Montag, 23. Mai 2011

Interview mit Thorkraft von Sieghetnar


Kraehenblut:
Moin Thorkraft, und sei mir gegrüßt! Dieses Interview soll in erster Linie natürlich dazu dienlich sein, dem geneigten Leser deine Band Sieghetnar näher zu bringen, jedoch möchte ich auch etwas auf deine bisherige Arbeit und deine vergangenen Projekte eingehen.

Aber fangen wir erst einmal bei Sieghetnar an. Diese, deine alleinige Band, wenn ich richtig informiert bin, existiert ja nun schon seit ein paar Jahren. Das erste Album war "Verfallen & Verendet" und erschien unter deinem Label NordSturm Productions. Desweiteren erschien kurz darauf das "Todessehnsucht" Album unter gleichem Label, die "Bewußtseinserweiterung" CD (über Azermedoth) und die "Kältetod" CD (wieder unter NordSturm), sowie mehrere Demo CDs, die allerdings immer nur in sehr geringer Auflage erschienen. Gibst du uns vielleicht kurz einen kleinen biographischen Überblick von dir und Sieghetnar?

Thorkraft:
Servus! Richtig, Sieghetnar ist mein alleiniges Projekt, welches ich vor ca.5 Jahren gegründet habe. Anfangs habe ich ein Demo aufgeneommen, welches aber nie komplett fertig wurde. Dieses habe ich noch unter dem Namen "Aeonensturm" eingespielt. Damals ging das ganze in die Space Ambient/Black Metal Richtung und lag dann unabgeschlossen auf dem Rechner. Das erste Sieghetnar Album habe ich dann selbst komponiert, aufgrund der Tatsache ein Album zur nächtlichen Ruhe zu haben. Viele Freunde, welche dieses Werk
("Verfallen und verendet") gehört haben, hätten es sich gern auf CD gewünscht und so habe ich es dann veröffentlicht. So fing alles an. Die erste Box "Die Asche eines Geistes" habe ich in einer besonderen Aufmachung herausbringen wollen, als Dank an jene Käufer der ersten Sieghetnar CD. Die Box war auf
25 Stück limitiert und wurde auch nur jenen Käufern angeboten, somit war diese dann auch umgehend vergriffen. Die Tradition mit den Boxen habe ich dann beibehalten, lediglich die Auflage habe ich dann von 50 auf nun 99 Stück erhöht, da eben sehr
viele Interessenten in meinem Verteiler sind. Wenn bereits andere Veröffentlichungen auf meinem Label Nordsturm Productions anstehen, kann es auch vorkommen dass ein Sieghetnar Werk über ein anderes Label erscheint.

Kraehenblut: 
Zwischen den Alben "Verfallen & Verendet" und der "Todessehnsucht" besteht ein enormer Unterschied. Während das Debüt noch Black Metal im Stile von Xasthur bot, haut man dem Hörer auf der zweiten Scheibe auf einmal reinen Ambient Black Metal ohne Gesang um die Ohren. Kannst du dich noch der Reaktionen der Hörer damals entsinnen? War die Resonanz im Gegensatz zum ersten Album eher positiv oder negativ? Hat Sieghetnar damals viele Anhänger durch diesen, nennen wir es mal 'Stilbruch' eingebüsst?

Thorkraft: 
Die "Todessehnsucht" stellt in meinen Augen ein rein instrumentales depressiv Black Metal Album dar, da es Gitarren, Keys sowie Drums und Bass enthält. Gefühlt sind es mehr Anhänger geworden, viele schreiben mir, dass sie die ersten Werke, viele aber auch die anderen Werke besser finden. Fast alle haben aber mehrere meiner Werke und können allen etwas abgewinnen. Interessant sind aber auch sehr unterschiedliche Kritiken, welche im Netz zu finden sind.

Kraehenblut:
Was hatte dich damals dazu bewogen auch die kommenden Werke Sieghetnars komplett ohne Gesang zu veröffentlichen?

Thorkraft:
Bei der Todessehnsucht habe ich bemerkt, dass es intensiver für den Hörer ist, eine Thematik zu vertonen und diese mitsamt Bild- und Tonmaterial vorzulegen. Ohne Gesang kann sich jeder Hörer seine eigenen Interpretationen erlauben, ohne vorgegebene Worte. Dieser Stil hat sich dann so fortgesetzt und ich habe
immer akribischer an einer Umsetzung in dieser Form gefeilt.

