Mittwoch, 17. Mai 2017

Review: Grauzeit - Symbiose (Digitales Album, Eigenproduktion - 2017)

Was (in meinen Augen) anno 2011 als typischer und irgendwie nichts-sagender Beitrag zum DSBM begann - ich rede hier natürlich von der Debüt-Kassette "Mein Leben endet...", Rezension gibt es >>hier<< zum nachlesen) - mauserte sich jedoch schnell zu einer starken, mutigen und sehr eigenständigen Band, die ihre Wurzeln zwar immer noch erkennen ließ, ansonsten ihren Stil aber immer weiter entwickelte. Ich kam dann erst wieder mit "Tyrannei der Tristesse" mit ihnen in Kontakt (Review lässt sich >>hier<< finden) und war so ziemlich der erste Berichterstatter, der auf ihre letzte EP "Antagonist" aufmerksam wurde (>>here<< you motherfuckers)...


Nun folgt also mit "Symbiose" das lange geplante erste Voll-Album der Band. Immerhin saß man seit dem Jahr 2013 an der Fertigstellung. Der Gesang sowie alle Instrumente bis auf das Schlagzeug wurden allerdings erst im letzten Jahr beigesteuert. Es hat also einige Zeit gedauert, bis man "Symbiose" endlich in voller Pracht zu hören bekam. Doch hat sich die Wartezeit gelohnt? Um diese Frage einfach und gleich zu beantworten: Ja, sie hat sich definitiv gelohnt! GRAUZEIT präsentieren mit ihrem aktuellen Output einen schnörkelloses post-modernes depressives (Black) Metal-Album, welches neben dem Post Black Metal auch viele andere Einflüsse aufweist - so z.B. aus dem Doom/Stoner, dem Post Punk, dem Blackgaze oder auch Synthi-Pop. Ein wenig könnte man "Symbiose" mit Sachen wie AMESOEURS (die es ja leider nicht mehr gibt) vergleichen, was die Atmosphäre angeht, doch GRAUZEIT zelebrieren hier einen sehr eigenwilligen Stil, der beim eher gebrülltem Gesang anfängt und bei den tiefen Bässen und den teils tiefer gestimmten Gitarren aufhört. Apropos Gitarren: die erinnern mich teilweise auch an ältere KATATONIA (die ehemaligen Götter der depressiven Metal Tonkunst). Sehr Melodie betont gibt sich das Werk zudem auch noch und so wird dem geneigten Hörer hier einiges geboten und es bleiben kaum Wünsche offen. Jeder Song ist sehr individuell gehalten und voller Details und Höhepunkte, die einem vielleicht auch erst nach dem zweiten oder dritten hören bewusst auffallen (persönliches Hocherlebnis: der sehr hymnische End-Part von "Schwächling"). Immer vorausgesetzt natürlich, dass man sich auf diesen Stil einlassen möchte. Das dies hier kein Album für die Puristen-Fraktion ist, dürfte ja bereits in den ersten Zeilen klar geworden sein. Mit dem Titellied geht es dann ganz am Ende des Albums noch einmal sehr flott zu und man zeigt hier, dass die Musik auch durchaus ohne Gesang funktioniert und höchst emotional daherkommt.

Fazit:
"Symbiose" ist erfrischend und gleichzeitig ein eher tristes Werk. Das dürfte aber voll und ganz im Sinne des Erfinders sein. Das Album ist auf jeden Fall genau das geworden, was ich mir von einem Langspieler GRAUZEIT's erwartet und erhofft hatte. Große Gefühle, eine fette Produktion, die aber auch nicht zu sauber und steril wirkt, und ausgefeilte Melodiebögen, die allerdings alles andere als süßlich-harmonisch wirken. Genau so sollte ein moderner Beitrag zum heutigen Depressive Metal / Rock aussehen und klingen. Leider hat es das Album bisher lediglich zu einem digitalen Release geschafft, aber zumindest eine Auswertung auf Kassette wird demnächst, wie schon bei "Antagonist", über die Tonschmiede Abstrakte Wunden (Sub-Label von Der Neue Weg) erscheinen. Eine CD-Version ist laut einem Kommentar der Band auf Visagenbuch wohl auch angedacht, jedoch noch nicht offiziell bestätigt, wenn es dazu weitere Informationen bis zu mir schaffen, werde ich diese nachreichen. Bis dahin können sich alle Interessenten eine Kopie des digitalen Albums auf der offiziellen Bandcamp-Seite von GRAUZEIT herunterladen (Kostenpunkt 3,- Euronnen) und den Online-Shop von Abstrakte Wunden Tonträger Produktion im Auge behalten.

