würden wir eine weitere Kooperation mit NordSturm begrüßen, was aber wie gesagt auch von deren Entscheidung abhängt.

Kraehenblut:
So, das war's von mir auch schon, hehe. Ich danke nochmals für das Interesse eurerseits an diesem Vorhaben und natürlich für die eifrige Beantwortung der Fragen. Ich wünsche euch weiterhin viel Glück und Erfolg für zukünftige Projekte und Veröffentlichungen – meine Unterstützung habt ihr jedenfalls sicher, hrhr! Die Worte zum Schluss gehören nun noch euch – also haut rein!

Ich grüße euch!

Wolfsrune:
Abschließend wollen wir für das Review, sowie die Möglichkeit zum Interview und die Unterstützung danken. In diesem Sinne: Tod dem Kommerz, Heil dem Untergrund.

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