Kraehenblut:
Nach der "Todessehnsucht" hattest du mit einer aufwendigen Aufmachung und in sehr geringer Stückzahl die CD-Demo "Die Asche eines Geistes" veröffentlicht. Meiner Meinung nach das beste Material, was Sieghetnar jemals herausgebracht hat. Der Stil führte den bereits mit der "Todessehnsucht" eingeschlagenen Pfad fort, und verfeinerte ihn sogar noch. Wenn ich mich recht entsinne, kam die CD zum teil in goldener und teils in silberner Metallbox, sowie mit verschieden farbiger Samteinlage raus, liege ich da richtig? Zudem wurde die "Todessehnsucht" später von dir in einer ähnlichen Verpackung neu herausgebracht, mit einem Wachssiegel und einem Stück Knochen. Das folgende "Erhabenheit" Demo beinhaltete neben der Metallbox und dem stilvoll selbstgefertigten Beiheft auch noch eine Anzahl von Fotos, die die Stimmung der Musik einfangen sollten. Seit "Die Asche..." ist also fast jedes der Werke Sieghetnars schon allein von der Aufmachung her ein kleines 'Kunstwerk'. Was bewegt dich dazu, solche aufwendigen Hüllen zu kreieren? Ist es die Einheit zwischen Visualität und Vertonung, die du damit anstrebst oder was steckt dahinter?

Thorkraft:
"Die Asche eines Geistes" erschien einheitlich. Von der "Erhabenheit" gibt es 25 goldene CD Metalboxen und 25 silberfarbige Metalboxen mit roter/silberner Samteinlage, richtig. Ich denke, dass das Visuelle ein hohen Stellenwert hat - zumindest bei den limitierten Boxen, die ich herstelle. Es soll eben ein besonderes Werk sein, welches der Käufer erwirbt.

Kraehenblut:
Vor allem auf die Wiederveröffentlichung der "Todessehnsucht" CD möchte ich hier noch einmal näher eingehen. Was genau veranlasste dich zu eben dieser? Und was genau hat es mit den Knochen auf sich?

Thorkraft:
Die "Todessehnsucht" Box habe ich parallel erstellt, um den Käufer auch die Möglichkeit zu einem besonderen Werk zu geben. Denn die Box enthält zusätzlich einen original Knochen, welcher auch im Booklet zu sehen ist. Ich denke dadurch entsteht eine noch bessere Verbindung zum Werk, da man sich als Besitzer noch besser in das Werk versetzen kann, man ist Teil davon.

Kraehenblut:
Sowohl das Debüt als auch das zweite Album wurden in einer Geheimschrift verfasst, die hebräische Buchstaben zum Vorbild hatte. Dieses Stilmittel verschwand jedoch leider nach der "Todessehnsucht". Aus welchen Gründen geschah dies? Wenn man sich die Informationsseite bei metal-archives.com zum Beispiel anschaut, könnte man meinen, man wollte Sieghetnar unterstellen, damit unterschwellige extremistische Botschaften unters Volk zu bringen - klär’ mich doch mal darüber auf!

Thorkraft:
Das erste Werk "Verfallen und verendet" war ja ursprünglich nur für mich selbst gedacht. Daher habe ich eine Verschlüsselung für das Werk veranlasst, nachdem ich mich entschieden hatte, es zu veröffentlichen. Zum anderen steckt hier auch eine Ironie drin, denn es ist ein Black Metal Werk, scheint auf dem ersten Blick in Hebräisch geschrieben zu sein, was es aber nicht ist. Die Ironie ist, das letztendlich nur jeder, welcher die deutsche Sprache (und einen Computer samt Windows) (Anm. von Kraehenblut - "...oder wie ich einfach nur Fanatiker sind, die sich die Mühe gemacht haben, das Ding Buchstabe für Buchstabe zu deuten..." ) beherrscht das Werk lesen kann, nicht jedoch eine Person welche der hebräischen Sprache mächtig ist. Das Werk hat auf jeden Fall viele Fragen aufgeworfen...