Ein durch und durch emotionales Werk - GRAUZEIT haben sich hier selbst übertroffen. Unbedingt empfehlenswert für all' jene, die gewillt sind, auch einen Blick über den Tellerrand zu werfen!


Darbietungen:
01. Parasit
02. Abseits
03. Faust
04. Tabula Rasa
05. Betäubung
06. Schwächling
07. Grauzeit III
08. Symbiose

Laufzeit: ca. 39 Minuten

Review: Steingrab - Mystik (Digitales Album, Eigenproduktion - 2017)

Das Projekt von Mahr (ex-NARGIS) aus Hessen kann inzwischen auch auf eine gut bestückte Diskographie zurückblicken. Neben dem Debüt-Demo "Reise ins Ungewisse", welches im Jahr 2009 auf Kassette erschien, weist STEINGRAB noch ein Album namens "Äon" auf, sowie ein Live-Tape mit dem Titel "Live in Nürnberg", das Aufnahmen enthält, die im Zuge des "Momente des Nichts" Konzertes im Jahr 2015 entstanden (Review ist >>hier<< nachzulesen). Nun folgt mit "Mystik" also ein komplettes neues Album. Manche Lieder waren bereits schon auf den Live-Aufnahmen enthalten und konnten damit schon einmal einen ersten Einblick in dieses Werk verschaffen...


Das Album ist bisher lediglich von der Band selbst in digitaler Form veröffentlicht worden - was dem Ganzen aber in keinster Weise gerecht wird. Die Musik von STEINGRAB hat es verdient auf physischem Tonträger eine Veröffentlichung zu erfahren. Auch auf "Mystik" hat sich an dem recht eigenwilligen Stil nichts verändert. Einerseits gibt es hier sehr viel Tradition und 90er-Flair zu schnuppern, doch verlässt man sich nicht nur allein darauf, und möchte auch nicht so klingen, wie der x-te BURZUM-Verschnitt, sondern lässt immer wieder sehr viele eigene Nuancen mit einfließen. So einen Moment bildet da beispielsweise das sehr schwermütige Klavierspiel in "Der Spiegel", oder der modern angehauchte Post Black Metal-Break in "Styx", ein Stück welches nicht nur durch diesen Umstand an die Gangart des letzten DEATHGATE ARKANUM Albums "Stillhallen" ("Seelen" zähle ich als Mini-Album) erinnert, sondern auch im Gesang. Hinzukommt hier ein gewisser Space Ambient-Einfluss, was aber auch nicht unnötig ausartet (um die Gemüter gleich einmal zu beruhigen). Auch findet ein gewisser Anteil an Folklore in der Musik von STEINGRAB seinen Platz und sorgt für die nötigen Rückzugs- und Ruhepole in "Mystik". Während "Zeugen der Macht" eindeutig den rasantesten Song des Albums darstellt, ist der folgende "Scheintot" mit Abstand der gemächlichste. Vorgetragen mit sehr viel Schwermut und melancholischer Nostalgie - genau mein Ding! Getoppt wird dieser Beitrag dann nur noch vom titel-gebenden Lied "Mystik", welches zum Inhalt passend, eine einzige Hymne darstellt, inklusive sturmgepeitschter Drums, melodischen Gitarren und reichlich Keyboard-Einsatz. "Der letzte Schein des Mondes" ist dann noch ein klassischer Rausschmeißer, der viel Gefühl und noch einmal viel Melancholie bietet: "Zu meiner Erlösung führt nur ein schmaler Grat"...