Kraehenblut:
"Erhabenheit" wurde ebenfalls nach Veröffentlichung nochmals neu aufgelegt und von Ashen Productions in einem recht schicken Digipack wiederveröffentlicht. Wie genau kam es zu diesem Re-Release und zur Zusammenarbeit mit Ashen Productions und Arjan Peeks, der ja das Material neu gemastert hat? (Übrigens bin ich nicht im Besitz des Re-Release, also bitte ich dich um eine etwas ausführlichere Antwort.)

Thorkraft:
Nachdem die limitierten Box-Versionen vergriffen waren, habe ich noch eine Menge Anfragen gehabt. Somit habe ich ein Label gesucht, welches an Wiederveröffentlichungen Interesse hat. Ashen Productions hatte Interesse und so haben wir alles weiter vertraglich ausgehandelt. Er bot mir ein Mastering an und Arjan Peeks hat da wirklich gute Arbeit gemacht.

Kraehenblut:
Es folgte eine CD namens "Endlösung... von der Vertonung eines Selbstmordes", die in einer silbergrauen DVD-Hülle veröffentlicht wurde. Diese Hülle wurde mit einer Kette samt Zahlenschloss versiegelt. Nur diejenigen, die die drei Zahlen richtig erraten konnten, kamen also letztlich auch in den Genuss der Musik. Nun - als Metaller sollte man bei einer Zahlenkombo von drei Ziffern schon 1 und 1 zusammenzählen können, hehe. Das Album enthielt einen langen Song, der in mehrere Kapitel aufgeteilt ist. Was bewog dich dazu, dich an ein solches Konzept heran zu wagen? Und bevor ich es vergesse - hat es mit dem Blut gesprenkelten Stück Notenblatt, auf dem noch handschriftlich die Zeilen "Musik muss bluten" vermerkt wurden und welches wohl jeder Box beilag, eine bestimmte Bewandtnis?
Thorkraft:
Die Idee mit dem Zahlenschloss fand ich passend, denn so muss man sich bereits vor dem hören mit dem Werk befassen. Das Notenblatt soll lediglich signalisieren, dass es sich um Töne handelt, welche Leid und Schmerz sowie Befreiung darstellen. Blut ist nun mal ein Lebenselixier, verliert man es jedoch, steht es oft in Verbindung mit Schmerz.

Kraehenblut:
Mit der Veröffentlichung "Bewußtseinserweiterung" gab es zum ersten Mal ein Sieghetnar Release, welches nicht selbst finanziert oder durch das hauseigene Label unters Volk gebracht wurde - denn veröffentlicht wurde es durch das Kultlabel Azermedoth aus Mexiko in einer sehr schönen Aufmachung, die sogar eine stabile Papphülle um das Jewelcase beinhaltete. Wie kam es zu dieser Vereinigung Sieghetnar - Azermedoth?
Thorkraft:
Mit Azermedoth Records stehe ich bereits seit längerem in engem Kontakt, was die gemeinsame Labelarbeit betrifft. Da ich damals das Werk fertig hatte, aber fünf Produktionen im Presswerk hatte, bot ich das Werk Azermedoth an. Er war davon begeistert und hat es dann veröffentlicht.
Kraehenblut:
Bleiben wir noch bei der "Bewußtseinserweiterung" - denn du hattest es dir auch nicht nehmen lassen eine auf 100 Stück limitierte Sonderedition anzufertigen. Diese enthielt neben der normalen CD auch eine Demo-CDr in einer goldenen DVD-Hülle namens "Gezeitenkraft" und stammt aus der Feder von Aeonensturm, welches laut deinem Rundschreiben damals ja noch vor Sieghetnar entstanden ist und im Grunde genommen der direkte Vorgänger von deiner heutigen Band war. Somit stellt diese CDr eigentlich das erste vertonte Material dar. Wenn man dieses Demo kennt, erscheint einem dieser Twist zwischen "Verfallen & Verendet" und "Todessehnsucht" auch gar nicht mehr als so krass. Mich verwundert aber, warum du dann überhaupt solch ein reines Black Metal-Debüt damals überhaupt gemacht hast. Bitte kläre mich und die Leser doch einmal darüber auf.
Thorkraft:
Ich wollte damals einfach Symphonic Space Black Metal machen...