Fazit:
Die Musik von STEINGRAB weiß mich doch immer wieder zu begeistern. Eine solche Gratwanderung zwischen traditionellen Schwarzmetall-Klängen und modernen Einflüssen bekommt beileibe nicht jede Horde hin - oftmals scheitern sie gar kläglich. Doch STEINGRAB faszinieren mich seit der ersten Demo-Kassette, das Debüt-Album brachte dann die erhoffte Atmosphäre in voller Länge und das Live-Album war solide und trumpfte darüber hinaus noch mit ein paar neuen Stücken auf. "Mystik" ist wie schon das erste Album pure Magie, auch wenn es in vielerlei Hinsicht anders ist. Die Musik in Verbindung mit den sehr durchdachten und emotionalen Texten sind wahre Poesie und Geschichten, die es wert sind, Gehör zu finden. Das Album könnt ihr euch über die offizielle Bandcamp-Seite von STEINGRAB gegen eine kleine Spende von 5,- Euronnen herunterladen (inklusive Front- und Back-Cover), alternativ könnt ihr aber auch eine Email an Mahr schreiben, wenn ihr kein Geld für eine digitale Version ausgeben wollt. Ob und wann es das Album auf einem physischen Tonträger zu erwerben geben wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen - ich bleibe aber auf jeden Fall dran, und werde es vermerken, sollte ich in der Richtung etwas mitbekommen.


Intensiver deutscher Black Metal mit viel Gefühl und voller Poesie. Meine Empfehlung!


Darbietungen:
01. Licht
02. Der Spiegel
03. Styx
04. Zeugen der Macht
05. Scheintot
06. Mystik
07. Der letzte Schein des Mondes

Laufzeit: ca. 42 Minuten

Dienstag, 16. Mai 2017

Review: Pure - J'aurais dû (CD, Symbol of Domination Production / Obscure Abhorrence Productions - 2017)

Bei PURE handelt es sich um ein Solo-Projekt aus der Schweiz, welches seit 2013 existiert und in diesem Zeitraum bereits fünf Alben aufzuweisen hat. Der aktuelle Auswurf von Herrn Ormenos (dem einen oder anderen vielleicht durch seine weiteren Projekte bekannt, von denen BORGNE, ENOID und RAVNKALD wohl zu den bekanntesten zählen dürften) hört auf den Namen "J'aurais dû" und kann sich allemal hören lassen...







Ehrlich gesagt, habe ich mich mit PURE nie wirklich auseinandergesetzt, bei ENOID war es auch nur das erste Album, RAVNKALD hatte ich mal reingehört und BORGNE kenne ich zumindest namentlich. Die Projekte des einsamen Kriegers so schmerzlich vernachlässigt zu haben scheint mir im Nachhinein als Fehler, nun nachdem ich die hier vorliegende CD mittlerweile einem dritten Durchlauf unterzogen habe. Ormenos zelebriert unter dem Banner von PURE stil-sicheren, atmosphärischen Black Metal, der nicht nur auf Grund seiner durchweg französischen Sprache sehr an die Gangart diverser Kapellen aus Québec erinnert. Hymnisch und erhaben, dann mal nostalgisch und melancholisch, fast träumerisch, aber auch mit sehr viel Wut und Frustration im Bauch vorgetragen. Dabei ist die Musik jedoch immer sehr melodiös gehalten und spielt sich zumeist im getragenem Midtempo ab. Jeder Song ist daher für sich genommen, sehr individuell gehalten. Wo aber etwa "Anonyme et sans visage" eher den hymnischen Aspekt in den Vordergrund stellt, wird bei "Le jour où je suis mort" die Aufmerksamkeit eher auf das Düstere und Melancholische in der Musik gerückt, was zeigt, dass PURE mehrere Facetten besitzt, mit verschiedenen Stimmungen und Emotionszuständen spielt und dadurch alles andere als Durchschnitt ist.