Kraehenblut:
Was mir bei der "Bewußtseinserweiterung" aufgefallen ist, dass auf dem Pappumschlag fünf Lieder angegeben sind, die CD enthält jedoch nur vier Titel. Da ich nun nur die limitierte Edition besitze, und deshalb nicht vergleichen kann, ob es bei der normalen Edition auch so ist, frage ich dich: allgemeiner Fehler oder Absicht bei der Sonderedition - dass die Bonus-CDr praktisch als fünfter Titel aufgeführt wird?
Thorkraft:
Ist mir noch gar nicht aufgefallen...

Kraehenblut:
 Die CD "Kältetod" stellte dann auch endlich mal wieder ein offizielles vollständiges Album von Sieghetnar dar, welches auch noch unter NordSturm herauskam. Die ersten, ich glaube 100 Exemplare (korrigiere mich bitte, wenn ich mich irren sollte) kam anstatt mit schwarzem Intray mit weißem. Allein von der Optik her natürlich schon um ein Vielfaches besser. Ein großartiges Dark Ambient-Album, welches die Glorifizierung der Nacht, die Herrlichkeit und gleichzeitig die Strenge des Winters, sowie allgemein die Natur zum Thema hat, wenn ich sie richtig interpretiert habe. Auch hier wieder keine Spur von Gesang, dafür aber malerische kalte und karge Klangwelten. Besonders das Lied "Flug des Raben" hat es mir angetan. Deine Musik zeigt nicht erst seit diesem Album deine musikalischen (und vielleicht auch ideologischen) Vorbilder wie Vinterriket, Paysage d’hiver usw. Was sind für dich die größten Inspirationsquellen? Was lässt dich solche unwirklichen, fast schon traumhaften Alben erschaffen? Hörst du die oben genannten Bands auch privat gerne, und welche Musik bevorzugst du im Allgemeinen?

Thorkraft:
Bei der "Kältetod" habe ich die ersten 299 CDs mit weißem Tray ausgeliefert bzw. für private Käufer. Es ist richtig, mit diesem Album versuche ich die Freiheit/Kraft der Natur, die Reinheit und strenge Kälte des Winters sowie ähnliches zu vertonen.
Es gibt für mich keine direkten Vorbilder, Vinterriket hat sehr schöne Alben veröffentlicht, jedoch landen die äußerst selten in meinem CD Spieler, mit Paysage d´hiver habe ich mich noch fast gar nicht auseinander gesetzt. Indirekt beeinflussen mich sicher einzelne Songs diverser Gruppen von Drudkh, über Raventale, Walknut usw. - jedoch entstehen die Songs einfach
nach Genuss einer Flasche Wein, wenn ich mein Studio aufgebaut habe. Mein Musikgeschmack ist sehr breit gefächert. Im Metal-Bereich ist es Depressiv Black Metal und slavischer Folk/Pagan Metal. Diese Musik höre ich am meisten. Aber auch 30er und 40er Musik, manchmal 80er, Chill Out, Militärmusik/Kriegsmärsche, House. Je nach Wetter, Stimmung etc.

Kraehenblut:
Das nächste Werk von Sieghetnar ließ dann verhältnismäßig doch etwas länger auf sich warten, dafür aber war "Hymne der Zerbrechlichkeit" mal wieder ein wirklich gutes Album, was mich so faszinierte wie damals "Die Asche eines Geistes". Allerdings kam die Demo-CD mal wieder nur in sehr niedrig gehaltener Stückzahl raus, genauer gesagt war sie limitiert auf gerade einmal 50 Stück. Durch den Bekanntheitsgrad von Sieghetnar könntest du doch gut und gerne eine Auflage über doppelt so viele machen, stattdessen aber strebst du eine geringe Auflage an. Aus welchem Grund geschieht das? Willst du dir die Persönlichkeit erhalten? Zeigen, dass Sieghetnar nicht Musik für jeden ist, sondern nur für eine kleine Schar, die im Stande ist, diese Musik zu fühlen und zu verstehen?
 
Thorkraft:
Ja, so kann man das sagen. Durch die Limitierung bleibt das Werk eben etwas Besonderes. Das soll es bei so einer Veröffentlichung eben auch sein. Zum anderen steckt immer sehr viel Arbeit in so einem Werk, somit diese Stückzahlen.



Kraehenblut:
Um noch einmal bei "Hymne der Zerbrechlichkeit" zu bleiben: die Aufmachung ist wirklich wieder sehr gut - schwarzes Digipack aus Raukarton, umschlossen von einem Bändchen mit dem Albumnamen in Silberschrift, ausfaltbares Beiheft, sowie ein Vers aus dem 1. Buch Moses (der jeweiligen Nummer zugeordnet). Zumal ist am Digipack ein kleines Emblem mit der (weinenden?) Jungfrau Maria aufgeklebt. Was hat dich dazu bewogen, mit diesen biblischen, bzw. christlichen Elementen zu arbeiten? Was für eine Rolle spielt das Christentum und allgemein Religion in deinem Schaffen?

Thorkraft:
Bei diesem Werk habe ich durch das bewusste Zerstören christlicher Lektüre und Symbole gearbeitet. Die Bibel ist ein sehr altes Stück gewesen - ich schätze um die 100 Jahre. Viele hatten daran Interesse, doch ich habe es allein durch einen Höchstpreis erworben und es anschließend zerstört. Ähnlich verhält es sich mit dem Symbol der Maria. Es handelt sich hier um Kettenanhänger, und ich habe die Ösen entfernt und es als Siegel verwendet. Ich versuche mit jedem neuen Werk eine andere Thematik zu vertonen. Das Christentum zerbricht immer mehr in sich zusammen und es ist schon interessant zu sehen, wie es sich versucht am Leben zu erhalten.

Kraehenblut:
Kommen wir nun zu deinem jüngsten Werk, dessen Veröffentlichung ja wirklich noch nicht so lange zurückliegt. Die Rede ist natürlich von "Die Melancholie des Schmerzes" - Veröffentlichung erfolgte abermals über dein Label NordSturm Productions, in einer weißen DVD-Hülle und mit einem 4-seitigen Beiheft. Es handelt sich wieder um ein durchdachtes Konzept-Album, das, laut Beiheft, die Thematik des zweiten Weltkrieges aus der Sicht der deutschen und russischen Soldaten (und Flüchtlingen?) behandelt. Zudem wird das Geschehen aus der Sicht der Kriegskinder und deren Umgang und Verarbeitung innerhalb ihrer Träume mit dem Erlebten geschildert. Die Musik lässt also auch genug Raum für Eigeninterpretationen, welche du laut Beiheft ja auch anstrebst. Würdest du uns trotzdem einen Einblick in deine persönlichen Gedankengängen und Empfindungen über dieses Album teilhaben lassen? Was genau verbindet dich mit dieser Thematik, bzw. was veranlasste dich zu solch’ einem, eher komplexen, Konzept (vor allem die Thematik der Traumbewältigung der Kinder sehe ich doch als einen eher problematischen, schwer zu erfassenden Teil)?

Thorkraft:
Bei diesem Werk handelt es sich um alte Aufnahmen von 5 Songs. Die ersten 3 Songs sind bis vor kurzem instrumental gewesen, lediglich die letzten beiden Songs waren bereits seit einigen Jahren eingesungen. Ich fand es passend die Songs für dieses Konzept zu verwenden, denn die Kinder nutzen meist ihre Fantasie, um gewisse Dinge zu verarbeiten. So sehen diese dann die Panzer und Fliegerbomber in diesem Song als Drachenwesen an. Bei "Selbsterfüllung" versuchen die Zivilisten und Soldaten eine Antwort zu finden, die jedoch sehr in sich verzwickt ist. Das Intro habe ich instrumental gelassen, die anderen beiden Songs dann mit Kriegssamples versehen. In der Zusammenstellung bin ich mit dem Werk dann zufrieden.

Kraehenblut:
Das Album bietet nach langer Zeit, genauer gesagt seit deinem Debüt, wieder Passagen mit Gesang, die allerdings auch erst mit dem vierten der insgesamt fünf Lieder einsetzen. Laut dem Beiheft ist das gesamte Material bereits vor mehreren Jahren entstanden. Warum wurde es erst jetzt veröffentlicht? Und in welcher Epoche ist das Album anzusiedeln?

Thorkraft:
Die Epoche liegt ungefair bei: "Verfallen und verendet". Ich konnte das Werk erst jetzt veröffentlichen, da der letzte Song nur noch auf einem defekten Rohling lag. Mein neuer Rechner konnte den Song erstmalig lesen und auf Festplatte speichern, die ersten 3 Songs habe ich durch Zufall wieder gefunden da ich damals die Songs auf eine Audio + Daten cd gepackt habe. Die Gitarren wurden damals auch noch aufgenommen von Borbarath (ersten 2 Songs) + Bariton (letzten beiden Songs).