Fazit:
Ein beeindruckendes Werk! PURE's "J'aurais dû" stellt gerade in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein Ein-Mann-Projekt handelt, einen mehr als bemerkenswerten Beitrag zum helvetischen Underground dar. Die CD erschien in einer Kooperation von Symbol of Domination aus Belarus (ein Unterlabel von Satanath Records) und der deutschen Tonschmiede Obscure Abhorrence und kommt als normale Jewelcase daher. Limitiert ist die ganze Angelegenheit auch - und zwar auf 500 Exemplare weltweit. Interessenten aus Deutschland sollten sich daher auch direkt an Obscure Abhorrence Productions wenden und sich dort ihre CD sichern.

Räudiger, aber atmosphärischer Black Metal ohne Kompromisse. Empfehlenswert!


Darbietungen:
01. Anonyme et sans visage
02. Je tuerais le monde pour ta lumière
03. Le silence mortel
04. Le jour où je suis mort
05. J'aurais dû
06. Solitude

Laufzeit: ca. ca. 37 Minuten

Sonntag, 14. Mai 2017

Review: Daudadagr - Vid skuggornas svarta månsken (EP, Purity Through Fire - 2017)

Ursprünglich bereits im Jahr 2012 auf Kassette und in nur sehr geringer Stückzahl veröffentlicht, fand diese Demo-EP nun endlich ihren Weg auf Vinyl-Scheibe und darüber hinaus auch zu einem breiteren Publikumskreis. Den Release der 7'' übernahm dabei die deutsche Tonschmiede Purity Through Fire.







Die Zukunft des Projekts von dem vielbeschäftigten Recken Swartadauþuz (u.a. AZELISASSATH, BEKËTH NEXËHMÜ, MYSTIK, SUMMUM) scheint ungewiss nach gerade einmal zwei hervorgebrachten Demos. Es wäre schade um DAUDADAGR, da zumindest diese erste Veröffentlichung  der Horde, welche hier noch mit dem Gesang und ddem Schlagzeugspiel von Sir N. aufwartet, sehr eingängigen und emotionalen Schwarzmetall bietet, der heutzutage nur selten zu finden ist. Die beiden Lieder "Vid skuggornas..." und "...svarta månsken" zelebrieren jeweils einen mitreißenden, gefühlvollen und stolz-erhabenen Stil, der die Traditionen der alten nordischen Zeiten hoch hält. Mit viel Arroganz, Verachtung gegen das Menschsein, inbrünstigem Hass, der Ehrung für die Nacht und die Dunkelheit der Natur. So erinnert der erste Song in seinem rasanten aber sehr hymnisch-hypnotischen Treiben doch sehr an BURZUM's "Jesus' Tod (Jesu død)". Kraftvoll, melodisch, beinahe episch in seiner Darbietung, inklusive Keyboards und Chor-Samples. "...svarta månsken" steht dem in nichts nach und präsentiert sich gar noch eine Spur eigenständiger, aber auch verstörender.

Fazit:
Eine EP, die es in sich hat. Was hier innerhalb der zwei dargebotenen Lieder präsentiert wird, erweist sich als emotionaler und anspruchsvoller als so manches Voll-Album. Wer also viel Wert auf authentische Atmosphären und an seinen Black Metal generell einen gewissen Anspruch und Niveau hegt, der wird in diesem Release mehr als fündig werden. Lange sollte man allerdings nicht über eine Anschaffung nachdenken, da die schwarze 7'' Vinyl auf gerade einmal 300 Exemplare limitiert ist. Zwecks Bestellungen wendet ihr euch am besten direkt an Purity Through Fire.

Tradioneller Schwarzmetall aus Schweden. Total Support!


Darbietungen:
01. Vid skuggornas...
02. ...svarta månsken

Laufzeit: ca. 13 Minuten