Kraehenblut:
Falls du uns an dem Geheimnis teilhaben lassen willst - woher stammen die, doch recht passend gewählten und stimmigen Samples?

Thorkraft:
Die russischen Samples aus dem russischen Kriegsfilm "Geh und Sieh" die deutschen Samples aus einem deutschen Kriegsfilm.

Kraehenblut:
Die ersten zwei Stücke sind laut dem Beiheft mit Hilfe von Borbarath entstanden, ohne irgendwelche Gesangsspuren, weshalb sie wohl auch nur Samples enthalten. Die letzten beiden Stücke wurden mit Hilfe von Bariton vertont, diese unterscheiden sich doch schon sehr von den ersten beiden, nicht zuletzt weil sie Gesangsspuren enthalten, sondern auch weil sie wesentlich Black Metal-lastiger ausgefallen sind. Mit beiden hattest du ja schon damals bei Askuror zusammengespielt - wie kam es zu der erneuten Zusammenarbeit für Sieghetnar? Habt ihr für die letzten beiden Stücke des Albums eigentlich mehrstimmigen Gesang verwendet, denn es klingt beinahe so, als wenn zwei Sänger zu hören wären?

Thorkraft:
Sehr gut herausgehört. Die Songs sind damals so entstanden, ohne diese speziell für Sieghetnar zu verwenden. Bei dem Song "Selbsterfüllung" steuere ich die Gesangsspuren in Form von "Sprechgesang" und "Black Metal typischem Schreigesang" Bariton hat die Schreie beigesteuert. Bei dem Song "..." habe ich einem, nun ausgewanderten, Freund damals den Part sprechen lassen.

Kraehenblut:
Aus meiner Sicht ist das neue Album wirklich gelungen, jedoch angesichts der wirklich tief greifenden Thematik für meinen Geschmack doch zu kurz geraten. Laut dem Beiheft stellt es ja auch nur eine Zusammenfassung von älteren Stücken dar, die sonst im Datenmüll für immer verschollen gegangen wären. Von daher sollte man sich ja schon glücklich schätzen, dass einem so etwas überhaupt erhalten geblieben ist. Trotzdem meine Frage an dich: hast du vor, dieses Konzept vielleicht noch einmal aufzugreifen und den Stücken eine Fortsetzung zu bescheren? In meinen Augen hat die Thematik echt Potential und mir scheint, als sei mit diesen fünf Liedern noch längst nicht alles gesagt...

Thorkraft:
Ja habe ich, da es sich wie gesagt um verloren geglaubte Stücke handelt, ist das Werk auch nur Recht kurz ausgefallen, ich wollte es auch nicht unnötig mit Ambient strecken. Das neue Werk ist bereits in Arbeit. Es sind bereits schon einige Songs aufgenommen. Die Thematik wird eine wahre bisher unveröffentlichte Geschichte zwischen einem Soldaten und einer jungen Frau aus dem 2. Weltkrieg sein. Ich habe bei einer Versteigerung aus einem Nachlass eine komplette Kiste mit Briefen dieser Personen gekauft. Sie haben sich eine lange Zeit geschrieben, während sie daheim war und er an der Front. Der Preis für die Briefe war sehr hoch, aber das ist es mir Wert. Ich plane, die kompletten Briefe niederzuschreiben und die Geschichte dann mit beizulegen. Es wird das bisher größte Projekt. Geplant ist dann auch, in jede Box Teile der Original Briefe zu legen.

Kraehenblut:
Um mit dem Thema Sieghetnar vorerst abzuschließen - was wird die nähere und entferntere Zukunft noch mit sich bringen? Hast du schon irgendwelche anderweitigen Pläne und Ideen für kommende Veröffentlichungen?

Thorkraft:
Ja, eine weitere Idee ist bereits eine große Box mit mehreren Tonträgern, wobei alle Songs auf verschiedene Medien verteilt werden sollen. Er soll eine Reise werden.

Kraehenblut:
Lass’ uns einmal über deine damalige, bereits erwähnte Band Askuror sprechen. Bei der hast du damals als Sänger sowie Schlagzeuger agiert, veröffentlicht habt ihr eine Demo ("Battle Hymns") sowie drei Split-CDs. Euer Debüt-Album wurde damals lange Zeit angekündigt, aber erschienen ist es nie, außer in T-Hemd Form (Anm.: die Rede ist hier von "Gewaltbereit"). Und dann plötzlich hat man überhaupt nichts mehr von Askuror vernommen. Was genau war los bei euch, bzw. was ist auf einmal passiert? Existiert das Projekt Askuror überhaupt noch?

Thorkraft:
Ja, das stimmt. Das Projekt existiert noch, jedoch ruht es Derzeit. Das Album ist auch bereits eingespielt, lediglich der Gesang fehlt. Das neue Werk beinhaltet keine Keys und somit wäre mein Part nur noch der Gesang. Die Kompositionen sind sehr gut geworden von meinen derzeitigen zwei Mitstreitern. Ein VÖ Termin steht aber noch in den Sternen.

Kraehenblut:
Neben Askuror warst du in der Vergangenheit auch noch in mehreren kleineren und eher unbedeutenden, dass heißt eher unbekannteren Projekten aktiv. Existieren davon noch welche? Und wenn ja, sind für diese noch Veröffentlichungen geplant?

Thorkraft:
Ja, es existieren noch welche. Zum Beispiel Mein Pagan Metal Projekt HARSGATHYR. Hier werde ich sicher bald ein neues Album einspielen, einige Ideen sind bereits vorhanden. Bei den anderen Projekten kommt es eben darauf an, ob ich mich nochmals mit den Musikern zusammen setze und ein Album in dem Stil aufnehmen werde. Unter VARGSHELSKE könnte ich mir auch noch ein weiteres grimmiges Black Metal Album vorstellen aufzunehmen mit Bariton.

Kraehenblut:
Alle Veröffentlichungen von Askuror und deiner sonstigen Projekte erschienen ausschließlich über dein Label NordSturm Productions, über das auch die meisten Sieghetnar-Releases erschienen sind. Inzwischen hast du eine ganze Reihe (auch namhafter) Bands unter Vertrag (gehabt), die bei dir die ein oder andere Veröffentlichung herausgebracht haben. Kannst du mir einmal etwas über die Anfänge, das Fortschreiten und den jetzigen Zustand deiner Label-Arbeit mit NSP erzählen? Und was wird uns in Zukunft noch erwarten?

Thorkraft:
Angefangen hatte alles als ich das erste Askuror Demo aufgenommen habe. Ich stellte mir die Frage ob es Sinn macht ein Label zu suchen oder ein Label zu gründen, denn es gab damals sehr viele gute Black Metal Bands im Norden und da lag es einfach Nahe ein eigenes Label zu gründen. Daher auch der Name Nordsturm-Productions. Doch in der Zeit haben sich dann einige Bands aufgelöst, andere woanders einen Deal vereinbart und so kamen dann nach und nach Bands auch aus dem Ausland bei mir unter Vertrag.Die erste VÖ war das Demo mit 100 Stück, danach die Erste Pressung mit 500 Stück und danach habe ich dann 1000er Auflagen gemacht. Ich habe versucht bei vielen Werken die Kosten gering zu halten und habe die Bands weltweit vertrieben um denen einen höheren Bekanntheitsgrad zu ermöglichen. Ich habe auch die Werke günstig verkauft. In Zukunft werde ich aber wie bereits bei einigen Veröffentlichungen in eine bessere Aufmachung sowie Werbung investieren, denn damit wird der Wert der CD nicht zerstört. Das nächste Werk wird das neue Album von KIRCHENBRAND (Anm.: die aus Österreich!) sein.
Das Werk wird parallel in einer edlen DIN A5 Aufmachung erscheinen.

Kraehenblut:
So, von meiner Seite aus war es das erst einmal. Ich danke dir für die ehrliche und eifrige Beantwortung meiner Fragen, und hoffe, dass dich die Fragen nicht allzu sehr gelangweilt haben. Ich wünsche dir weiterhin noch viel Erfolg mit deiner Arbeit und vor allem mit Sieghetnar! Die letzten Zeilen gebühren dir, also lass dich mal so richtig aus, hehe.
Zum Gruße!

Thorkraft:
Ich danke auch für das Gespräch, die Fragen waren sehr individuell. Hab Dank für das Interesse. Ich würde mich freuen, wenn ihr (Leser) auch gern in meinem Shop mal vorbeischaut: http://www.tonkunstwaffenlager.hood.de/

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